Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

So entkommen Sie der privaten Krankenversicherung

Wenn man jung und gesund ist, einen guten Job hat und noch kinderlos ist, bietet die private Krankenversicherung (PKV) viele Vorteile. Zum einen lockt sie mit anfänglich niedrigen Beiträgen, einer kürzeren Wartezeit auf Termine beim Facharzt und vielen zusätzlichen Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht abdeckt.

© rudolf ortner / pixelio.de

Für viele junge Menschen ist die private Krankenversicherung attraktiv, denn der Einstieg ist zunächst günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung. Mit zunehmendem Alter steigen die Beiträge, sodass sich viele später einen Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wünschen. Doch das ist gar nicht so einfach.

 

Trotzdem sollte vor einem Wechsel in die PKV einiges berücksichtigt werden. Zum einen kann man als Berufseinsteiger kaum abschätzen, wie sich das eigene Gehalt in den nächsten 20 bis 30 Jahren entwickeln und wie viel Rente man einmal zur Verfügung haben wird. Gleichzeitig steigen jedoch mit der Dauer der Mitgliedschaft die Prämien auch in der privaten Krankenversicherung. Wer eine Familie gründet, muss zusätzlich die Beiträge für seine Kinder zahlen.

Um zu verhindern, dass junge und gesunde Menschen zunächst von den günstigen Prämien der privaten Anbieter profitieren und später mit steigendem Alter und abnehmender Gesundheit zurück in die dann für sie günstigere gesetzliche Krankenversicherung flüchten, hat der Gesetzgeber den Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung mit einigen Hürden verbunden. Wer mit Wechselgedanken spielt, sollte daher im Hinterkopf behalten, dass ein Wechsel von der privaten Krankenversicherung zurück in die gesetzliche Krankenversicherung vor dem 55. Lebensjahr geschehen muss, da er in einem höheren Alter kaum noch möglich ist.

 

Der Wechsel zurück in die GKV als Angestellter

Wer in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt ist, für den ist der Wechsel in die GKV an die Höhe des Einkommens geknüpft. So darf das jährliche Bruttoeinkommen inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld die Summe von 57.600,00 € Euro nicht überschreiten (Stand: 2017, 2016 noch bei 56.250 €). Bei Versicherten, die bereits vor dem 31.12.2002 in der PKV waren, liegt die Einkommensgrenze bei 52.200 Euro (Stand: 2017, 2016 noch bei 50.850 €). Wer mehr verdient, hat beispielsweise die Möglichkeit, mit seinem Arbeitgeber eine auf mindestens ein Jahr begrenzte Teilzeitbeschäftigung zu vereinbaren. Wenn der Ehe- oder Lebenspartner gesetzlich versichert ist, kann außerdem ein unbezahlter Urlaub genommen werden, denn während dieser Zeit kann der Privatversicherte in die gesetzliche Familienversicherung wechseln.

Da seit 2013 ein Recht auf eine obligatorische Anschlussversicherung besteht, kann man nach Ende der einjährigen Auszeit freiwillig versichert bleiben. Darüber hinaus kann ein Jobwechsel mit kurzer Arbeitslosigkeit für den Wechsel der Krankenversicherung genutzt werden, da man sich wieder gesetzlich versichern lassen kann, wenn man einige Wochen Arbeitslosengeld I bezieht.

 

 

Als Selbstständiger oder Freiberufler in die GKV wechseln

Für Selbstständige ist der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung schwieriger als für Angestellte. Am einfachsten ist es jedoch, die Selbstständigkeit aufzugeben und eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu suchen. Auch hier darf die oben genannte Einkommensgrenze nicht überschritten werden. Wer sein Geschäft nicht ganz aufgeben möchte, hat die Möglichkeit, es nebenberuflich weiterzuführen. Es darf mit der Selbstständigkeit allerdings nicht mehr verdient werden als im neu aufgenommenen Angestelltenverhältnis.

Ist der Lebens- oder Ehepartner gesetzlich versichert, kann man in die Familienversicherung aufgenommen werden, wenn der eigene Verdienst weniger als 450 Euro im Monat beträgt. Wie bei den Angestellten berechtigt auch bei ehemals Selbstständigen der Bezug von Arbeitslosengeld I oder II zur Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung, wobei dieser Weg natürlich mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden ist.

 

Ein Wechsel für über 55-jährige ist kaum möglich

Wer mit dem Gedanken spielt, von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, muss dieses Vorhaben vor dem 55. Lebensjahr in Angriff nehmen, da es in einem höheren Alter fast unmöglich ist. Es bleiben den Betroffenen dann nur noch zwei Möglichkeiten: Nämlich einerseits über die Familienversicherung des Partners, wenn kein eigenes Einkommen besteht und wenn die Aufnahme vor der Rente beantragt wird. Zum anderen ist ein Wechsel möglich, wenn der Privatversicherte in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Tag bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert war, denn dann hat er ein Recht darauf, erneut aufgenommen zu werden. Durchgängig privat versicherte über 55-Jährige haben also keine Chance mehr auf einen Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Um dennoch Kosten zu sparen, bleibt ihnen nur noch die Möglichkeit eines Tarifwechsels, um die monatlichen Ausgaben für die Krankenversicherung zu verringern. 2009 wurde branchenweit ein Basistarif eingeführt, dessen Monatsbeitrag den Höchstbeitrag der GKV nicht überschreiten darf. Aktuell liegt dieser bei 682,95 Euro (Stand: 2017).

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.