Wirkstoffkombination zur Alzheimer-Behandlung gefunden

Kombination aus Parkinson-, Epilepsie & Asthma-Medikament soll Durchbruch bringen

Das Beta-Amyloid gilt unter Experten mit als Hauptauslöser für Alzheimer, denn wo diese Plaques nicht gefunden werden, gibt es auch keine Alzheimer-Symptome. Dem Protein wird daher eine Schlüsselrolle beim Ausbruch der neurodegenerativen Erkrankung zugesprochen. Nun fanden japanische Forscher von der Universität Kyoto heraus, dass eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen zur Verringerung von Beta-Amyloid in den Zellen von Alzheimerpatienten beiträgt.

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Ähnlich wie bei einem Puzzlespiel: Japanische Forscher testeten bereits entwickelte Wirkstoffe an Hirnzellen von Alzheimer-Patienten. Welche Wirkstoffkombination kann am effektivsten die Beta-Amyloid-Plaques bekämpfen? Die Sieger heißen Bromocriptin, Cromoglicinsäure und Topiramat. Die sind im Moment zugelassen für Parkinson, Epilepsie und Asthma.

 

Das sind gute Nachrichten aus Japan für die 46 Millionen Menschen, die weltweit an Alzheimer leiden. Sie kämpfen tagtäglich gegen den Gedächtnis- und dem damit einhergehenden Verlust der Persönlichkeit und Selbstständigkeit. Die Forscher hoffen, dass die nun gemachten Entdeckungen den Weg für ein Medikament zur Behandlung der Krankheit ebnen.

 

Hirnzellen aus IPS-Zellen

Um der Wirkstoffkombination auf die Spur zu kommen, nutzte das Forscherteam induzierte, pluripotente Stammzellen (kurz IPS-Zellen). Sie werden durch Umprogrammierung aus somatischen Körperzellen gewonnen. Die reprogrammierten Zellen haben dann fast wieder die Eigenschaften von embryonalen Stammzellen und können sich in eine Vielzahl von unterschiedlichen Zelltypen ausdifferenzieren. Das Team griff dabei auch auf Zellen von Alzheimer-Patienten zurück.

Im Labor wurden die IPS-Zellen vervielfältigt und weiter kultiviert. Die Forscher ließen sie im Anschluss gezielt zu Nervenzellen ausdifferenzieren. Dabei handelte es sich um kortikale Neuronen, also Hirnzellen. So waren die Wissenschaftler in der Lage, erkranktes Hirngewebe näher zu untersuchen.

Die genutzten IPS-Zellen stammten insgesamt von 13 Probanden:

  • Fünf Patienten litten an familiärer Alzheimer.
  • Bei vier Patienten wurde die sporadische Alzheimer-Demenz diagnostiziert, d. h. in ihren Familien gab es zuvor keine Erkrankungen
  • Vier gesunde Personen fungierten als Kontrollgruppe

 

Auf die Kombination kommt es an – Über 1250 Wirkstoffe untersucht

Die per Tissue Engineering erschaffenen Proben von Hirngewebe wurden insgesamt 1.258 verschiedenen Medikamenten ausgesetzt. Durch dieses Vorgehen gelang es, die wirkungsvollste Medikamentenkombination zu identifizieren, die die Konzentration von Beta-Amyloid signifikant senkt. Der Vorteil bei diesem Vorgehen: Es muss nichts neu entwickelt werden. Die Forscher greifen auf bereits bekannte Wirkstoffe zurück.

Als „Sieger“-Wirkstoffe kristallisierten sich dabei Bromocriptin, Cromoglicinsäure und Topiramat heraus.

 

 

Bromocriptin ist als Parkinson-Medikament zugelassen. Topiramat wird zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt. Diese beiden Medikamente wirken also bei Krankheiten, die ihren Ursprung im Gehirn haben. Parkinson zählt darüberhinaus ebenso zu den neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer. Bei der sogenannten „Schüttellähmung“ sterben die Serotonin-produzierenden Neuronen ab. Ausgehend von dieser Vorgeschichte waren die Forscher nicht wirklich überrascht.

Interessanterweise erzielt auch Cromoglicinsäure eine Wirkung auf das Beta-Amyloid-Protein und das, obwohl es als Asthmamittel entwickelt wurde.

 

Bestehende Wirkstoffe in neuer Kombination könnten Alzheimer-Behandlung revolutionieren

Die Kombination aller drei Wirkstoffe zusammen – Bromocriptin, Cromoglicinsäure und Topiramat – lässt die Beta-Amyloid-Ablagerungen um mehr als 30 Prozent schrumpfen. Das weckt Hoffnungen für die Zukunft. Der Weg bis zum wirksamen Medikament ist jedoch noch weit. Der Nachweis der Wirkung jetzt wurde auf zellulärer Ebene gefunden. Im nächsten Schritt gilt es herauszufinden, ob der gleiche Effekt auch im menschlichen Organismus auftritt.

Das Forschungsinstitut in Kyoto weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass nun erstmals eine Medikamentenkombination gefunden wird, die bewiesenermaßen zur Reduzierung des schädlichen Proteins führt. Da alle drei Wirkstoffe bereits eine Zulassung für medizinische Therapien haben, ist die Hoffnung deswegen besonders groß, dass bald eine deutlich bessere Option zur Behandlung von Alzheimer-Patienten als im Moment zur Verfügung stehen könne.

 

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