Wie viel Lärm vertragen Kinder?

Ab wann können Schäden am Gehör entstehen?

Lärm ist jedes Geräusch, das als störend empfunden wird. Das kann das stetige Brummen eines Elektrogeräts sein oder ein vorüberfliegender Hubschrauber. Während ein kurzes, lautes Geräusch erschreckt und für kurzfristiges Unbehagen sorgt, kann eine Dauerbelastung durch Lärm, der gar nicht besonders laut sein muss, psychische und körperliche Schäden hervorrufen. Diese körperlichen Beeinträchtigungen können sogar über den Schaden am Gehör hinausgehen. Lärm ist zwar häufig eine Frage der subjektiven Wahrnehmung, aber es lassen sich doch einige grundlegende Dinge dazu sagen. Gerade bei Kindern wird zu viel Lärm schnell problematisch. Was Kinder an Geräuschen vertragen und was ihnen schadet, hat die Redaktion von familien-gesundheit.de zusammengetragen.

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Das Gehör von Kindern ist empfindlicher als das von Erwachsenen. Daher kann Lärm für die Kleinen deutlich früher unangenehm werden und zu Hörschäden führen. Denken Sie daher rechtzeitig an den Gehörschutz für den Nachwuchs.

 

Das Problem bei Kindern

Je kleiner das Kind, desto empfindlicher ist das Gehör. Da das Gehör sich bis zum Alter von fünf bis sechs Jahren noch im Entwicklungsstadium befindet, kann besonders in diesen frühen Jahren eine Lärmbelastung zu dauerhaften Schäden führen. Ohrenärzte beobachten einen Anstieg von Hörschäden bei Kindern. Insgesamt leidet etwa eins von acht Kindern an Beeinträchtigungen. Nicht immer ist es möglich, Lärm zu umgehen oder zu vermeiden. Aber es ist wichtig, ein Bewusstsein für die Problematik zu entwickeln, wie viel Lärm Kinder vertragen und ab wann das Gehör geschützt werden muss. Bei kurzzeitiger hoher Lärmbelastung helfen spezielle Ohrenschützer für Kinder, bei einer Dauerbelastung müssen Sie womöglich langfristige Maßnahmen ergreifen oder den Lebensstil ändern.

 

Kinder: Was ist zu laut?

Lärm ist nicht unbedingt eine Frage der Lautstärke. Klar, ein kurzer lauter Ton kann schmerzhaft sein, ein Kind erschrecken und zum Weinen bringen. Aber schädlicher sind dauerhafte Geräusche. Was als „Lärm“ einzustufen ist und wie viel Lärm ein Kind vertragen kann, hängt also von der Situation ab:

  • Bereits 40 Dezibel (dB) können den Schlaf stören. Dafür reicht Flüstern oder leise Musik. Ein laufender Fernseher bringt es auf etwa 60 bis 65 dB und ist demnach absolut die falsche Kulisse für ein schlafendes Kind.
  • Ein dudelndes Radio, ein Gespräch oder ein brummender Rasenmäher stören die Konzentration beim Hausaufgaben machen, Lesen oder Lernen. Ein Dauergeräusch ab 60 dB ruft bereits erste Belastungsreaktionen hervor.
  • Eine Dauerbelastung mit 80 dB – das entspricht etwa dem Lärm einer viel befahrenen Straße, einer Waschmaschine beim Schleudern, aber auch Klavierüben und der Geräuschkulisse im Klassenzimmer – sorgen als Dauerbelastung schon für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.
  • Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 120 dB. Diese herrschen beispielsweise bei manchen Rockkonzerten, auch ein Presslufthammer in nächster Nähe kann so laut sein. Geräusche in dieser Lautstärke können auch bei kurzer Dauer akute Ohrenschmerzen hervorrufen.

 

Wie viel Lärm vertragen Kinder?

Gerade bei Kleinkindern und Babys mit ihrem empfindlichen Gehör sind es der alltägliche Umgebungslärm und das Kinderspielzeug(!), die Gehörschäden hervorrufen. Lärm ist allgegenwärtig: im Straßenverkehr durch Autos, Straßenbahnen, Hupen, Sirenen, Menschenansammlungen und so weiter. Aber auch zu Hause, wo sich das Gehör eigentlich erholen sollte, brummt der Staubsauger oder der Mixer, ist eine Schleifmaschine oder ein Rasenmäher zu hören, läuft der Fernseher oder das Radio. Ein besondere Falle lauert im Kinderzimmer selbst: Untersuchungen haben ergeben, dass manches Spielzeug den Schallpegel von 100 dB übersteigt! Spielzeug, das Geräusche macht, ist spannend, vor allem für kleine Kinder, die dieses dann womöglich extra nah ans Ohr halten. Es ist wichtig, hier ein wenig Sensibilität zu entwickeln: Was Ihnen laut vorkommt, ist für Ihr Kind zu viel Lärm!

 

Wenn Lärm zu Überreizung führt

In ihrer Wirkung werden vor allem die eher leisen, aber andauernden Geräusche unterschätzt. Denn es ist die Dauerbelastung, die zwar vielleicht nicht gleich die Hörfähigkeit schädigt, aber zu Überreizung und Stress führt und damit negative Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat. Bei Stress schüttet der Körper cortisolähnliche Hormone aus, was wiederum zu erhöhtem Blutdruck und langfristig möglicherweise zu Herzproblemen führt. Wird der Schlaf gestört, bedeutet dies einerseits, dass das Gehirn nicht genug Ruhepause zur Verarbeitung des Tagesgeschehens hat, und andererseits ist der Tiefschlaf nötig für die Zellenregeneration. Verkehrslärm, laufende Fernseher, ein ständig surrender Kühlschrank, die fiepende Heizung oder andere Elektrogeräte sind solche Dauergeräusche. Am Tage führt eine ständige Überreiztheit zu Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, launischem Verhalten und geringer Belastbarkeit. Wie viel Lärm ein Kind vertragen kann, kann es oft selbst nicht richtig einschätzen. Ist Ihr Kind ständig gereizt oder quengelig, „horchen“ Sie einmal genau hin – vielleicht liegt es daran, dass es nicht ausreichend Ruhe findet.

 

Wann brauchen Babys und Kleinkinder einen Gehörschutz?

Gegen akuten und dauerhaften Lärm lassen sich unterschiedliche Maßnahmen ergreifen. Ein spezieller Ohrenschützer oder eine Gehörschutzkapsel schützen die empfindlichen Ohren von Babys und Kleinkindern zum Beispiel wenn

  • Sie mit bei einer lauten Veranstaltung sind – das kann ein Festumzug, ein Jahrmarkt, eine Sportveranstaltung oder ähnliches sein.
  • Sie Ihr Kind Sylvester mit nach draußen nehmen.
  • Sie in der Nähe Ihres Kindes „heimwerkern“, also schleifen, sägen, bohren und so weiter.
  • jemand in der Nähe Schlagzeug oder Saxophon übt.

Bei dauerhaften Geräuschen ist der Aufwand meist größer. Nächtlicher Lärm lässt sich durch das Abschalten lauter Geräte oder die Anschaffung leiserer Geräte reduzieren. Gegen Verkehrslärm helfen Schallschutzfenster. Insgesamt ist es wichtig, zwischendurch für Ruhepausen zu sorgen und Geräuschquellen wie Fernseher oder Radio – oder auch Computerspiele – auszuschalten. Auf Reisen oder vorübergehend bietet sich für einen im wahrsten Sinne des Wortes ruhigen Schlaf auch das Tragen eines Gehörschutzes an. Achten Sie im Alltag einmal darauf, wie viel Lärm Ihr Kind vertragen kann und tatsächlich muss!

 

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