Wie gesund ist Milch?

Die Milch im Faktencheck: Macht Milch müde Menschen munter?

Für viele beginnt der Tag mit einem ordentlichen Frühstück: Müsli, Joghurt, Käse, Butter oder Kaffee stehen auf dem Frühstückstisch. Damit das Müsli rutscht, gehört eine ordentliche Portion Milch hinein. Joghurt, Käse und Butter werden direkt aus Milch gewonnen. Und viele Menschen trinken den Kaffee nicht schwarz, sondern nur mit Milch und Zucker. Milch ist ein Lebensmittel, das sich einen festen Platz auf dem Speiseplan und im Alltag erobert hat. Trotzdem wird seit vielen Jahrzehnten darüber diskutiert, ob Milch die Gesundheit fördert oder vielleicht sogar schädlich ist. Die Redaktion von familien-gesundheit.de macht für Sie den Faktencheck: Wie gesund ist Milch?

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Milch und Milchprodukte vom Speiseplan komplett zu streichen, ist nur in Ausnahmefällen eine gute Idee. Wer allergisch auf Kuhmilchproteine reagiert, hat nur die Möglichkeit auf andere Milchsorten z. B. Ziegenmilch auszuweichen. Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit kann das fehlende Enzym Laktase heute supplimiert werden. Alle anderen Menschen sollten die Milch in Maßen ruhig häufiger auf den Speiseplan setzen, denn Milch ist gesund: Sie enthält hochwertige Proteine, viele Fettsäuren sowie wertvolle Vitamine und Spurenelemente.

 

Naturprodukt Milch – seit über 6.000 Jahren „auf dem Markt“

Milch ist ein Naturprodukt, das eine Jahrtausende alte Tradition hat. Seit die Menschheit sich vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter gewandelt hat, gehört die Milch einfach dazu – ob nun von der Kuh, vom Büffel, vom Schaf oder von der Ziege. Bereits vor rund 6.000 Jahren tranken die ersten Bauern in Europa Milch. Unter den Nachfahren dieser Milchbauern breitete sich eine besondere Erbgut-Variante aus: Sie können Milch und daraus hergestellte Lebensmittel bestens verwerten. Menschen, die diese Gene nicht ins tragen, bekommen von Kuhmilch Bauchschmerzen. Schuld daran ist der Milchzucker Laktose. Ihn vertragen in Europa rund 85 Prozent der Erwachsenen. Auf anderen Kontinenten kann der Anteil deutlich niedriger liegen. Doch was alle vereint: Als Baby verträgt jeder Mensch Milch, denn Babys sind auf die Muttermilch und die Aufspaltung der darin enthaltenen Nährstoffe angewiesen.

Das alles hält Ernährungsexperten, Mediziner und Forscher nicht davon ab, darüber zu streiten, wie gesund Milch tatsächlich ist. Um es kurz zu machen: Das Max Rubner-Institut (MRI), das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, stellt klar und deutlich fest, dass Milch durchaus ein wesentlicher Bestandteil einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sein kann, denn in Milch und Milchprodukten steckt Kalzium, Jod, vielfältige Fettsäuren und hochwertiges Eiweiß. Wenn Laktose vertragen wird und keine andere Allergie auf Milchbestandteile vorliegt, ist der Verzehr von Milch bedenkenlos möglich und sogar für die Gesundheit höchst empfehlenswert.

 

Milch kann vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen

Langzeitstudien, die sich mit der Ernährung und Gesundheit der Teilnehmer befassen, geben Hinweise, dass mit dem steigenden Konsum von Milch, Käse und Joghurt das Risiko sinkt, einen Schlaganfall zu erleiden. Die Daten deuten ebenfalls darauf hin, dass Milch nicht nur einen schützenden Effekt bei Herz-Kreislauf-Krankheiten, sondern auch bei Diabetes und Darmkrebs hat. Milch tut also der Gesundheit gut – einzig Männer müssen etwas aufpassen. Trinken sie täglich mehr als 1,2 Liter Milch oder essen mehr als 100 Gramm Hartkäse, so steigt möglicherweise ihr Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Diese Grenzwerte liegen jedoch weit oberhalb des normalen Milchkonsums.

Im Schnitt verzehrt jeder Bundesbürger pro Jahr rund 84 Liter Milch. In die Zahl eingerechnet sind auch Kefir, Sauermilch und Milchmischgetränke. Außerdem werden rund 24 Kilogramm Käse gegessen.

 

Welche Inhaltsstoffe stecken in der Milch und wie wirken sie?

Proteine: In der Milch steckt hochwertiges Eiweiß

Proteine bilden das Grundgerüst unserer Zellen, von daher sollten die Eiweiße ein wichtiger Bestandteil der Nahrung sein. Milchproteine gelten unter Experten als besonders hochwertig, da ihre Zusammensetzung sehr stark jener entspricht, die Ernährungswissenschaftler für optimal für den menschlichen Körper ansehen. Da ähnliches auch für das Hühnerei gilt, werden Milch und Eier als gesunde Lebensmittel angesehen. Doch immer mehr Menschen wollen auf tierische Produkte komplett verzichten. Veganer lehnen daher im Gegensatz zu vielen Vegetariern Milch und Eier ab. Sie müssen dann darauf achten, ihren Proteinbedarf über Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreide zu decken.

Nur relativ wenige Menschen haben eine Kuhmilchallergie und reagieren daher auf Proteine aus der Kuhmilch allergisch. Aus gesundheitlichen Gründen ist einzig und allein diesen Menschen vom Verzehr von Milch abzuraten. Oftmals wird jedoch Ziegenmilch besser vertragen, da sie anders zusammengesetzt ist. Sie könnte daher eine Alternative sein, um auf das gesunde Lebensmittel Milch nicht ganz verzichten zu müssen.

 

Milchzucker: Kann bei Milchzuckerunverträglichkeit zu Problemen führen

Da Milch Milchzucker, die Laktose, enthält, hat sie natürlich auch Energie in Form von Kohlenhydraten. Daher gilt Milch bei einigen als Dickmacher. Doch auch hier kommt es wie immer auf das Maß an. 10 Liter Milch am Tag machen sicherlich dick. Die empfohlenen 250 Milliliter bringen eine vertretbare Kalorienzahl mit sich.

Eine Milchzuckerunverträglichkeit ist neben der Allergie auf bestimmt Eiweiße der zweite Grund, warum manche Menschen Milch nicht gut vertragen. Bei der sogenannten Laktoseunverträglichkeit können die Betroffenen den Milchzucker entweder nur sehr schwer oder gar nicht verdauen, da sie selbst nicht ausreichend das Enzym Laktase produzieren. Die Folge ist: Der Milchzucker gelangt bei ihnen in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt. Dabei entstehen Gase, die Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit oder Durchfall verursachen.

 

Lipide: Milch ist reich an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren

Während das Zucker-Profil der Milch recht simpel ist, enthält sie eine Vielzahl von Fetten. Wissenschaftler konnten mehr als 400 verschiedene Fettsäuren in der Milch nachweisen. Die Mehrzahl davon sind gesättigte Fettsäuren, die lange Zeit einen schlechten Ruf hatten und daher auch die Milch in Verruf brachten. Doch gerade Milch von Tieren in Weidehaltung enthält auch eine recht hohe Anzahl an besonders wertvollen, ungesättigten Fettsäuren wie den Omega-3-Fettsäuren.

Inzwischen geben Ernährungswissenschaftler Entwarnung. Milchkonsum führt nachweisbar nicht zu einem höheren Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Daher sollte man nicht einzig und allein wegen der gesättigten Fettsäuren auf den Milchkonsum und damit die anderen gesunden Inhaltsstoffe verzichten.

 

Kalzium: Der Mineralstoff schützt unsere Knochen

Milch enthält viel Kalzium. Dieser Mineralstoff ist wichtig für die Knochen. Neben Gemüse wie Grünkohl, Lauch und Brokkoli gilt Milch als exzellenter Kalziumlieferant. Obwohl Milch nachgewiesener Maßen viel Kalzium enthält, sind Milchtrinker im Alter leider nicht vor Knochenbrüchen gefeit. Hier scheint die Milch keinen Schutz zu bieten. Doch das gilt auch für andere kalziumreiche Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel: Sie senken nicht das Risiko für Knochenbrüche im Alter. Jedoch senkt ein hoher Milchkonsum das Osteoporose-Risiko bei Frauen.

 

Weitere Substanzen in der Milch: Enzyme, Hormone und microRNA

Neben Proteinen, Milchzucker, Fetten und Kalzium enthält Milch noch weitere Bestandteile – unter anderem Hormone und Enzyme. Sie stehen im Verdacht, das Auftreten von Akne zu fördern, weswegen Patienten mit starker Akne häufig der Verzicht auf Milchprodukte angeraten wird.

Milch enthält auch den Wachstumsfaktor IGF-1, schließlich sollen die kleinen Kälbchen schnell wachsen. IGF-1 tritt auch bei Milchtrinkern in höherer Konzentration im Blut auf. Vermutet wird, dass der Wachstumsfaktor dazu führt, dass Milchtrinker mehr wachsen. Deshalb wird gerade für Kinder im Wachstum der Verzehr von Milch und Milchprodukten empfohlen.

Daneben enthält Milch auch MicroRNA, die unter anderem das Ablesen des Erbgutes steuert. Die Milch-MicroRNA kann zumindest theoretisch die Aktivität von menschlichen Genen beeinflussen. Es steht jedoch noch nicht fest, ob die Effekte eher positiv oder negativ sind, da bislang entsprechende Untersuchungen und damit schlicht die Daten fehlen.

 

Alles in allem ist Milch ein sehr gesundes, natürliches Lebensmittel, das dennoch kontrovers diskutiert wird. Milch in Maßen ist ein gesunder Muntermacher, der viele wichtige Vitamine, Spurenelemente und Fettsäuren enthält, daher können Milchprodukte öfters auf den Tisch. Viele heimische Bauern bieten heutzutage „Milchtankstellen“ an, wo a 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr frische Rohmilch gezapft werden kann. Aus ihr lassen sich tolle Produkte leicht selbst herstellen.

 

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