Wenn Kinder Angst vor Gewitter haben

So helfen Sie Ihrem Kind, die Angst vor Blitz & Donner zu besiegen

Ein richtiges Gewitter kann sehr eindrucksvoll sein. Schwarze Wolken, Wind, Donnergrollen, das zu einem regelrechten Krachen wird, und grelle Blitze lassen niemanden unberührt. Vor allem kleinere Kinder beginnen dann häufig, sich zu fürchten, weil sie nicht wissen, woher diese bedrohlich wirkende Stimmung kommt, was sie zu bedeuten hat und wie sie sich dabei verhalten sollen. Sogar mancher Erwachsene hat Angst vor Gewittern, in extremen Fällen spricht man von „Ceraunophobie“, was eine krankhafte Panik vor Blitz und Donner bezeichnet. Aber soweit muss es ja nicht kommen. Das Verhalten der Eltern und ihr Umgang mit den Ängsten ihrer Kinder tragen wesentlich dazu bei, Kindern die Angst vor Gewitter zu nehmen.

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Gewitter mit Blitz und Donner sind eindrucksvolle Naturschauspiele, die Kindern durchaus Angst einflößen können. Doch wer genau weiß, was sich da draußen abspielt, kann die angst besiegen. Die Redaktion vom familien-gesundheit.de gibt weitere Tipps, wie Sie Ihrem Kind helfen können, die Angst vor Gewittern zu verlieren.

 

Die Angst vor Gewitter ist „angeboren“

Die Angst vor Gewittern ist eine Art angeborene Angst, die Kinder nicht erst durch eine schlechte Erfahrung „lernen“ müssen. Das instinktive Verhalten bei Angst ist, sich vor der Gefahr zurückzuziehen, sich zu verstecken und einen schützenden Ort aufzusuchen. Ein Gewitter ist durchaus eine reelle Gefahr, bei der leichtsinniges Verhalten böse Folgen haben kann. Es soll hier jedoch nicht darum gehen, dass bei Gewitter niemand etwas im Badesee zu suchen hat oder auf einer Bergspitze stehen sollte, sondern es geht um die unerklärliche und allgemeine Angst, die manche Kinder vor Gewittern haben. Denn was einige vielleicht als interessantes Wetterphänomen wahrnehmen, ist für andere einfach nur eine Bedrohung. Besonders schlimm empfinden viele Kinder ein Gewitter in der Nacht. Selbst verschlafen und müde, wird die von sich aus schon unheimliche Dunkelheit durch plötzliche Lichtblitze erhellt und dazu ertönt ein Donnern, dessen Herkunft sie sich nicht erklären können.

 

Blitz & Donner = Elektrische Entladung und Durchbruch der Schallmauer

Größeren Kindern, die Angst vor Gewitter haben, hilft es meistens, wenn Sie ihnen vermitteln, was bei einem Gewitter eigentlich passiert. Denn so können sie zumindest über den Verstand erkennen, dass keine Gefahr für sie besteht. Erklären Sie ihrem Kind auf möglichst einfache Weise, dass bei einem Gewitter unterschiedlich warme Luftmassen aufeinanderprallen, wobei es zu elektrischen Entladungen kommen kann. Diese Entladungen sehen wir als Blitze. Da Blitze fast 30.000 Grad Celsius heiß sind, erhitzt sich die umgebende Luft sehr plötzlich und dehnt sich so schnell aus, dass sie die Schallmauer durchbricht: Es donnert. Der Donner ist einfach nur ein (sehr) lautes Geräusch, aber nicht gefährlich. Lassen Sie Ihr Kind ganz nebenbei einfach die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen, so lernt es, die Entfernung eines Gewitters einzuschätzen.

Kleineren Kindern helfen solche naturwissenschaftlichen Ausführungen natürlich wenig. Es ist wichtig, dass Sie ihre Angst aber deswegen nicht herunterspielen, sondern versuchen zu trösten.

 

Ängste und Sorgen ernst nehmen

„Du brauchst keine Angst zu haben.“ oder „Stell dich nicht so an!“ sind wenig hilfreiche Sätze. Wenn ein Kind Angst hat, geht es nicht darum, ob es das „braucht“, sondern darum, wie sie gelindert werden kann. Zeigen Sie Verständnis, denn dann fühlt sich das Kind mitsamt seinen Sorgen ernstgenommen. Vor allem ist es wichtig, dass Sie selbst Ruhe ausstrahlen und dem Kind so zeigen, dass ein Gewitter nicht Angst verursachen muss, sondern etwas ganz Normales ist. Nicht nur zum tatsächlichen Schutz, sondern auch zur Beruhigung ist es ratsam, bei einem heranziehenden Gewitter rechtzeitig ins Haus (oder ein Geschäft oder ein Café) zu gehen, um das Angstgefühl nicht unnötig zu verstärken.

 

Schutz bieten, ablenken und verarbeiten

Zeigt sich Ihr Kind bei einem Gewitter ängstlich, lassen Sie es nicht allein, sondern bieten Sie ihm Schutz. Steht es nachts an Ihrem Bett und weint, nehmen Sie es doch einfach zu sich: Kuscheln hilft und schafft Geborgenheit. Auch ein kleines Licht kann beruhigend wirken, denn dann sind die Blitze nicht mehr gar so grell, und leise Musik kann eventuell vom Donner ablenken.

Zieht das Gewitter tagsüber auf, ist Ablenkung wohl die beste Lösung. Lesen Sie eine spannende Geschichte vor, bauen Sie ein neues Lego-Haus oder backen Sie gemeinsam einen Kuchen! Lässt sich Ihr Kind nicht ablenken, ist vielleicht auch genau das Gegenteil richtig: Stellen Sie sich mit ihm zusammen hinter die schützende Fensterscheibe und schauen Sie zu, was draußen passiert: Wann kommt der nächste Blitz? Wer sieht einen Fußgänger? Sind schon Pfützen da? Einem kleinen Kind können Sie manchmal auch die Angst vor dem Gewitter nehmen, wenn es selbst „Gewitter spielen“ darf. Lassen Sie es mit einem Kochtopf oder einem Backblech „donnern“ und trampeln, eine Taschenlampe oder ein Fahrradblinklicht liefert die nötigen Blitze.

 

Pläne schmieden für nach dem Gewitter

Hilfreich kann auch sein, dem Kind klar zu machen, dass das Gewitter bald wieder vorüber ist. Überlegen Sie doch gemeinsam, was Sie danach tun wollen. Basteln Sie zum Beispiel ein Boot, das später in der Pfütze schwimmen darf, oder suchen Sie schon einmal die Gummistiefel für einen kleinen Spaziergang heraus. Schauen Sie sich dann an, was das Gewitter mit der Natur gemacht hat: Pfützen, tropfende Bäume, frische Luft, heruntergefallene Zweige – vielleicht schwindet die Angst vor Gewittern, wenn Ihr Kind sieht, welche konkreten Folgen es tatsächlich hat.

Wie das Gewitter selbst ist auch die Angst davor bei den meisten Kinder vorübergehend. Zwar gehört sie zu den häufigsten Kinderängsten und tritt bei Jungen und Mädchen gleichermaßen auf, betrifft aber vor allem Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Verzweifeln Sie also nicht, sondern versuchen Sie, Verständnis für die ganz normale Gewitter-Angst Ihres Kindes aufzubringen und es auf die eine oder andere Weise zu beruhigen. Im Buchhandel oder in der Bibliothek finden Sie bestimmt auch ein passendes Kinderbuch, das dabei hilft, dem Gewitter seine Bedrohlichkeit und Ihrem Kind seine Furcht zu nehmen.

 

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