Was ist Guerilla-Gardening?

Der Guerilla Gärtner: Zwischen Lebensfreude und Protest

Graue Höfe, kahle Straßen und schmutzige Verkehrsinseln – in so mancher Stadt bietet sich ein ziemlich trübes Bild. Hier setzt „Guerilla-Gardening“ an: Wie im Guerilla-Kampf wird mit verdeckten, schnellen Pflanzaktionen gegen den übermächtigen Gegner Großstadt vorgegangen. Da das eigenmächtige Bepflanzen öffentlicher oder brachliegender Flächen verboten ist, verstand sich das „Guerilla-Gärtnern“ in seinen Anfängen in den 1970er Jahren als ziviler Ungehorsam und Protest gegen die Entwicklung der Städte. Inzwischen ist aus dem Guerilla-Kampf gegen die Tristheit im öffentlichen Raum jedoch eine weit verbreitete Form urbanen Gärtnerns geworden.

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Guerilla-Gärtner lassen dort Grün wachsen, wo im städtischen Raum sonst graue Tristess herrscht. Industriebrachen, Verkehrsinseln oder ein verwildeter Blumenkübel sind begehrte Objekte, wo in Zukunft Pflanzen und Blumen wachsen sollen. Mit Seed bombs bewaffnet, machen sich die Stadtverschönerer ans Werk.

 

Rechtliches zum Thema Guerilla-Gardening

Auch heute noch ist Guerilla-Gardening gesetzlich nicht erlaubt. Wer sich an solchen Pflanzaktionen beteiligt, muss gegebenenfalls mit einer Anzeige und einem Bußgeld rechnen. Bepflanzungen von Flächen und Grundstücken ohne Genehmigung des Eigentümers – gleich ob dies eine Privatperson oder eine Gemeinde ist – kann als Sachbeschädigung strafrechtlich verfolgt werden. In der Regel sehen die Gemeinden aber von einer Verfolgung ab. Einige begrüßen sogar die spontanen Verschönerungsaktionen. Probleme kann es zum Beispiel geben, wenn Privateigentümer nicht mit der Nutzung einverstanden sind oder ihr Grundstück bebauen möchten.

 

Guerilla-Gardening als politischer Protest

Gerade, da Guerilla-Gardening eigentlich verboten ist, hatte es immer auch eine politische Dimension. „Berühmt“ geworden ist es durch Aktionen wie den Protest von Globalisierungskritikern, die am 1. Mai 2000 in London die Rasenflächen auf dem Parliament Square umgruben und bepflanzten. Pflanzungen in Form von Schriftzügen oder einer Friedenstaube transportieren ebenso politische Botschaften wie das illegale Bepflanzen von Golfplätzen mit Dornenbüschen, um auf die aus ökologischer Sicht oft problematischen Anlagen hinzuweisen. Um auf den Hunger in der Welt aufmerksam zu machen, haben Aktivisten schon Nahrungsmittel wie Reis und Getreide in öffentlichen Grünanlagen ausgebracht. Kritiker der Gentechnik säten in anderen Aktionen Wildkräuter auf Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

 

Lebensqualität und Stadtverschönerung

Vielfach verdrängt städtische Bebauung Natur und Grünflächen, sodass das Guerilla-Gardening hier neben dem Aufzeigen urbaner Fehlplanungen vor allem das Ziel hat, das Stadtbild zu verschönern, die Lebensqualität zu verbessern und Lebensraum „zurückzuerobern“. Blumen auf Verkehrsinseln, Gemüsegärten auf innerstädtischen Brachflächen, Kletterpflanzen in Hinterhöfen, hier und da ein heimlicher Baum sind nur einige Beispiele, die Umwelt wieder lebenswerter zu machen.

Wer Salat ernten oder Erdbeeren aus eigenem Anbau essen möchte, sollte bedenken, dass städtische Böden möglicherweise verunreinigt sind. Für Obst und Gemüse oder auch, wenn Böden ungeeignet sind, hat sich daher das Pflanzen in Obstkisten, Blumenkästen, Wannen und ähnlichem zum Anlegen eines Gartens bewährt. Urbanes Gärtnern erfordert Einsatz und Ausdauer, kann aber einen großen Zuwachs an Lebensqualität bedeuten. Besonders erfolgreich sind Gemeinschaftsgärten, bei denen die Arbeit aufgeteilt wird und die gleichzeitig zum Mittelpunkt für das Nachbarschaftsleben werden können.

Die typischen Methoden der Guerilla-Taktik sehen viel einfacher aus: Besonders beliebt beim Guerilla-Gardening sind vorgefertigte Samenbomben, die sich einfach mitnehmen und ablegen oder werfen lassen, sobald sie irgendwo einen geeigneten Platz finden. Eine Samenbombe besteht aus Erde, Kompost und Ton, in die eine Samenmischung „eingebacken“ wird. So können die Samen in Ruhe keimen, sobald es regnet, ohne von Vögeln aufgepickt zu werden. Mit einer Mischung aus Buttermilch und Moos lassen sich Betonpfeiler oder Betonwände bestreichen und in kurzer Zeit in grüne Flächen verwandeln. Mit dieser „Moosmilch“ lässt sich sogar schreiben.

 

 

Wild drauflos zu pflanzen, tut nicht immer gut

Bei aller Freude über viel Grün und Blumenpracht warnen Naturschützer jedoch davor, einfach drauflos zu pflanzen. Ein wahlloses Aussäen und Blumensetzen kann mit Umweltproblemen verbunden sein. Es ist also auch beim Guerilla-Gardening sinnvoll, sich vorher ein paar Gedanken zu machen:

  • Viele Insekten brauchen vor allem den Nektar von Wildpflanzen, wogegen manche dekorative Blumen für sie nutzlos sind.
  • Exotische Pflanzen können heimische Arten verdrängen und sich unkontrolliert ausbreiten.
  • Heimische Pflanzen sind an das Klima angepasst und bieten wichtigen Lebensraum für Insekten und andere Tiere.
  • Zu viel Dünger ist schädlich für Böden und Tiere.
  • Insektengifte und andere Pestizide belasten die Umwelt und Grundwasser und schaden anderen Tieren, Pflanzen und Menschen.
  • Manche Tiere mögen offene, brache Flächen. So finden sich hier zum Beispiel Eidechsen und Nachtigallen. „Hauptsache bewachsen“ ist also nicht immer das Ziel.
  • Nicht alles wächst überall: Manche Pflanzen brauchen Sonne, andere nicht. Eine richtige Auswahl des Ortes ist also wichtig.
  • Die meisten Pflanzen brauchen auch ein klein wenig Pflege – wenigstens ein bisschen Wasser, wenn es länger nicht regnet – sonst gehen sie einfach wieder ein.

 

Auch wenn nicht alle Samen aufgehen oder die zarten Triebe unbedacht niedergetrampelt werden, wird die Guerilla-Gardening-Bewegung zunehmend bekannt und beliebt, und es kommt immer öfter vor, dass Anwohner einfach die Pflege für die Blumen vor ihrer Haustür übernehmen. Denn grüne Pflanzen und Blumen an unvermuteter Stelle sind für viele genau das, was sie sein sollen: Ein Augenzwinkern der Natur, ein Farbklecks im Alltag und ein Stückchen gute Laune. Es lohnt sich auf jedenfalls, sich um diese Fleckchen Natur zu kümmern.