Vorteile von Nabelschnurblut

Welche Argumente für die Nabelschnurblut-Einlagerung sprechen

Das Wunder „Schwangerschaft“ beginnt mit einer Zelle – der befruchteten Eizelle, auch Zygote genannt. Aus ihr entwickelt sich innerhalb von neun Monaten ein kompletter, kleiner Mensch. Die Zygote ist die Urstammzelle, auf die die ca. 100 Billionen Körperzellen letztlich zurückgehen. Experten kennen mittlerweile 200 verschiedene Zelltypen, die durch Stammzellen immer wieder neu im menschlichen Organismus gebildet werden. Eine unglaubliche Leistung der Natur! Gerade das stammzellreiche Nabelschnurblut ist zum Wegwerfen eigentlich viel zu schade, denn es besitzt viele Vorteile und somit positive Eigenschaften. Besonders interessant sind die darin in großer Anzahl vorkommenden Stammzellen.

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Es gibt mehrere Gründe, warum das Nabelschnurblut und die darin enthaltenen Stammzellen so besonders sind. Die familien-gesundheit.de-Redaktion hat Ihnen die Vorteile, die für eine Nabelschnurblut-Einlagerung sprechen, in diesem Beitrag zusammengefasst.

 

Vorteil der Nabelschnurblut-Stammzellen Nummer 1: Sie sind so individuell das Kind.

Das Nabelschnurblut gehört zum Blutkreislauf des Babys. Das bedeutet, dass die dort vorhandenen Zellen die gleichen Gewebemerkmale aufweisen wie das Kind selbst. Die Stammzellen im Nabelschnurblut sind also genauso individuell wie der eigene Fingerabdruck. Doch gerade diese individuellen Gewebemerkmale bereiten Medizinern bei einer Transplantation in der Regel Sorgen, denn die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen übereinstimmen. Sonst kommt es zu gefürchteten Abstoßungsreaktionen. Da es über Zehntausend verschiedene Kombinationsmöglichkeiten für die Gewebemerkmale geben kann, gleicht die Suche nach einem geeigneten Spender oft der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nur in rund einem Drittel der Fälle wird ein geeigneter Spender innerhalb der Familie gefunden. Können jedoch die eigenen Nabelschnurblut-Stammzellen übertragen werden, so sind Spender und Empfänger identisch. Mit der gefürchteten Abstoßung ist daher nicht zu rechnen.

 

Vorteil der Nabelschnurblut-Stammzellen Nummer 2: Sie sind ewig jung.

Das Nabelschnurblut wird direkt nach der Geburt entnommen, ins Labor transportiert, dort untersucht und eingefroren. Der ganze Prozess darf keine 48 Stunden dauern. Die Nabelschnurblut-Stammzellen sind damit die jüngsten, verfügbaren adulten Stammzellen überhaupt. Ihre ganz besonderen Eigenschaften haben dafür gesorgt, dass sie sogar eine eigenständige Bezeichnung erhielten: „Neonatale Stammzellen“.

Sie können für viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte, in den Kryotanks im Kälteschlaf schlummern. Dort ist es so kalt, dass sämtliche Prozesse in den Zellen zum Erliegen kommen – nicht nur Stoffwechselprozesse sondern natürlich auch Alterungsprozesse. In der Zwischenzeit wächst das Kind heran, geht zur Schule, macht eine Ausbildung und gründet eine eigene Familie. Mit ihm altern seine Zellen, denn sie sind permanenten Umweltbelastungen ausgesetzt. Giftige Stoffe wie Benzol oder Asbest, Viren wie das Eppstein-Barr-Virus oder das Humane-Papilloma-Virus (HPV) aber auch radioaktive Strahlung können ihnen schaden und Mutationen auslösen. Irgendwann sind selbst die Stammzellen nicht mehr in der Lage, die Schäden zu reparieren. Krebs kann entstehen.

Den Stammzellen im Kälteschlaf passiert das nicht. Sie bleiben einfach jung, unbeschadet und vital. Außerdem sind sie in der Regel frei von Viren und Bakterien, da der Kreislauf des Babys durch die Gebärmutter, die Fruchthülle und die Plazenta vom Kreislauf der Mutter abgetrennt ist.

 

Vorteil der Nabelschnurblut-Stammzellen Nummer 3: Sie sind sehr teilungsfreudig.

Im Laufe des Lebens nimmt die Teilungsfreudigkeit der Stammzellen ab. Sie sind dann nicht mehr in der Lage, sich selbst und andere Schäden zu reparieren. Experten sehen diesen Umstand mit als eine Ursache für den Alterungsprozess an. Genau darum ist niemand unsterblich. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) muss ebenfalls auf diese Erkenntnisse reagieren. Sie akzeptiert daher nur Stammzellenspender bis zu einem Alter von 55 Jahren.

Die Nabelschnurblut-Stammzellen dagegen sind besonders teilungsfreudig. Ihre Vitalität ist auf ihre erhaltene Jugend zurückzuführen.

 

Vorteil der Nabelschnurblut-Stammzellen Nummer 4: Sie sind sehr anpassungsfähig.

Unterhält man sich mit Experten über Nabelschnurblut-Stammzellen so „schwärmen“ sie fast von ihrer Flexibilität. Was muss man sich als Laie darunter vorstellen? Die jungen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut zeichnet eine große Anpassungsfähigkeit aus. Studien zeigen, dass es bei einer Transplantation von Nabelschnurblut seltener zu Abstoßungsreaktionen kommt – selbst dann nicht, wenn die Gewebemerkmale nicht ganz optimal zueinander passen. Wissenschaftler vermuten, dass durch die Möglichkeit der Anpassung das Empfänger-Immunsystem bei weitem nicht so auf die fremden, neonatalen Zellen reagiert wie dies bei adulten Stammzellen der Fall wäre.

Beim medizinischen Einsatz punkten die Nabelschnurblut-Stammzellen mit ihrer besonderen Flexibilität noch weiter, denn sie sind in der Lage, sich in eine Vielzahl von Zelltypen auszudifferenzieren. Sie können sich also nicht nur beispielsweise zu Blutzellen oder Zellen des Immunsystems entwickeln, sondern könnten im Labor auch zu Herzzellen oder Nervenzellen kultivieren lassen. Dies macht sie für einen Einsatz beim sogenannten Tissue Engineering, dem Züchten von Geweben, extrem interessant als vielversprechendes Ausgangsmaterial für individuelle Therapien.

 

Vorteil der Nabelschnurblut-Stammzellen Nummer 5: Sie stehen sofort zur Verfügung.

Die Nabelschnurblut-Stammzellen werden mit Hilfe von flüssigem Stickstoff bei rund -190° C eingefroren und können so „auf Vorrat“ lagern, d. h. sie stehen bei Bedarf direkt zur Verfügung. Die aufwändige und zeitintensive Suche nach einem geeigneten Spender entfällt.

Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass die Stammzellen selbst nach Jahrzehnten im Kälteschlaf problemlos aufgetaut werden können. Sie haben dann nichts von ihrer Vitalität und Anpassungsfähigkeit eingebüßt. Wissenschaftliche Berechnungen aufgrund der thermodynamischen Gesetze deuten sogar darauf hin, dass die Lebensfähigkeit der Zellen im Kälteschlaf mindestens 100 Jahre beträgt. Damit steht ein Stammzelldepot aus Nabelschnurblut ein Leben lang zur Verfügung.

Übrigens … Alle Nabelschnurblutbanken, egal ob privat oder öffentlich, müssen beim Paul-Ehrlich-Institut alle zwei Jahre die Haltbarkeit der Präparate durch sogenannte Haltbarkeitstests nachweisen.

 

Was die Vorteile der Nabelschnurblut-Einlagerung sind, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst. Wir möchten natürlich ausgewogen berichten und enthalten Ihnen daher auch nicht die Kritik am Angebot der privaten Nabelschnurblutbanken vor. Eine Übersicht mit den Pro- und Contra-Argumenten für oder gegen das Einlagern von Nabelschnurblut finden Sie hier.

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