Von „Bixn“ & „Lumpn“ – Brauch zur Geburt aus Bayern

Hinweisschild am Straßenrand verrät das Geschlecht des Babys

Im Alpenraum und in Bayern findet sich neben dem Aufstellen eines Klapperstorches und dem Aufhängen einer Wäscheleine noch ein weiterer Brauch, der die Geburt eines Kindes verkündet. Hier weist ein von Freunden am Straßenrand aufgestelltes Schild auf das freudige Ereignis hin. Ist es ein Mädchen steht darauf „Zur Bixnmacherei“. Ist es ein Junge, ist darauf „Zur Lumpnmacherei“ zu lesen. Je nach Geschlecht variiert die Ausgestaltung des Schildes.

© DutchAir / pixabay.com

Mit „Bixnmacher“ (hochdeutsch: ein Büchsenmacher) wurde früher in Bayern ein Vater bezeichnet, der nur Töchter hatte. Das hat sich mittlerweile überholt, jedoch geblieben ist der Brauch, dass Freunde am Straßenrand ein entsprechendes Schild aufstellen, um zur verkünden, dass ein Baby geboren wurde. „Zur Bixnmacherei“ begrüßt ein Mädchen. „Zur Lumpnmacherei“ heißt einen Jungen willkommen.

 

Für alle nicht „Bayrisch-Muttersprachler“ folgt die Erklärung zur Wortbedeutung hier: Für die Bezeichnungen stehen die bayerischen Worte „Lump“ bzw. „Bixn“ Pate. Als „Lump“ wird ein Junge bzw. ein junger Mann bezeichnet, der es faustdick hinter den Ohren hat. Obwohl „Lump“ durchaus abwertend konnotiert ist, schwingt auch etwas Bewunderung im Sinne von „Schlitzohr“ mit. Das Wort „Bixn“ leitet sich von „Büchse“ bzw. „Dose“ ab. Es bezeichnet ein Mädchen bzw. eine junge Frau. Heute wird dieses Wort eher in einem abfälligen Kontext verwendet. Aber das Bayerische ist häufig etwas derber und nach heutigen Maßstäben politisch nicht immer korrekt.

 

Von Bixn, Hochzeit und Aussteuer

Bei einem Mädchen, also einer „Bixn“, hängen leere Blechdosen am Schild. Sie sollten früher Freunde und Nachbarn auffordern, für die frischgebackenen Eltern eine kleine Spende zu hinterlassen, denn einst waren Mädchen sehr teuer. Sie konnten nichts zum Familienunterhalt beitragen, da die Frau früher für die drei Ks (Kinder, Kirche und Küche) zuständig war. Mädchen und junge Frauen mussten daher im Haushalt mithelfen und durften keinem Beruf nachgehen. Außerdem mussten Mädchen verheiratet werden. Damit dies klappte, brauchten sie eine ordentliche Aussteuer. Diese „Investition“ war für die Familie jedoch verloren, da die Mädchen nach der Hochzeit das Haus verließen und mit der Mitgift zum Ehemann zogen. Und zu allem Überfluss musste der Brautvater auch noch die Hochzeit bezahlen. Daher war jede finanzielle Unterstützung willkommen.

Früher wurde das Schild „Zur Bixnmacherei“ meist nur aufgestellt, wenn der Mann drei Töchter gezeugt hatte oder die Erstgeborene ein Mädchen war. Dann wurde ihm die Befähigung zum „Büchsenmacher“ attestiert. Heute verkündet das Schild einfach die Geburt eines Mädchens – nicht mehr und nicht weniger.

 

Von Lumpen und Selbstbestimmung

Bei einem Jungen werden Lumpen – also zerrissene, ausgediente alte Kleidung – an das Schild gehangen. Für einen Jungen waren übrigens keine Spenden nötig, denn er konnte später selbstbestimmt seinen Lebensunterhalt selbst verdienen und brauchte auch keine Aussteuer.

 

 

Obwohl sich die Rollen von Frau und Mann deutlich gewandelt haben, konnte sich der Brauch bis heute erhalten. Die Familie, Freunde und Nachbarn feiern noch immer gern die Ankunft eines neuen Erdenbürgers – egal ob „Bixn“ oder „Lumpn“. Und daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern!