Vitamin C gegen Leukämie

Kann Enzym-Doping mit Vitamin C einen Leukämie-Ausbruch verhindern?

Nur über eine intravenöse Gabe ist es möglich, Patienten eine extrem hohe Dosis Vitamin C (Ascorbinsäure) zu verabreichen. Mit einer solchen Behandlung ließe sich womöglich verhindern, dass eine unkontrollierte Vermehrung der Stammzellen im Knochenmark aufgrund einer häufigen Mutation erfolgt. Dieser Prozess, den Experten zunächst als „klonale Hämatopoese“ bezeichnen, führt letztendlich zur Leukämie, die lebensbedrohlich wird, weil sowohl Blutgerinnung als auch das Immunsystem völlig aus den Fugen geraten. Der Einsatz von hochdosiertem Vitamin C zur Bekämpfung von Krankheiten weckt Erinnerungen an die Ideen von Linus Pauling.

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Vitamin C kommt in Zitrusfrüchten wie Orangen, Zitronen oder Limetten reichlich vor. Jedoch ließe sich über die Ernährung allein die hohe Vitamin C-Dosis nicht bewerkstelligen, die nötig wäre, um den Ausbruch von Leukämie mittels Vitamin C zu verhindern. Dafür müsste das Vitamin C intravenös all jenen Patienten verabreicht werden, bei denen aufgrund einer Mutation das wichtige TET2-Enzym nicht funktioniert. Bei ihnen ist das Risiko, an Leukämie zu erkranken, extrem erhöht. TET2 verhindert normalerweise, dass sich Stammzellen „bis in alle Ewigkeit“ teilen. Das Enzym zwingt die hämatopoetischen Stammzellen im Knochenmark, sich nach einer gewissen Anzahl von Teilungen in reife Blutzellen auszudifferenzieren.

 

Idee, dass hohe Dosen von Vitaminen vor Krankheiten schützen könnten, stammt von Nobelpreisträger Linus Pauling

Pauling erhielt 1954 nicht nur den Nobelpreis für Chemie, sondern 1963 auch den Friedensnobelpreis. Im fortgeschrittenem Alter entwickelte er die These, dass hohe Dosen von Vitamin C vor vielen Krankheiten schützen können – von der Erkältung bis hin zu Krebs. In der Tat vermag die tägliche Einnahme von Vitamin C vor einem Schnupfen zu schützen. Jedoch bezweifeln Mediziner, dass sie effektiv vor einem Ausbruch von Krebs bewahrt. Pauling selbst konnte den Beweis nicht wirklich erbringen. Er verstarb 93-jährig an Prostatakrebs

Die Idee, dass sich mit hohen Vitamin-Dosen Krankheiten vorbeugen lassen, hat jedoch überlebt und bildet den Grundstein für die orthomolekulare Medizin. Sie wird von der evidenzbasierten Schulmedizin nicht wirklich anerkannt. Ergebnisse aus randomisierten Studien stellen die Thesen der orthomolekularen Medizin immer wieder in Frage. Sie lieferten sogar Hinweise, dass höhere Dosierungen von Vitamin A oder Vitamin E letzten Endes sogar eine krebsfördernde Wirkung haben könnten.

 

Bei der Leukämie kommt es zur ungehinderten Teilung von Stammzellen im Knochenmark

Nun allerdings lassen Grundlagenforscher die Idee wiederaufleben. Am Perlmutter Cancer Center in New York (USA) wird an den Ursachen von Leukämie geforscht. Die Krankheit entsteht, weil Stammzellen im Knochenmark sich ungehindert teilen und das Blut mit unreifen Leukozyten überschwemmen. Das feine Gleichgewicht zwischen Teilung und Reifung ist bei Leukämie-Patienten verschoben. In den letzten Jahren konnten zahlreiche Mutationen entdeckt werden, die die klonale Hämatopoese antreiben. Sie führt zunächst zum myelodysplastischen Syndrom und letztlich zur akuten myeloischen Leukämie.

Sogenannten Treibermutationen lassen sich auf dem TET2-Gen finden. Es kodiert Informationen für ein Enzym, das für die epigenetische Kontrolle der DNA eine wichtige Rolle spielt. Dabei werden durch Methylgruppen letztlich einzelne Gene dauerhaft an- oder ausgestaltet. TET2 regelt einen Schutzmechanismus. Es aktiviert Gene, die die Selbstzerstörung von Stammzellen initiieren, sodass die hämatopoetische Stammzelle nach einer Anzahl von Teilungen zu einer reifen Blutzelle heranreifen muss. Dieser Selbstschutz des Organismus soll die Entwicklung von Krebserkrankungen verhindern, da der unkontrollierten Teilung einzelner Zellen ein Riegel vorgeschoben wird.

 

Vitamin C unterstützt die Funktion der TET-Enzyme und hält Krankheitsausbruch bei Mutationen auf

Wird TET2 ausgeschalten, entwickeln sich Leukämien. Im Tierversuch konnte jedoch auch der Nachweis erbracht werden, dass die Behandlung mit hochdosiertem Vitamin C diese Entwicklung verhinderte, denn Vitamin C ist ein sogenannter Kofaktor der TET-Enzyme. Es unterstützt ihre Funktion. Dank Vitamin C blieben die Versuchstiere trotz ausgeschaltetem TET2 gesund. Die hämatopoetischen Stammzellen reiften zu vollfunktionsfähigen Leukozyten heran und begannen nicht, sich unkontrolliert zu teilen. Die Wissenschaftler am Perlmutter Cancer Center vermuten, dass Vitamin C den gleichen Effekt hat wie eine intakte Version des TET2-Enzyms. Vitamin C befreit Teile der DNA von Methylresten und damit falsche „Lesezeichen“. Es aktiviert jene Gene, die eine unkontrollierte Zellvermehrung verhindern.

Sollte es möglich sein, die Ergebnisse aus den Mäuseversuchen auf den Menschen zu übertragen, so ließen sich die entarteten Zellen allein mit Vitamin C in Schach halten. Für ältere Leukämie-Patienten oder Kinder würde dieser Behandlungsansatz deutlich besser verträglich sein als heutige Therapien. Bislang steht beim Blutkrebs lediglich eine aggressive Chemotherapie mit vielen Nebenwirkungen zur Verfügung. Schlägt diese nicht an oder kommt es zu einem Rückfall, so kann das Leben der Patienten nur mit einer Stammzellentransplantation gerettet werden. Auch sie birgt erhebliche Risiken.

 

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