Urban Gardening: Die Stadt wird grüner

Dank der 'Stadtgärtner': Neues Naturgefühl für unsere Städte

Zum Glück sind die Zeiten, wo Natur und Stadt nicht gut zueinander passen wollten, längst vorbei. Mittlerweile holen sich die Menschen die Natur Stück für Stück in ihre Städte zurück. Das Urban Gardening hat einen hohen Anteil daran, dass unsere Städte immer grüner und lebenswerter werden. Die moderne Form des städtischen Gärtners, so lautet zumindest die Übersetzung des Begriffs „urban gardening“ ins Deutsche, sorgt dafür, dass nicht nur Balkons und Terrassen ergrünen und erblühen, sondern auch Brachflächen von den Stadtgärtnern erschlossen werden.

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Mit Hochbeeten lassen sich fürs Stadtgärtnern Orte erschließen, bei denen man im Leben nicht gedacht hätte, dass hier Obst und Gemüse wachsen kann. Dank Urban Gardening werden die Städte grüner und das Stadtleben nachhaltiger.

 

Urban Gardening lässt Städte ergrünen

In Balkonkästen und Kübeln werden jedoch längst nicht mehr nur Geranien und Petunien gepflanzt, sondern es wachsen in ihnen Erdbeeren, Salat und Kräuter. Auch Tomaten und Gurken lassen sich auf „Balkonien“ und „Terrassien“ ziehen und bereichern mit ihren Aromen die Küche. Wo heute Blumen, Obst und Gemüse vor Hauswänden wachsen, fristete früher bestenfalls ein wilder Holunderbusch ein kümmerliches Dasein.

Die Urban-Gardening-Bewegung macht auch vor den Außenfassaden von Wohnhäusern und Büro-Komplexen nicht halt. Mit ihrer Vision der vertikalen Gärten will sie bislang ungenutzte Flächen begrünen und so helfen, die Luftverschmutzung und die Aufheizung der Städte einzudämmen.

Die Großstädter besinnen sich auf die Naturverbundenheit. Diese brachte nicht nur die heutige Urban Gardening-Bewegung hervor, sondern bereits vor über 150 Jahren auch die Schrebergärtner. Heute treffen sich Gleichgesinnte sowohl auf privaten Brachflächen als auch auf öffentlichen Plätzen, um dort gemeinsam Beete zu bewirtschaften. Gepflanzt wird, was gefällt: Hier wachsen nicht nur Sonnenblumen und Gladiolen, sondern beispielsweise auch Physalis und Johannisbeeren oder Radieschen und Stangenbohnen. Der Obst- und Gemüseanbau inmitten der Stadt boomt, denn die Nachfrage nach regional-erzeugten Lebensmitteln wächst beständig. Das Konzept Urban Gardening beweist, dass Großstadtflair und ländliches Ambiente keine unvereinbaren Gegensätze sind.

 

Urban-Gardening schafft ein neues Wir-Gefühl im Quartier

Ganz nebenbei erschafft die Gartenbewegung der Großstadtgärtner eine neue Form der Gemeinschaftsarbeit und sorgt für ein lässigeres Miteinander. Beim Urban Gardening wird das städtische Umfeld als Begegnungs- und Kommunikationsort genutzt. Die Stadtgärtner spannen Freunde, Familie und Bekannte für ihre Projekte mit ein und suchen außerdem gezielt den Austausch mit Gleichgesinnten. Die ersten Erfolge sind meist zügig zu sehen und locken wiederum neugierige Anrainer an, die sich schnell vom „Urban-Gardening-Virus“ infizieren lassen.

Wenn hässliche Brachflächen innerhalb kurzer Zeit in grün erstrahlen, wertet das nicht nur einzelne Wohnquartiere, sondern ganze Stadtgebiete auf. Vor allem Großstädte wie Berlin oder Köln sind die Profiteure des Trends Urban Gardening. Triste Kieze werden dank Blumen bunter. Nachbarn lernen sich besser kennen und vernetzen sich schneller. Die entstandenen Pflanzenparadiese helfen auch, Grenzen zu überwinden, denn beim Arbeitseinsatz im Stadtgarten arbeiten Jung und Alt, Yuppie und Ökofundie sowie Arbeitsloser und Beamter Hand in Hand zusammen. Und nach getaner Arbeit gibt es oftmals noch gesellige Runden, wo ein Teil der frisch geernteten Obst- und Gemüse-Produktion gleich wieder verspeist wird.

 

Ein paar Vorsichtsmaßnahmen sind beim Stadtgemüse zu beachten

Wo viel Licht ist, ist leider oftmals auch ein bisschen Schatten. Die Beete, die im Rahmen des Urban Gardenings angelegt werden, entstehen oftmals auf dem Gelände von alten Fabriken, denn Guerilla Gardening und Urban Gardening sind eng miteinander verzahnt.

Dort wo früher gemahlen, genietet, gehämmert oder geschweißt wurde, sollten man die erzeugten Nahrungsmittel mit Vorsicht genießen, denn der Boden könnte mit Schadstoffen belastet sein. Es ist schon häufig vorgekommen, dass die Lebensmittel-Grenzwerte im Hinblick auf Schwermetalle und andere Giftstoffe bei der Nachnutzung von Industriebrachen überschritten wurden. Die Altlasten, die sich im Laufe der Zeit im Boden ansammelten, sind auf den ersten Blick meist nicht zu erkennen. Viele Initiativen kennen mittlerweile diese Gefahr und haben sich darauf eingestellt. Obst und Gemüse wird oft nicht direkt im Boden angebaut, sondern in Kisten und Kübeln gezogen. Auch selbstgebaute Hochbeete bieten eine gute Möglichkeit, um die Schadstoffbelastung im Boden einfach und effektiv zu umgehen.

Oftmals lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass das Stadtobst und -gemüse direkt an vielbefahrenen Straßen angebaut wird. Auch hier hinterlassen Rußpartikel und Reifenabrieb messbare Spuren. Deswegen sollte die Ernte vor dem Verzehr gut gewaschen werden. Eine Hecke, die zwischen Straße und Stadtgarten gepflanzt wird, hilft, die Belastungen erheblich zu reduzieren.

 

Urban Gardening – die neue Gartenleidenschaft ist hochgradig gesund

Alles in allem sehen Gesundheitsexperten das Urban Gardening sehr positiv. Sie ermutigen Interessierte ausdrücklich, ihrer Gartenleidenschaft auch in der Stadt und ohne eigenen Kleingarten nachzugehen. Die Arbeit an der frischen Luft ist nachweislich ein ganz effektives Ganzkörpertraining und beugt so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Gartenarbeit hilft außerdem bei der Stressbewältigung. So kann die Seele neue Kraft tanken. „Garteln hält jung!“, das bestätigt nicht nur  jeder Kleingärtner, sondern auch alle Balkon- und Stadtgärtner.