Ungesunde Diäten: Finger weg von diesen "Abnehmstrategien"

Warum Sie sich mit der Wodka-Diät, der Zigaretten-Diät oder Abführmitteln keinen Gefallen tun

Bei den Trenddiäten scheint es so, dass Abnehmen heutzutage nichts für Weicheier ist. Manche ernähren sich wie die Höhlenmenschen, andere essen den ganzen Tag nur Kohlsuppe oder Ananas. Viele fragwürdige Mono- und Crashdiäten versprechen schnelle Abnehmerfolge und sind dabei manchmal mehr, manchmal weniger gesund. Allerdings kursieren auch Diätkonzept, mit denen Sie sich – nicht nur auf lange Sicht, sondern bereits von Anfang an – nichts Gutes tun. Die Redaktion von familien-gesundheit.de nimmt mit der Trinker-Diät (The Drinking Man’s Diet), der Zigaretten-Diät, der Wodka-Diät, der Dornröschen-Diät (Sleeping-Beauty-Diet) und Abführmitteln die wohl ungesündesten Abnehmstrategien genauer unter die Lupe und ergründet, wieso sich solche Trends überhaupt etablieren konnten.

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Nicht jede Diät, die den Verlust überflüssiger Pfunde verspricht, ist wirklich gut für uns. Es kursieren sehr seltsame Abnehmkonzepte. Bleiben Sie also kritisch und hinterfragen Sie die Vorteile und Nachteile der jeweiligen Diät genau. Bei der Trinker-Diät, der Wodka-Diät, der Nikotin-Diät, der Dornröschen-Diät sowie dem Abnehmen mit Abführmitteln drohen ernsthafte gesundheitliche Schäden. Deswegen kann hier der Rat nur lauten: Stop! Finger weg von diesen ungesunden Diäten!

 

The Drinking Man’s Diet: Extrem-Low-Carb mit Trinkflatrate

„The Drinking Man’s Diet“, zu deutsch „Die Trinker-Diät“, lässt bereits erahnen, warum diese Abnehmmethode dem eigenen Körper weitaus mehr schadet als hilft. Bereits in den sechziger Jahren propagierte Robert W. Cameron in seinem gleichnamigen Buch schnelle Abnehmerfolge durch wenig Kohlenhydrate und Alkoholgenuss. Zugegeben, damals war der Umgang mit Alkohol ohnehin ein anderer, doch gesund war die Diät auch in den Sechzigern nicht.

Cameron kam zu der Annahme, dass Kohlenhydrate allein für das „Hüftgold“ verantwortlich seien, Fett und Eiweiß hingegen vom Körper gänzlich anders und vor allem figurfreundlicher verwertet werden würden. Folglich müsse zum Abnehmen nur auf Brot, Pasta, Reis und Kartoffeln verzichtet werden und schon purzeln die Pfunde von alleine. Damit gilt „The Drinking Man’s Diet“ als die erste Low-Carb-Diät der Welt. Sie ist mit 60 Gramm Kohlenhydraten pro Tag sogar eine sehr extreme. Diese Grenze ist bereits mit einer recht spärlichen Obst- oder Gemüseportion erreicht. Ansonsten landet auf dem Teller hauptsächlich Fleisch, gern auch mit mächtigen Soßen, denn Proteine und Fette sind unbegrenzt erlaubt. Dazu gibt es selbstverständlich kohlenhydratarme oder -freie alkoholische Getränke, vorzugsweise Wein, Sekt oder Spirituosen.

Für einen einzelnen Abend mag der trinkende Mann (oder die trinkende Frau) durchaus Spaß machen: Gehen Sie mit Freunden ins Steakhouse und anschließend noch in die nächste Bar. Als wirkliche kurz- oder gar langfristige „Diät“ ist die Methode absolut ungeeignet. Die einseitige Ernährung führt schnell zu Mangelerscheinungen und gesundheitlichen Risiken. Von der Belastung Ihrer Leber und des Herz-Kreislaufsystems einmal ganz zu schweigen. Des Weiteren ist es eine allgemein bekannte Tatsache, dass Alkohol den Fettabbau sogar verzögert, was eher zu einer Gewichtszunahme führt. Abnehmerfolge, die eventuell verzeichnet werden können, rühren wenn überhaupt von einer Unterernährung her. Die abgespeckten Kilos haben Sie durch den garantiert eintretenden Jojo-Effekt aber schnell mit Zins und Zinseszinns wieder auf den Rippen. Das Einzige, was Sie mit der „Drinking Man’s Diet“ dauerhaft verlieren werden, sind vermutlich ein paar Erinnerungen.

 

Die Wodka-Diät: Abnehmen mit Mütterchen Russlands Nationalgetränk

Obwohl der trinkende Mann schon recht fragwürdig war, geht die Wodka-Diät noch einen Schritt weiter. Hier ist die Liste der unerlaubten Speisen und Getränke sogar noch länger als bei vielen anderen Abnehmmethoden, die Zahl der erlaubten dagegen verschwindend gering. In flüssiger Form stehen zum Beispiel nur Wasser und Wodka auf dem Speiseplan. Essen dürfen Sie hingegen ausschließlich Salat. Auch hier setzt sich das feuchtfröhliche Vergnügen fort: Statt Öl, Joghurt oder Ähnlichem wird das Dressing ebenfalls mit der hochprozentigen Spirituose zubereitet.

Mit der Wodka-Diät werden wie bei jeder anderen Crashdiät auch nur sehr wenige Kalorien aufgenommen. Die negative Energiebilanz soll dann die gewünschte Gewichtsreduktion herbeiführen. Das dies selbstverständlich nichts bringt, vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung, muss an dieser Stelle eigentlich nicht nocheinmal erwähnt werden.

Wodka ist aufgrund seines Alkoholgehalts nicht nur gesundheitsschädlich. Er birgt auch ein hohes Suchtpotential. Zur Unterstützung einer Diät taugt er nicht: Zwar liefert das russische Wässerchen keinerlei Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß für den Körper, dafür aber jede Menge leere und nutzlose Kalorien. Eine Unterversorgung mit Nährstoffen und gefährliche Mangelerscheinungen sind die Folge. Außerdem hemmt Alkohol, wie bereits beim „Drinking Man“ erwähnt, die Fettverbrennung, da das Gift mit höchster Priorität von unserem Organismus abgebaut wird. Da durch die Mangelernährung der Stoffwechsel stark heruntergefahren wird, setzt mit Beendigung der Wodka-Diät mit Sicherheit der Jojo-Effekt ein. Hat man also überhaupt Gewicht verloren, so erhält man es spätenstens nach der Diät doppelt und dreifach zurück.

 

Die Zigaretten-Diät: Rauchen Sie sich einfach schlank

Oft hört man: Wer abnehmen möchte, sollte einfach zur Zigarette greifen. Damit wird der Appetit gezügelt, Sie essen weniger und schon purzeln die Pfunde ganz von allein. In den zwanziger Jahren machte der Tabakkonzern Lucky Strike damit sogar Werbung. Vor allem die Damenwelt sollte sich angesprochen fühlen und für die schlanke Linie rauchen. Einige Umfragen ergeben, dass dies sogar heute noch einer der Hauptgründe ist, warum junge Frauen zur Zigarette greifen.

Zwischen Nikotin und Hungergefühl herrscht tatsächlich ein Zusammenhang. Wenn Sie rauchen, wird Ihr Appetit gehemmt, was nahelegt, dass Sie durch Zigaretten wirklich an Gewicht verlieren können. Langzeitstudien haben ergeben, dass Raucher insgesamt einen niedrigeren Body-Mass-Index haben als Nichtraucher, allerdings tragen sie mehr Fett an den Hüften. Durch den Tabakkonsum wandert das vorhandene Fett nämlich eher in die Bauchregion, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöht.

Generell ist rauchen nicht nur sucht-, sondern ebenfalls extrem gesundheitsgefährdend. Die Liste der Folgen des langjährigen Qualmens ist lang. Es drohen unter anderem Durchblutungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Schlaganfall, chronische Bronchitis und diverse Krebsarten wie Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Lungenkrebs. Was nützt einem letztlich eine gute Figur, wenn man sie nicht lange genug genießen kann? Zudem sollten Sie das Abnehmen durch Tabakkonsum auch deshalb überdenken, da es auf lange Sicht keine wirklichen Erfolge mit sich bringt. Raucher, die sich von ihrer Sucht verabschieden, haben nach dem Entzug oft etwa fünf Kilo mehr auf den Rippen. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen kehrt das lang unterdrückte Hungergefühl wieder zurück. Zum anderen kann Essen auch eine Art Ersatzbefriedigung darstellen. Außerdem schmeckt vieles plötzlich deutlich besser, da die Geschmacksnerven nicht mehr durch die Giftstoffe im Tabakqualm behindert werden.

Daher gilt: Lassen Sie die Schachtel mit den Nikotinstäbchen besser im Automaten, auch dann, wenn Sie abnehmen wollen. Die Schäden, die Sie Ihrem Körper mit dem Rauchen zufügen, sind ohnehin weitaus höher als die Risiken, die durch ein paar mehr Kilos auf den Rippen entstehen.

 

Die Dornröschen-Diät: Abnehmen im Schlaf?

Wer schläft, isst nicht: Soweit die Theorie. Das ist schon das ganze Prinzip hinter der Sleeping-Beauty- oder Dornröschen-Diät. Schlafen Sie einfach besonders lange, um eine oder sogar mehrere Mahlzeiten auszulassen, dies zaubere dann die Pfunde weg. Allein der Umstand, dass diese Abnehmstrategie ihren Ursprung in Pro-Anorexie-Foren hat, sollte bereits die Alarmglocken klingeln lassen.

Bei der Dornröschen-Diät wird der Wecker nicht einfach nur eine Stunde nach hinten gestellt. Befürworter dieser radikalen und gefährlichen Abnehmmethode sedieren sich selbst mit Beruhigungsmitteln, um sich möglichst lange „auszuknocken“. Das eigene Wunschgewicht steht jedoch selbstverständlich in keinem Verhältnis zur Suchtgefahr von Benzodiazepinen und den körperlichen Schäden, etwa Hirnschäden und Muskelschwund, die eine regelmäßige Einnahme verursachen. Dass Sie bei dieser Diät außerdem buchstäblich Ihr ganzes Leben verschlafen, ist im Vergleich dazu nur ein geringer, wenn auch trauriger Nebeneffekt. Es besteht außerdem die Gefahr, dass die soziale Isolation die psychische Verfassung angreift und zu Depressionen führt.

Zudem ist die Wirksamkeit der Diät nicht bewiesen. Genügend Schlaf beugt zwar Übergewicht vor, da ansonsten auf fett- und zuckerhaltige Lebensmittel zurückgegriffen wird, um den Körper mit Energie zu versorgen. Zu viel Ruhe hingegen kann den Stoffwechsel verlangsamen und somit dem eigentlichen Diätziel drastisch entgegenwirken. Nutzen Sie daher die Zeit, die Sie bei der Dornröschen-Diät verschlafen würden besser, um etwas Gesundes zu essen und Sport zu treiben.

 

Die Abführmittel-Diät: Bedeutet schnelle Verdauung auch schnelle Gewichtsabnahme?

Viele Frauen und Männer versuchen, mit Abführmitteln abzunehmen. Die Theorie dahinter ist recht einfach: Wenn die Nahrung unseren Körper schneller verlässt, hat er keine Zeit, die gesamte Menge an Kalorien aufzunehmen. Folglich wird dem Organismus weniger Energie zugeführt und er ist gezwungen, an seine Reserven zu gehen. Vielleicht sehen Sie bereits nach wenigen Tagen sogar schon die ersten Abnehmerfolge mit dieser Methode.

Doch der Schein trügt. Was Sie durch die Abführmittel an Gewicht verlieren, sind hauptsächlich Wasser und die letzte Mahlzeit, die körpereigenen Fettreserven bleiben erhalten. Außerdem werden Sie auch mit dieser Methode schnell Opfer des Jojo-Effekts, da es zu keiner Ernährungsumstellung kommt. Des Weiteren wirken die Präparate erst im Dickdarm. Die Nährstoffaufnahme beginnt jedoch bereits im Dünndarm, was die Prämisse der Diät als falsch enttarnt. Es wäre schön, an dieser Stelle sagen zu können, dass eine Diät mit Abführmitteln nur sinnlos ist. Doch leider birgt Sie viele gesundheitliche Probleme.

Bauchkrämpfe, Koliken und Durchfall sind noch die harmlosesten Komplikationen, die Abführmittel mit sich bringen können. Gerade bei längerer Anwendung wird der Wasser-, Mineral- und Elektrolythaushalt des Körpers durcheinandergebracht: Herz-Rhythmus-Störungen und sogar die Beeinträchtigung der Funktionsweise unserer inneren Organe sind die Folgen. Des Weiteren gewöhnt sich der Körper an die Präparate. Sie wirken also entweder nicht mehr oder Sie müssen die Dosierung erhöhen. Ab hier kann es lebensgefährlich werden. Ist Ihr Organismus von Abführmitteln bereits so abhängig geworden, dass er seine Arbeit nicht mehr allein verrichten kann, folgt eine Darmträgheit. Sobald Sie die Mittel absetzen, funktioniert Ihr gesamtes Verdauungssystem nicht mehr.

Abnehmen mit Abführmitteln funktioniert also definitiv nicht, es ist obendrein auch höchst ungesund. Wenn Sie Ihre Verdauung körperfreundlich ankurbeln möchten, sollten Sie lieber viel trinken, sich jeden Tag ausreichend bewegen und gesunde Ballaststoffe zu sich nehmen.

 

Diäten sollen gesund halten, nicht den Körper zerstören

Viele enorm fragwürdige Methoden versprechen einen schnellen Gewichtsverlust. Sie halten jedoch ihre Versprechen für gewöhnlich nicht. Schlimmer noch: Sie schaden uns bei weitem mehr, als zunächst angenommen. Bevor Sie sich also entscheiden, den neuesten Crash-Trend auszuprobieren, in der Hoffnung dass die Pfunde purzeln, stellen Sie lieber Ihre Ernährung langfristig auf eine gesunde, ausgewogene Kost um und treiben Sie Sport. Mit Alkohol, Tabletten oder dem Verschlafen Ihres Lebens werden Sie Ihre Wunschfigur jedenfalls nicht erreichen. Das ist jedoch in Anbetracht der anderen ernsthaften Nebenwirkungen dieser gefährlichen Diätstrategien noch das kleinste Übel.