Unfruchtbarkeit durch Sonnencreme

Ungewollte Kinderlosigkeit: Wenn der UV-Schutz die Spermien ausbremst

Sommerzeit gleich Sonnenzeit. Bevor wir in die Sonne gehen, heißt es, sich gut einzucremen, um Sonnenbrand, Hautalterung und Hautkrebs vorzubeugen. Die Empfehlung von Hautärzten lautet klar: Viel hilft viel. Vor und während des Sonnenbades soll man sich möglichst oft und dick mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen, denn die UV-Filter in der Sonnencreme schützen die Haut vor der schädlichen ultravioletten Strahlung. Doch für Männer könnte damit eine unerwünschte Kettenreaktion in Gang gesetzt werden. Was viele nämlich nicht wissen: UV-Filter in Sonnenmilch, Sonnencreme und Sonnensprays können noch eine ganz andere Wirkung haben, indem sie Funktion von Spermienzellen stören. Die Folge: Die Fruchtbarkeit des Mannes wird beeinflusst, weil die Zeugung eines Kindes sich somit erschwert.

© dimitrisvetsikas1969

Wer denkt schon beim Sonnenbaden an den ungeborenen Nachwuchs? Bei Paaren mit Kinderwunsch sollte bei der Sonnencreme auf die Liste der Inhaltsstoffe ein Blick geworfen werden.

 

In westlichen Nationen ist männliche Unfruchtbarkeit auf dem Vormarsch

Der Däne Niels Skakkebaek ist als Professor für Reproduktionsmedizin an der Universität Kopenhagen eine Koryphäe, wenn es darum geht, den Kinderwunsch von ungewollt kinderlosen Paaren zu behandeln. Doch eine Frage lässt den Spezialisten nicht mehr los: Warum ist das Zeugen von Kindern komplizierter geworden? Was führt zu männlicher Unfruchtbarkeit, die vor allem in westlichen Ländern auf dem Vormarsch zu sein scheint?

Auf der Liste der möglicherweise gefährlichen Substanzen hat Skaekkebaek mit seinem Team die in Sonnencremes enthaltenen UV-Filter näher untersucht. Dazu muss man wissen, dass als Lichtschutzfaktoren sowohl mineralische als auch chemische Filtersubstanzen zum Einsatz kommen. In den Produkten werden diese in der Regel jedoch kombiniert. Mittlerweile enthalten einige Sonnencremes sogar Nanopartikel. Vor allem die chemischen UV-Filter stehen schon länger im Verdacht, sich auf die Zeugungsfähigkeit von Männern negativ auszuwirken. Bereits vor Jahren hatten Forscher nachgewiesen, dass chemische UV-Filter auf Wasserorganismen eine hormonähnliche Wirkung haben.

Für die dänische Studie wurden frisch gespendete Spermien im Labor 29 UV-Filtern, wie sie in Europa und den USA in gängigen Sonnenschutz-Produkten zum Auftragen auf die Haut stecken, ausgesetzt. 13 dieser Filter beeinflussen die Funktion der männlichen Keimzellen. Wie ist das möglich?

 

UV-Filter aus der Sonnencreme wirken wie Hormone auf Spermien

Im Versuchsaufbau schwammen die männlichen Samenzellen in einer Lösung, die die Bedingungen im weiblichen Eileiter simulieren sollte. Die 13 negativ aufgefallenen UV-Filter veränderten die Kalziumaufnahme in den Spermien. Auf neun der Filter reagierten die männlichen Samenzellen sogar so, als wären sie mit dem weiblichen Hormon Progesteron in Kontakt gekommen, denn auch die UV-Filter öffneten einen Kanal, der Kalzium in die Spermienzellen einströmen lässt. Dieser Prozess findet normalerweise erst statt, wenn das Spermium bei der Eizelle angekommen ist. Das Problem hinter diesem Mechanismus: Reagieren die Spermien bereits auf Chemikalien als wären diese ein weibliches Hormon, so reagieren sie später schlechter auf das echte Hormon. Fehlt der Kalziumschub,  kommt es am Ende zu keiner Befruchtung.

Es konnte zudem beobachtet werden, dass der unerwünschte Effekt bereits bei einer geringen Dosis der UV-Filter-Substanzen eintritt. UV-Filter sollen normalerweise auf der Haut vor den negativen Auswirkungen des Sonnenbadens schützen. Doch sie können über die Haut vom Organismus aufgenommen werden. Im Urin und im Blutplasma lassen sie sich dann nachweisen.

 

Forderung: Vor Zulassung chemische UV-Filter auf ihre Wirkung im Hinblick auf die Fruchtbarkeit testen

In den dänischen Versuchen blockierten einige der UV-Filter die Wirkung des Progesterons auf die männlichen Samenzellen komplett. Andere UV-Filter behinderten die Beweglichkeit der Spermien. Nach Meinung von Skaekkebaek ließen sich so durchaus Fälle von männlicher Unfruchtbarkeit erklären, die bislang nicht erklärt werden konnten.

Die Aufforderung der Wissenschaftler aus Dänemark geht ganz klar an die zuständigen Zulassungsbehörden rund um den Globus: Bevor chemische UV-Filter für Kosmetika zugelassen werden, sollte ihre Wirkung auf die Fruchtbarkeit bei Mann und Frau geprüft werden. Bis dies Standard ist, bleibt bei Kinderwunsch bzw. ungewollter Kinderlosigkeit derzeit nur eine Möglichkeit: Wenn ein Paar eine Schwangerschaft plant, sollte man es mit dem Sonnenbaden nicht übertreiben.

 

Der familien-gesundheit.de-Tipp

Der Fruchtbarkeit zu liebe: Liste der Inhaltsstoffe bei Sonnencremes genau lesen

Verzichten Sie bei der Auswahl der Sonnencreme auf chemische UV-Filter und wählen Sie lieber mineralische UV-Filter als Alternative. Seien Sie auch skeptisch gegenüber Nanopartikeln, denn deren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus ist ebenfalls noch nicht bis ins letzte Detail geklärt.

Unter den bei der dänischen Studie beanstandeten 13 UV-Filtern finden sich die Substanzen: Octylsalicylat, Avobenzon, Octocrilen, Octinoxat, Oxybenzon (auch als Benzophenon-3 bekannt) und Padimat-O. Diese enthalten allerdings nicht nur Sonnencremes. Sie werden auch in anderen Kosmetika wie Lippenstiften und Haarsprays mit UV-Schutz verwendet.

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