Trennkost verspricht Abnehmen ohne Hungern

Wenn sich Steak und Kartoffeln nicht berühren, purzeln die Kilos

Kein Hungern, keine Kalorien zählen, und alles ist erlaubt, wenn man nur ein paar Dinge dabei beachtet? Eine Trennkost-Diät hört sich zunächst vielversprechend an. Essen Sie einfach Proteine und Kohlenhydrate getrennt voneinander, lassen Sie zwischen den Mahlzeiten genügend Zeit und schon kommen Sie ohne Hungern Kilo für Kilo zum Wunschgewicht. Doch wie effektiv ist diese Diät-Strategie aus dem frühen 20. Jahrhundert wirklich?

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Bei der Trennkost dürfen Sie alles essen. Nur manches eben nicht zusammen. Ein saftiges Steak mit Salat oder Grillgemüse ist mittags erlaubt. Spaghetti-Bolognese müssen Sie dagegen leider gänzlich vom Speiseplanstreichen, denn Nudeln mit Hackfleisch sind bei der Trennkost verboten. Schließlich gehört Pasta in die Gruppe der Kohlenhydrate und das Hackfleisch in die Gruppe der Proteine. Und laut Theorie hinter dem Diätkonzept kann unser Körper angeblich beides gleichzeitig nicht verwerten. Daher müssen diese Komponenten jeweils getrennt gegessen werden, womit der Name „Trennkost“ erklärt wäre.

 

Trennkost: Was genau steckt hinter der Methode?

Entwickelt wurde das Prinzip der Trennkost Anfang des 20. Jahrhunderts vom New Yorker Arzt William Howard Hay. Dieser kam zu der Annahme, dass unser Verdauungssystem nicht darauf ausgelegt sei, Kohlenhydrate und Proteine gemeinsam zu verdauen, da die einzelnen Prozesse zu unterschiedlich abliefen. Die Folge wäre eine Übersäuerung des Körpers, die der Grund vielerlei Zivilisationskrankheiten sei – etwa Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes und eben auch Übergewicht. Daher entwickelte Hay eine Ernährungstheorie, bei der kohlenhydrat- und eiweißhaltige Lebensmittel nicht zusammen, sondern nur in Kombination mit „neutralen“ Lebensmitteln wie Gemüse, Salat und Milchprodukten verzehrt werden durften. Des Weiteren sollten Kohlenhydrate vorwiegend am Morgen und am Abend, Eiweiß dagegen mittags konsumiert werden.

 

So funktioniert die Trennkost-Diät

Im Gegensatz zu anderen Diäten werden bei der Trennkost-Ernährung keine Lebensmittel und Lebensmittelgruppen verboten oder eingeschränkt. Offensichtliche Ausnahmen bildet nur Kost, die bereits zeitgleich konzentrierte Mengen an Kohlenhydraten und Eiweiß enthält, zum Beispiel Hülsenfrüchte und bestimmte Wurstwaren. Wenn Sie jedoch richtig kombinieren, dann dürfen Sie essen, was Sie wollen und wieviel Sie wollen. Mengen und Kalorien werden nicht gezählt. Sie müssen nur beachten, dass Brot, Kartoffeln, Reis oder Pasta nicht mit Fleisch, Fisch, Eiern und Käse gepaart werden, dass zwischen Ihren Mahlzeiten mindestens drei bis vier Stunden Zeit liegen, und dass Obst und Gemüse ungefähr drei Viertel Ihrer Ernährung ausmachen. Es wird jedoch auch bei der Trennkost empfohlen, frische, weitgehend unverarbeitete Lebensmittel zu wählen. Natürlich unterstützt ein angemessenes Sportprogramm und eine eher fettärmere Ernährung Ihre Diäterfolge.

 

Die Vor- und Nachteile der Trennkost-Ernährung

Wie jede Diät oder andere Ernährungsweise hat auch die Trennkost ihre Licht- und Schattenseiten. Besonders positiv zu bewerten ist zuallererst der hohe Abteil an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie die Reduktion des Fleischkonsums. Ein hoher Ballaststoffgehalt sowie die verminderte Aufnahme von Fett, Cholesterin und Purinen sind der Gesundheit selbstverständlich zuträglich. Auch wird durch die Trennung eine bewusstere Ernährung gefördert. Zuletzt ist die Trennkost-Diät recht kalorien- und energiearm, was Sie Ihre Diätziele einfacher erreichen lässt.

Nichtsdestotrotz hat Trennkost nicht nur Vorteile. Die Ernährung ist, vor allem auf Dauer, ziemlich einseitig und birgt das Risiko, dass Sie sowohl zu viele Getreideprodukte zu sich nehmen als auch oft die selben Gerichte essen, damit Sie die Regeln der Diät nicht brechen. Auch das Risiko von Mangelerscheinungen durch die unzureichende Aufnahme von B-Vitaminen, Calcium und Eisen ist gegeben. Die Zufuhr von Calcium, Jod und Omega-3-Fettsäuren findet oftmals auch nur unzureichend statt und muss im schlimmsten Fall supplementiert werden. Diese Mängel machen die Trennkost-Diät besonders für Kinder und Jugendliche, Schwangere und stillende Mütter ungeeignet.

 

Die „Wissenschaft“ der Trennkost ist längst überholt, Diäterfolge bleiben dennoch bestehen

Dass unser Körper Kohlenhydrate und Proteine zeitgleich nicht oder nur schlecht verdauen kann, ist schon seit vielen Jahren wissenschaftlich widerlegt. Immerhin gibt es Lebensmittel, die beide Bestandteile beinhalten und problemlos von unserem Organismus verwertet werden können. Auch eine Übersäuerung des Körpers findet bei einer nach Hay „falschen“ Ernährung nicht statt, da die menschenlichen Puffersysteme den Säure-Basen-Spiegel konstant halten. Selbst die Einteilung einiger Lebensmittel in die drei Gruppen (Eiweiß, Kohlenhydrate, neutral) ist entweder recht unlogisch oder sogar falsch.

Doch obwohl der Prämisse der Trennkost-Ernährung mittlerweile die wissenschaftliche Grundlage fehlt, bietet die Umstellung dennoch einige Vorteile, die Ihnen beim Abnehmen helfen können. Wenig Fleisch, viel Rohkost, Obst und Gemüse sorgen für eine gesunde, kalorien- und fettarme Kost. Dies verspricht nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern kann ebenfalls die Blutfettwerte senken, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verringert.

Letzten Endes ist die Trennung von Proteinen und Kohlenhydraten kritisch zu beurteilen, viele Aspekte der Trennkost-Diät können jedoch einer gesunden Ernährung durchaus zuträglich sein.