Toilettenpapier: Mehr Style fürs Bad

Shit happens: Wie originelles Toilettenpapier das WC-Feeling revolutioniert

Es eignet sich wohl nicht unbedingt für Smalltalk: Toilettenpapier. Oder würden sie auf der nächsten Gartenparty Ihrem Gesprächspartner erzählen, wie Ihr Klopapier aussieht? Gibt es da überhaupt etwas zu erzählen? Normalerweise spült man es doch einfach die Toilette nach dem Erledigen des großen oder kleinen Geschäfts herunter. Weit gefehlt! Toilettenpapier avanciert zum modischen Accessoire und sogar zum politischen Statement. Schließlich müssen auch Hipster auf Toilette. In deutschen WCs und Bädern bahnt sich eine kleine Revolution an. Es wird bunt und vielfältig.

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Buntes Klopapier avanciert zum Hingucker – nicht nur in der Badausstellung der Möbelhäuser. Auch auf der heimischen Toilette findet klammheimlich eine kleine Revolution statt. Schnödes Klopapier in weiß oder grau war gestern. Heute zieht im WC Farbe ein und es darf gerne auch Toilettenpapier mit Motiv sein – vom Einhorn bis zum Herzchen, vom Weihnachtsmann bis zum Gehirnjogging via Sudoku und Kreuzworträtsel ist alles erlaubt.

 

Der Einhorn-Hype macht auch vor dem Klo nicht halt

Klopapier ist längst nicht mehr einheitlich grau oder weiß. Es gibt inzwischen die komplette Farbpalette – zumindest in zarten Pastelltönen: von gelb über rosa bis hin zu himmelblau. Doch die Toilettenpapierhersteller geben sich damit längst nicht zufrieden. Sie wollen mit ihren Produkten Statements setzen und dem Zeitgeist folgen.

So findet sich heute in Supermärkten, Drogerien oder im Internet Toilettenpapier nicht etwa nur mit Blümchen oder Wölkchen, sondern auch mit Einhörnern, Smileys, Krönchen, Geburtstagskerzen, Flamingos, Hello Kitty, dem Eiffelturm und sogar mit mehr oder weniger beliebten Politikern wie beispielsweise dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Wer ihm schon immer einmal sagen wollte: „Ach, leck mich doch am Allerwertesten!“, der kann durchaus zur Tat schreiten.

 

 

Jeder vierte Kunde kauft Dekor-Toilettenpapier

Die großen Hersteller überlassen dabei nichts dem Zufall. Hakle produziert bedrucktes Toilettenpapier seit Ende der 1970er Jahre. 90 Millionen Rollen Klopapier verkauft Hakle nach eigenen Angaben jedes Jahr an seine Kunden. Ungefähr ein Viertel davon ist bedruckt. Der Konkurrent Zewa entwickelt neues Toilettenpapier und Motive sogar auf Basis von Marktforschungsdaten, um sicher zu sein, dass der Nerv der Zielgruppe getroffen wird. So verwundert es nicht, dass auch besondere Limited Editions auf den Markt gebracht werden z. B. zu Weihnachten das Toilettenpapier mit Spekulatiusduft.

 

 

Branchenexperten gehen davon aus, dass die Bundesbürger jedes Jahr 600.000 bis 700.000 Tonnen Klopapier verbrauchen. Heruntergebrochen auf einen deutschen Haushalt bedeutet das, dass jährlich rund 93 Rollen Klopapier gekauft werden. Dafür sind durchschnittlich 25,48 Euro zu zahlen. Dreilagiges Klopapier findet sich in deutschen Toiletten übrigens am häufigsten. Es kommt auf einen Marktanteil von 65 Prozent. 40 Prozent der Kunden kaufen außerdem gerne Klopapier mit Dekor. Für die Herstellung dieses Klopapier setzen die Produzenten auf besonders geprägte Papiere, die dann mithilfe von farbigem Leim eingefärbt werden. Das Verfahren hebt die Prägung besonders hervor. Ein Druck auf Papier ist sehr viel aufwändiger und wird daher etwas seltener umgesetzt.

 

Edles Designer-Toilettenpapier

Über die Firma Design-Tissue lässt sich einfarbiges Toilettenpapier in ganz unterschiedlichen Farben beziehen: Von Knallgelb über Magenta-Pink und Terrakotta bis hin zu Schwarz. Zu den Kunden gehören beispielsweise Szenekneipen, die selbst im WC ihrem Stil treu bleiben wollen und wirklich alles in ihren Farben halten bzw. ein außergewöhnliches Statement setzen möchten. Auch Hotels schaffen gerne besondere Blickfänge schaffen und wählen daher beim Toilettenpapier für jede Etage eine andere Farbe.

Die Firma Tissuedesign produziert ganz edles Toilettenpapier. Für die Verzierung der Blätter werden Gold und Silber verwendet. Die Kundenliste für dieses exklusive Toilettenpapier ist natürlich streng geheim, doch vielleicht gehört Ihr Gesprächspartner auf der nächsten Gartenparty bereits zu den Kunden, die in der heimischen Toilette mit 24-Karat-Echtgold geprägtes Klopapier haben. Wer weiß das schon? Sicher ist nur: Shit happens. Das neue Badgefühl darf jedoch gerne bunt sein.

 

Toilettenpapier mit Hochzeitsmotiven hoch im Kurs, wenn es ans Heiraten geht

Motivtoilettenpapier ist häufig rund um Hochzeiten im Einsatz – nicht nur auf der Toilette, sondern sogar als Verpackungsmaterial. Schließlich lassen sich damit kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten sowie finanzielle Zuwendungen originell verpacken.

 

 

Auch bei der Weihnachtsdeko scheinen die Deutschen keine Kompromisse zu machen. So ziehen in der Adventszeit Rentiere und Tannenbäume selbst auf dem stillen Örtchen ein oder dienen ebenfalls als fantasievolles und vor allem brauchbares Geschenk. Eine Rolle Klopapier mit Witzen, Sudoku oder Kreuzworträtseln macht damit der Krawatte oder den Socken als ultimativ-immer-passendes Weihnachtsgeschenk Konkurrenz. In Zukunft kann der Trend sogar zum komplett individualisierten Toilettenpapier gehen. Auch dafür gibt es bereits Anbieter. Auf dem Portal mach-mich.de kann man sein eigenkreiertes Toilettenpapier bestellen. Es soll wohl bereits Kunden gegeben haben, die ihre Bewerbung bei einer Werbeagentur oder die Doktorarbeit auf das Klopapier drucken ließen. Dabei beobachten die Macher zwei gegensätzliche Trends: Die einen versuchen auszudrücken, was ihnen nicht gefällt, was sie als absolutes „Stoffwechselendprodukt“ ansehen. Die andere Gruppe will ausdrücken, was ihnen besonders wichtig ist. Dann landet auch schon mal ein Bild der geliebten Katze auf dem stillen Örtchen. Da ist die Benutzung fast zu schade, denn Klopapier ist leider noch immer nicht recycelbar.