Tipps & Tricks gegen die Seekrankheit

Wie lässt sich der Kreuzfahrt-Supergau verhindern?

Es sind in der heutigen Zeit nicht mehr viele Abenteuer übriggeblieben. Eine Kreuzfahrt jedoch wird von vielen Menschen noch als eines der letzten großen Reise-Wagnisse angesehen: Exotische Länder, ferne Häfen und andere Kulturen kennenlernen. Die Kreuzfahrtbranche boomt, denn viele Menschen wollen sich diesen kleinen Luxus einfach „gönnen“: Eine tolle Reiseroute ist flugs gefunden und das „Traumschiff“ schnell gebucht. Doch schon bald beschleicht die Kreuzfahrer die Frage: Wie sieht es eigentlich mit der eigenen Seefestigkeit aus? Was tun, wenn der Wellengang seekrank macht?

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Nicht jeder Kreuzfahrt-Passagier steht bei rauer See entspannt auf dem Deck – ganz im Gegenteil: Blass im Gesicht und ein unangenehm flaues Gefühl im Magen. So hatten sich schon viele Kreuzfahrtneulinge ihre erste Kreuzfahrt sicherlich nicht vorgestellt. Die Seekrankheit hat zugeschlagen und nun zeigt sich eindrucksvoll, dass die Reiseübelkeit auf See kein altes Seemannsgarn ist. Die Statistiken besagen, dass neun von zehn Kreuzfahrern mindestens einmal im Leben von der Seekrankheit heimgesucht werden. Es kann also schwerlich jemand behaupten: Mir passiert das definitiv nicht!

 

Viele Touristen verdrängen diese Frage nach der „Seetauglichkeit“ wieder. Kommt Zeit, kommt Rat: Auf dem Schiff wird man es schon sehen. Das ist definitiv zu kurz gedacht, denn gegen die Seekrankheit sind Mittel gewachsen und gehören daher in die Kreuzfahrt-Reiseapotheke. Diese Mittel sollten allerdings bereits im Vorfeld der Reise und damit an Land besorgt werden.

Letztlich ist die Seekrankheit eigentlich eine Form der Reisekrankheit. Sie hat schon so manche Schiffsfahrt ruiniert: Die ersten Anzeichen sind ein leichtes Unwohlsein, wenn das Schiff schaukelt. Bei ordentlichem Wellengang kommt schnell heftige Übelkeit dazu. Erfahrene Kreuzfahrtpassagiere lassen sich davon allerdings nicht schrecken. Sie haben ihre Reiseapotheke richtig gefüllt und auch noch ein paar Tricks und Tipps in petto.

 

Auch auf hochmodernen Schiffen kann die Seekrankheit unvermittelt zuschlagen

Moderne Kreuzfahrtschiffe sind riesig. Im Vergleich dazu wirken ältere Schiffe fast wie kleine Schaluppen. Die neuen Kreuzfahrtschiffe haben allerlei Technik an Bord, die dafür sorgen soll, dass sie auch bei rauerer See relativ ruhig im Wasser liegen. Dennoch bemerkt man auch auf den größten Pötten den Seegang, sodass Passagiere selbst auf modernen Kreuzfahrtschiffen seekrank werden können.

Fachleute sehen die Seekrankheit nicht als eigenständiges Krankheitsbild, sondern zählen sie zur Reisekrankheit, die im Volksmund auch gerne „Reiseübelkeit“ genannt wird. Das flaue Gefühl im Magen vergeht meist wieder, wenn sich die rollende See beruhigt oder das Flugzeug aus den turbulenten Luftschichten in eine ruhigere Zone gewechselt ist. Der Körper braucht immer eine Weile, um sich daran zu gewöhnen. Damit das schneller funktioniert, hilft es, die Ursachen der Seekrankheit genau zu kennen.

Bei der Seekrankheit macht nicht die See krank, wie es der Name vielleicht vermuten lässt, sondern die vom Seegang ausgelösten Bewegungen. Die Reisekrankheit ist eigentlich eine Kinetose, eine Bewegungskrankheit. Nicht nur Schiffspassagiere sind davon betroffen, sondern die Symptome treten auch in Bussen und Flugzeugen auf. Selbst in Simulatoren kann man seekrank werden, obwohl es da gar kein echtes Wasser gibt. Die Kinetose wird ausgelöst, weil das Gehirn verwirrende Sinneseindrücke wahrnimmt. Der Passagier erlebt in der Schiffskabine optisch einen starren Raum. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr jedoch registriert die durch die Wellen ausgelösten Bewegungen. Es kommt bei der Seekrankheit also zu einem „Sensory-Mismatch“ – zwei unterschiedliche Informationen, die das Gehirn nicht miteinander in Einklang bringen kann. Die Folgen sind spürbar: Unwohlsein. Weitere typische Symptome der Seekrankheit und damit auch der Reisekrankheit sind: Aufstoßen, Druckgefühl, Blässe, Erschöpfung und Müdigkeit.

Auf das Sensory Mismatch versucht der Körper zu reagieren. Er gerät aufgrund der widersprüchlichen Sinneseindrücke in Stress und schüttet daher Stresshormone, insbesondere Histamin, aus. Zirkuliert jedoch zu viel Histamin im Blut, kommt es unweigerlich zu Übelkeit und Erbrechen.

Medikamente, die die Reisekrankheit behandeln und damit auch bei Seekrankheit zum Einsatz kommen, enthalten daher oftmals Histamin-Antagonisten, die den Histamin-Rezeptor blockieren. Die Arzneimittel gegen die Reisekrankheiten werden in der Apotheke in Form von Tabletten und Kaugummis angeboten. In schlimmen Fällen kann das medizinische Personal, dass sich an Bord der „schwimmenden Städte“ befindet, auch zur Spritze greifen und so den Teufelskreis der Seekrankheit mit Antihistaminika durchbrechen.

 

Keine Einnahme rein zur Vorbeugung: Medikamente gegen Reisekrankheit nicht ohne Grund einnehmen

Gegen die Seekrankheit hat sich auch der Wirkstoff Scopolamin bewährt. Er kommt natürlicherweise im Bilsenkraut oder im Stechapfel vor. Scopolamin hat eine beruhigende Wirkung und hemmt sogar noch den Brechreiz. Sowohl Antihistaminika als auch Scopolamin jedoch haben Nebenwirkungen. Antihistaminika können zu Müdigkeit führen, sodass sie für Autofahrer nicht geeignet sind. Scopolamin kann Halluzinationen auslösen. Daher warnen Mediziner eindringlich davor, die Medikamente gegen Reisekrankheit vorbeugend einzunehmen. Auch wenn die meisten Arzneimittel gegen Kinetose in der Apotheke frei verkäuflich sind und daher keine Verschreibung vom Arzt erforderlich ist, sollte die Einnahme während der Kreuzfahrt nur dann erfolgen, wenn konkrete Symptome der Seekrankheit auftreten. Setzen Sie bitte nicht auf den Prophylaxe-Effekt, sondern warten Sie tatsächlich ab, ob die Seekrankheit während der Kreuzfahrt bei Ihnen zuschlägt.

Wenn Sie die Seekrankheit mit voller Wucht trifft, bedenken Sie bitte, dass andere Medikamente wie Blutdrucksenker oder die Antibaby-Pille nicht wirken können, wenn Sie kurz nach der Einnahme sich übergeben müssen. Bei Diabetikern droht durch das Erbrechen zusätzlich die Gefahr der Unterzuckerung. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte auf jeden Fall der Schiffsarzt konsultiert werden. Als Erste-Hilfe-Maßnahme ist Schonung jedoch meist ausreichend.

 

Tipps & Tricks, die schnelle Hilfe bei Seekrankheit versprechen

Damit Ihr Gehirn schnell „auf den richtigen Dampfer kommt“, verlassen Sie bei den ersten Anzeichen von Seekrankheit umgehend die Kabine und begeben Sie sich an Deck. Hier tut einerseits die frische Luft gut, anderseits können Sie den Horizont fest ins Auge fassen. Diese Fixierung ermöglicht dem Gehirn, die widersprüchlichen Sinneseindrücke in den Griff zu bekommen.

Haben Sie eine Innenkabine gebucht, so können Sie mit einem einfachen Trick das Gehirn austricksen. Im Fachhandel gibt es Brillen mit künstlichem Horizont zu kaufen. Zwischen einem Doppelglas befindet sich hier eine Flüssigkeit, auf die sich die Bewegungen des Schiffes übertragen. So kann Ihr Auge bestätigen, was der Gleichgewichtssinn schon längst wahrnimmt.

Entspannung hilft die Übelkeitsattacken bei der Seekrankheit zu lindern. Versuchen Sie sich hinzulegen und zur Ruhe zu kommen. Autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung kann das Entspannen unterstützen. Im Idealfall schlafen Sie ein. Der Schlaf lässt den Stresspegel absinken, es zirkuliert weniger Histamin im Blut. Während Sie schlafen, verarbeitet das Gehirn auch weniger Sinneseindrücke.

Erfahrene Kreuzfahrer schwören als Tipp gegen die Seekrankheit auf Akupressur. Doch für die Wirksamkeit fehlen leider wissenschaftliche Belege. Allerdings hat der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Körpers noch nie geschadet – weder auf dem Wasser, noch auf dem Land oder in der Luft.

 

Auf Histamin-haltige Lebensmittel besser verzichten

Zeigen sich erste Anzeichen und damit leichte Symptome der Reisekrankheit, so sollten Sie unbedingt folgende Dinge vermeiden: Falls Sie gerade lesen, legen Sie sofort das Buch, die Zeitschrift oder den eBook-Reader weg! Trinken Sie außerdem keinen Alkohol mehr – selbst wenn alkoholischen Getränken eine entspannende Wirkung nachgesagt wird. Denn der Alkoholabbau belastet und stresst damit den Körper zusätzlich. Genau das brauchen Sie bei der Seekrankheit jedoch am wenigsten. Reagieren Sie empfindlich auf Gerüche, versuchen Sie diese weitestgehend zu vermeiden – auch wenn dies bedeutet, den Besuch im Bordrestaurant ausfallen zu lassen. Wissen Sie bereits, dass Sie generell anfälliger für die Reisekrankheit sind, versuchen Sie auf der Kreuzfahrt vor allem auf histaminhaltige Lebensmittel wie Thunfisch, Salami oder Käse im Hinblick auf die Vorbeugung der Seekrankheit zu verzichten.

 

Mit diesen Tipps, den richtigen Medikamenten gegen die Reisekrankheit im Gepäck und dem Wissen um die Ursachen der Seekrankheit bekommen Sie die Symptome im Fall der Fälle sicherlich schnell in den Griff, sodass einer wunderschönen Kreuzfahrt nichts im Wege steht und sie womöglich zum „Kreuzfahrt-Junkie“ und damit zum Wiederholungstäter werden.

 

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