Thermalwasser als Heilwasser: Mehr als warmes Wasser

Schwimmen in Thermalquellen tut Körper & Seele gut

Thermalwasser ist bereits seit der Antike bekannt. Die warmen Quellen nutzten schon die alten Römer zum Entspannen, aber auch für die Linderung ihrer körperlichen Beschwerden. Bis heute wird dem Thermalwasser eine heilende Wirkung zugesprochen. Was ist dran? Und worin unterscheidet sich Thermalwasser von Grundwasser? Die trimeda-Redaktion hat für sie nachgeforscht und ist dem „Heilwasser“ auf den Grund gegangen.

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Thermalquellen mit heißem Thermalwasser sprudeln an vielen Stellen empor – nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Tschechien, in Ungarn oder in Italien. Grund dafür sind vulkanische Aktivitäten im Untergrund wie hier im schweizerischen Leukerbad. Das warme Thermalwasser ist eine Wohltat für Körper und Seele, denn die im Wasser gelösten Mineralstoffe können bei einer Vielzahl von Beschwerden die Symptome lindern. Grund genug, sich mal wieder einen Kururlaub und damit eine Auszeit vom Alltag zu gönnen.

 

Thermalwasser ist etwas ganz Besonderes. In Deutschland werden nur jene Wasservorkommen als Thermalquelle bezeichnet, bei denen das Wasser mit mindestens 20° C aus der Erde tritt. Normales Grundwasser besitzt dagegen meist nur 11° C. Thermalwasser stammt aus großen Tiefen. Es sucht sich seinen Weg aus dem Inneren der Erde an die Oberfläche. Dabei strömt das Wasser durch Risse und löst Stoffe aus seiner Umgebung. Kommt es an die Oberfläche ist es voll mit Mineralsalzen, Gasen, natürlicher Kohlensäure und manchmal auch radioaktiven Bestandteilen. In ihrer Konzentration sind diese jedoch nicht gefährlich. Vielmehr sollen beispielsweise radonhaltige Mineralquellen bei Entzündungen helfen. Während der Mineralgehalt im Thermalwasser sehr hoch ist, ist sein Sauerstoffgehalt eher gering. Fische und Pflanzen können hierin meist nicht überleben. Es finden sich häufig nur bestimmte Algen, die wahre Überlebenskünstler sind.

 

Das Deutsche Prädikat „Heilbad“ ist in Europa einzigartige Auszeichnung

In Deutschland tragen die Orte mit Thermalquellen meist den Zusatz „Bad“ im Namen: Bad Elster, Bad Reichenhall, Wiesbaden oder Bad Füssing sind nur einige Beispiele von vielen. Der Zusatz im Ortsnamen ist ein besonderes Prädikat. Damit sich ein Ort Bad nennen darf, müssen die vom Deutschen Heilbäderverband festgelegten Kriterien erfüllt sein. Auf 150 Seiten ist niedergeschrieben, was Luftkurorte, Seekurorte, Kneipp-Kurorte, Mineralkurorte oder Moorkurorte ausmacht. Diese Systematisierung ist in Europa einmalig und Garant für tolle Erholungsmöglichkeiten.

Aber auch an anderen Orten auf der Welt sprudelt das Thermalwasser aus großer Tiefe und wird sowohl fürs Baden als auch für Anwendungen genutzt: Beispielsweise in Tschechien (Karlovy Vary), Ungarn (Budapest), in Island (Blue Lagoon), in Italien (Fiuggi) und in der Türkei (Pamukkale). Das besondere dabei: Jede Thermalquelle ist in der Zusammensetzung ihres Thermalwassers einzigartig. Die unterschiedliche Zusammensetzung wirkt sich auch ganz verschieden auf behandelbare Beschwerden aus.

 

 

Thermalbäder vor allem bei Einschränkungen des Bewegungsapparates hilfreich

Das Schwimmen im warmen Thermalwasser wird häufig vor allem für unspezifische Bewegungseinschränkungen empfohlen. Dazu zählen beispielsweise Rückenschmerzen, bei denen keine Ursache wie ein Bandscheibenvorfall oder ein eingeklemmter Ischiasnerv diagnostiziert werden konnte. Statistisch klagt etwa die Hälfte der über 50-Jährigen über diese Beschwerden.

Aber auch bei Hauterkrankungen und Gelenkproblemen kann sich das warme Thermalwasser günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken und die Beschwerden lindern. Aktuell läuft in Südtirol eine Untersuchung, die der Frage nach geht, ob sich besondere Heilquellen auch auf Atemwegserkrankungen auswirken. Die Hoffnung der Forscher ist, dass es sich bestätigt, dass das Inhalieren von Thermalwasser Antibiotikatherapien ergänzen kann und es am Ende zu weniger Rückfällen kommt.

Patienten mit chronischen Beschwerden sollten vor dem Besuch eines Thermalbades ihren Arzt konsultieren. Gerade für Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Diabetes kann das warme Heilwasser durchaus den Organismus belasten.

 

Schwereloses Schweben im warmen Wasser sorgt für vollkommene Tiefenentspannung

Für gesunde Menschen stellt Thermalwasser kein Problem dar. Sie können darin unbeschwert schwimmen. Wer in das heiße Thermalwasser steigt, fühlt sich sofort geboren. Ein Aufenthalt lässt die die Körpertemperatur um bis zu zwei Grad ansteigen. Der Effekt wirkt ähnlich wie leichtes Fieber: Der Stoffwechsel kommt in Schwung und für Viren und Keime im Körper wird es deutlich ungemütlicher. Sie geraten daher unter Stress. Die wohltuende Wärme sorgt außerdem für eine tiefe Entspannung. Muskeln und Gelenke entspannen sich und Schmerzen lassen nach. Der Blutdruck sinkt. Das Abschalten führt darüber hinaus dazu, dass das Stresslevel sind und der Körper neue Kraft tanken kann. Er kommt buchstäblich zur Ruhe. Vorhandene Erschöpfung weicht neuer Kraft. Der Auftrieb des Wassers sorgt für weitere positive Effekte: Das Körpergewicht verringert sich. Man fühlt sich einfach leichter.

Der Wasserdruck regt die Nieren an. So wird mehr Harn produziert. Das schwemmt eingelagerte Flüssigkeit leichter aus. Zu den reinen Effekten des Wassers addieren sich die Effekte der Inhaltsstoffe des Thermalwassers hinzu. Solebäder enthalten beispielsweise mindestens 10 Prozent Salz und sollen gerade besonders gut bei Rheuma, Gelenk- und Atemwegserkrankungen sowie Allergien sein. Im Thermalwasser gelöster Schwefel hilft bei Hautleiden und lindert Akne, Neurodermitis und Schuppenflechte. Die in vielen Thermalquellen gelöste natürliche Kohlensäure prickelt nicht nur herrlich auf der Haut, sondern verbessert auch die Durchblutung.

Das Baden im angenehm warmen Thermalwasser ist jedoch nicht nur für Kranke empfehlenswert, Auch Gesunde sollten sich prophylaktisch hin und wieder das Vergnügen gönnen.

 

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