Therapien mit Stammzellen bei Erkrankungen der Lunge wirksam

Alternativen für herkömmliche Therapien gefunden?

Auch bei Lungenerkrankungen setzen Mediziner große Hoffnungen in die „Alleskönnerzellen“ Stammzellen. Aktuelle Studien beschäftigen sich bereits mit zellbasierten Therapien, die deutsche Lungenärzte mit großem Interesse verfolgen.

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Befreit durchatmen, können die wenigsten Lungenpatienten. Asthma, COPD, Lungenfibrose, Mukoviszidose oder Tuberkulose rauben ihnen buchstäblich den Atem und damit die Lebensqualität. Mit Stammzellen möchten Mediziner die Schäden am Lungengewebe reparieren. Über den Stand der aktuellen Forschung für verschiedene Stammzellentherapien erfahren Sie hier mehr.

 

Stammzellnasenspray gegen Asthma

Ein Stammzellen-Nasenspray soll Asthma-Patienten das Leben leichter machen. Hierbei werden mesenchymale Stammzellen (MSCs) über die Nase verabreicht. Sie sollen gleich drei Schlüsselsymptome der plötzlichen Luftnot bekämpfen: Im Tiermodell haben die Stammzellen unter Beweis gestellt, dass sie Entzündungsprozesse in den Atemwegen bekämpfen. Sie können außerdem Veränderungen der Atemwege durch die chronischen Entzündungen rückgängig machen. Experten sprechen hier vom sogenannten „Airway Remodeling“. Und die mesenchymalen Stammzellen können die sogenannte Hyperreagibilität der Atemwege aufheben. Bei Asthmatikern beobachten Ärzte nämlich häufig den Effekt, dass ihre Bronchien auf äußere Reize sehr viel empfindlicher reagieren als bei Gesunden. Die Folgen dieser Hyperreagibilität sind Hustenreiz, eine starke Verengung der Atemwege und Atmungsstörungen.

Die Stammzellentherapie könnte für Patienten mit starkem Asthma eine neue Behandlungsmöglichkeit sein, wenn die herkömmliche medikamentöse Therapie mit Corticoiden nicht vertragen wird.

 

Was sind Stammzellen

Stammzellen sind nicht spezialisierte, also unreife, Zellen. Sie können sich vermehren und zu erwachsenen Zellen ausdifferenzieren. Dadurch ist es möglich, Schäden in Geweben zu reparieren, weil kaputte Zellen ersetzt werden. Bei mesenchymalen Stammzellen handelt es sich um die Vorläuferzellen von Knochen, Bindegewebe, Knorpeln, Muskeln, Sehnen aber auch Fettgewebe.

Die Stammzellenforscher haben auch mit anderen Stammzelltypen wie z. B. den hämatopoetischen Stammzellen experimentiert. Doch diese sind nicht in der Lage, krankhafte Veränderungen im Bereich der Lunge rückgängig zu machen. Das können nur die mesenchymalen Stammzellen. Im nächsten Schritt wollen Wissenschaftler zunächst die MSC-Stammzellentherapie mit der herkömmlichen Therapie mit Corticoiden vergleichen und auch kombinieren. Möglicherweise ergänzen sich beide Therapieansätze.

 

Lung spheroid cell: Stammzellen der Lunge

Neben den mesenchymalen Stammzellen fokussieren sich die Mediziner auch auf die Stammzellen aus der menschlichen Lunge. Sie lassen sich per Bronchoskopie relativ einfach gewinnen und im Labor züchten. Die sogenannten „lung spheroid cells“ eignen sich zur Behandlung von Lungenerkrankungen. Bei Mäusen helfen sie durch eine Lungenfibrose geschädigtes Gewebe zu regenerieren. An dieser Aufgabe scheitern mesenchymale Stammzellen. Doch hier müssen zukünftige Studien zeigen, dass sich die Ergebnisse aus dem Tierversuch problemlos auf den Menschen übertragen lassen und sicher sind.

US-Forscher berichten, dass sie die im Labor gezüchteten „lung spheriod cells“ Mäusen intravenös verabreichten. Die Zellen fanden darauf von allein ihren Bestimmungsort und wanderten in die Lungen ein. In einem zweiten Versuch bei an Lungenfibrose erkrankten Ratten sorgten die „lung spheroid cells“ für weniger Entzündungsprozesse. Auch die durch die Firbrose verursachten Veränderungen gingen zurück. Als Kontrollgruppe fungierten Ratten, die zwar ebenfalls erkrankt waren, aber keine Stammzellenbehandlung erhielten.

Eine Beobachtung überraschte selbst die erfahrenen Forscher: Die den Ratten transplantierten Stammzellen stammten teilweise von Spendertieren. Dennoch erfolgte beim Empfänger keine Immunreaktion auf die fremden Zellen. Die Behandlung mit Spenderstammzellen war genauso wirksam, wie jene Lungenstammzellen, die direkt aus den Lungen der Empfänger gewonnen wurden.

Im nächsten Schritt möchten die Wissenschaftler erste Test am Menschen durchführen und dort die regenerative Wirkung der „lung spheroid cells“ erforschen. Hier werden die Lungenstammzellen jedoch direkt von den Lungenfibrose-Patienten gewonnen, um Abwehrreaktionen durch das Immunsystem auszuschließen. Jedoch hoffen die Forscher langfristig, dass es auch möglich sein wird, „lung spheroid cells“ von gesunden Stammzellspendern oder Organspendern zu transplantieren.

 

Stammzellbanken haben das Potenzial, die Medizin zu revolutionieren

Damit ließe sich eine Stammzellenspendenbank ganz analog zu den Blutbanken aufbauen, die heute Blutkonserven bereithalten. Die Stammzellenspendenbank verspricht Hoffnung, nicht nur bei der Therapie von Lungenfibrose, sondern auch zur Behandlung anderer Lungenkrankheiten – allen voran COPD, Mukoviszidose oder Lungentuberkulose. Die Einrichtung „Stammzellbank“ gibt es heute bereits. Hier wird vor allem das Nabelschnurblut Neugeborener gelagert, weswegen die Institutionen auch den Namen „Nabelschnurblutbanken“ tragen. In Deutschland ist beispielsweise Vita 34 die erfahrenste Nabelschnurblutbank unter den privaten Stammzellbanken. Vita 34 bietet werdenden Eltern nicht nur die Aufbewahrung von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe an, sondern gleichzeitig ein Kombinationsmodell, das privates Einlagern und öffentliches Spenden miteinander verbindet. Als öffentliche Nabelschnurblutbank sammelt die DKMS-Nabelschnurblutbank dagegen ausschließlich öffentlich gespendetes Nabelschnurblut und stellt es weltweit für Patienten bereit.

 

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