T-Zell-Rezeptor-Therapie unterstützt das Immunsystem im Kampf gegen Leukämie

Hochgerüstete T-Zellen sollen Krebszellen bekämpfen

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) testet eine neue Therapie im Kampf gegen Luekämie. Erklärtes Ziel der „CD-TCR-001“-Studie ist es, das Immunsystem der Patienten zu unterstützen. Der neue Behandlungsansatz heißt T-Zell-Rezeptor-Therapie. Hierbei soll das eigene Immunsystem gegen die Krebszellen mobilisiert und scharf gemacht werden.

© PublicDomainPictures / pixabay.com

Die neue T-Zellen-Rezeptor-Therapie gehört zur personalisierten Medizin und soll als Immuntherapie das Immunsystem stimulieren. Damit die Behandlung starten kann, muss dem Patienten Blut abgenommen werden. Daraus werden im Labor die T-Zellen isoliert und zu „Gladiatoren“ im Kampf gegen Krebszellen hochgerüstet. Die Therapie soll bei AML (Akute myeloische Leukämie), MD (Myelodysplastisches Syndrom) und MM (Multiples Myelom) zum Einsatz kommen.

 

Bislang können bestimmte Formen von Leukämie (Blutkrebs) und Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs) nur mit der Transplantation von allogenen Stammzellen geheilt werden. Bei diesem Ansatz wird das Immunsystem des Patienten komplett neu gestartet, denn erhält durch die Spenderstammzellen ein völlig neues Immunsystems. Dabei kann es zu schweren Komplikationen kommen, weil sich die T-Zellen des Spenders nicht nur die Krebszellen bekämpfen, sondern auch das gesunde Gewebe des Empfängers attackieren. Mediziner sprechen von einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion. Bekannter jedoch ist der englische Begriff: Graft-versus-Host-Disease (GvHD). GvHD trifft häufig die Haut, die Leber und den Darm.

 

UKR testet gemeinsam mit dem Entwickler Medigene die T-Zell-Rezeptor-Therapie

Das Biotechnologieunternehmen Medigene hat die neue T-Zell-Rezeptor-Therapie entwickelt. Bildlich gesprochen soll sie dem Immunsystem des Patienten im Kampf gegen die Krebszellen unter die Arme greifen. Damit das Ziel gelingt, wird den Leukämie- und Lymphompatienten Blut abgenommen. Daraus isolieren Labormitarbeiter mit den T-Zellen ganz bestimmte Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Die T-Zellen erhalten nun in der Zellkultur einen ganz bestimmten Rezeptor. Er erkennt das für die Krebszellen typische Antigen „PRAME“. Die ganze Prozedur dauert im Schnitt vier bis sechs Wochen, um genügend modifizierte T-Zellen zu erhalten. Der Patient bekommt dann die gepushten T-Zellen als Bluttransfusion zurück. Das Verfahren gehört zu den personalisierten Immuntherapien, denn die modifizierten T-Zellen sind individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten.

Dank des neuen T-Zell-Rezeptors fällt den T-Zellen die Identifikation von Krebszellen leichter. Einmal erkannte Krebszellen werden dann vom Immunsystem eliminiert. Ohne die neue Therapie hätte das Immunsystem kaum eine Chance, die Krebszellen zu erkennen, denn die Patienten besitzen keine oder nur ganz wenige T-Zellen mit diesen besonderen Fähigkeiten.

 

Vorteil des neuen Behandlungsansatzes: Die Zielgerichtetheit

Die T-Zell-Rezeptor-Therapie wirft einen ganz großen Vorteil in die Waagschale: Ihre Zielgerichtetheit, denn die modifizierten T-Zellen attackieren und zerstören ausschließlich Krebszellen, die das Antigen PRAME auf ihrer Oberfläche tragen. Gesundes Gewebe bleibt außen vor und wird nicht angegriffen.

Die Mediziner hoffen, dass der Behandlungsansatz für den Patienten mit weniger Risiken verbunden und schonender ist als die allogene Stammzellentransplantation. Hier muss im Vorfeld das blutbildende System des Patienten mit Chemotherapie und Bestrahlung vollständig zerstört werden. In der Übergangsphase, in der die fremden Stammzellen anwachsen, sind die Patienten Keimen beinahe schutzlos ausgeliefert. Selbst eigentlich harmlose Infektionen können dann schnell lebensbedrohlich werden, weswegen die Patienten wochenlang auf der Isolierstation liegen müssen.

 

Alle Genehmigungen vorhanden – Phase 1 der CD-TCR-001-Studie kann starten

Das Paul-Ehrlich-Institut und die zuständigen Ethikkommissionen haben nun die für die klinische Studie nötigen Genehmigungen erteilt, sodass in Regensburg der Startschuss fallen kann. Durchgeführt wird die CD-TCR-001-Studie an den Unikliniken in Regensburg, Erlangen und Würzburg. Die drei Institutionen haben sich zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Sonderforschungsbereich gegründet. Er soll sich mit den Immunreaktionen nach allogenen Stammzelltransplantationen beschäftigen.

Für die Teilnahme an der ersten Phase der CD-TCR-001-Studie suchen die Forscher geeignete Probanden. Bis zu zwölf Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), dem myelodysplastischen Syndrom (MDS) oder dem Multiplen Myelom (MM) können vorerst behandelt werden. Die Bedingungen für die Aufnahme in die Studien sind eindeutig festgelegt: Bei den Patienten ist entweder eine Chemotherapie nicht mehr wirksam oder sie haben ein Rezidiv, d. h. einen Rückfall, erlitten. Außerdem müssen die Patienten ein ganz bestimmtes Gewebemerkmal besitzen. Die an der Studie beteiligten Forscher gehen jedoch davon aus, dass ungefähr jeder dritte Patient als Studienteilnehmer in Frage käme.

 

Der personalisierten Immuntherapie könnte die Zukunft gehören

Bei der CD-TCR-001-Studie handelt es sich um die erstmalige Anwendung der T-Zell-Rezeptor-Therapie am Menschen. Um die Sicherheit und Verträglichkeit zu testen, erhält zunächst ein Patient das Präparat MDG1011 und damit die modifizierten T-Zellen. In der ersten Studienphase können bis zu zwölf Patienten behandelt werden. Dabei wird die Therapie zunächst im Hinblick auf die Sicherheit und Durchführbarkeit getestet. Erst im zweiten Schritt wird außerdem nach Hinweisen auf die Wirksamkeit gesucht. Wird nach Phase 1 eine positive Bilanz gezogen, kann die Studie mit Phase 2 starten. Hier sollen weitere 40 Patienten mit den „hochgerüsteten“ T-Zellen behandelt werden.

Auch in den USA wird die Forschung im Bereich der personalisierten Immuntherapie bereits seit langer Zeit forciert. Hier wurde ein ähnliches Verfahren entwickelt. Es nutzt allerdings andere Rezeptoren und setzt auf sogenannte CARs. Die Abkürzung steht für chimäre Antigenrezeptoren. Die dort entwickelte Therapie ist bereits einen Schritt weiter. Sie hat die Zulassung für die Therapie der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) sowie hochaggressiven Lymphomen. Derzeit wird die Zulassung für Europa geprüft.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.