Streit über Krankenkassen-Erstattung von Homöopathie

Neue Stufe im Streit über die Kostenerstattung von alternativer Medizin erreicht

Ob gesetzliche Krankenkassen die Kosten von Homöopathie erstatten sollen oder nicht, darüber wird seit langem gestritten. In sehr regelmäßigen Abständen äußern sich Politiker, Vertreter der Krankenkassen und Anhänger der Homöopathie zu diesem Thema. Nun ist die Diskussion heftiger als jemals zuvor entbrannt.

© Bru-nO / pixabay.com

Die beliebteste und bekannteste Darreichungsform bei der Homöopathie sind sicherlich die Globuli. Von ihren Befürwortern wird die Homöopathie in Abgrenzung zur Schulmedizin gern auch als „sanfte Medizin“ bezeichnet. Der Begriff suggeriert, dass homöopathische Arzneimittel wie Bachblüten oder Schüßler-Salze fast vollkommen frei von Nebenwirkungen helfen würden. Obwohl das Wort „helfen“ und „heilen“ von keinem der Hersteller selbst verwendet wird. Es wird lediglich von „unterstützen“ gesprochen.

 

Aktuell nimmt der Streit über die Kostenerstattung weiter Fahrt auf, nachdem der Chef des AOK-Bundesverbandes äußerte, dass er ein Verbot der Erstattung der Kosten für Homöopathie durch das Bundesgesundheitsministerium unterstützen würde. Gestandene Gesundheitspolitiker argumentieren schon lange, dass Kassen nur für jene Medikamente die Erstattung übernehmen sollten, für die es einen Nutzennachweis gibt. Da dieser Nutzennachweis für homöopathische Präparate bislang nie erbracht wurde, können folglich solche Arzneimittel auch nicht bezahlt werden.

 

Kosten der gesetzlichen Krankenkassen für Homöopathie steigen kontinuierlich

Rund eine Million Verordnungen von Homöopathie gab es 2017, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet wurden. Die Zahl der Privatrezepte dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Hier muss jedoch der Patient selbst die Kosten tragen. Die Kassenausgaben für homöopathische Arzneimittel betrug laut Bundesgesundheitsministerium rund 10,5 Millionen Euro.

Im Zuge des Kostendrucks im Gesundheitswesen machen mehr und mehr Politiker von Union und SPD mobil, um eine Reform zu erreichen. Der Druck auf die Hersteller homöopathischer Präparate steigt. Die Deutsche Homöopathie-Union in Karlsruhe ließ kürzlich verlauten, dass der richtige und verantwortungsvolle Umgang mit der Homöopathie durch Behandler und Patienten den Therapie-Erfolg bei vielen Erkrankungen unterstützen könne. Damit wäre die Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen durchaus gerechtfertigt. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller befeuert die Debatte weiterhin mit der Aussage, dass auch homöopathische Arzneimittel eine medizinische Evidenz hätten.

 

Aus Sicht der Wirksamkeit stehen Homöopathie und eine Pilgerfahrt nach Lourdes auf gleicher Stufe

Diese Argumentation bringt die Kritiker der Homöopathie auf die Palme. Sie stehen der alternativen Medizin lediglich eine gefühlte Evidenz zu und bringen das Beispiel einer Pilgerfahrt nach Lourdes. Im französischen Wallfahrtsort Lourdes versammeln sich Gläubige, weil dort angeblich Wunder geschehen und Kranke geheilt würden. Auch hier gibt es eine gefühlte Evidenz auf Basis der Berichte über vermeintliche Wunder. Ähnlich wie Lourdes lebt auch die Homöopathie  vom Glauben an eine Wirkung der sanften Medizin.

Wenn gleiches Recht für alle gilt, dann dürften die Krankenkassen nicht nur die Kosten für die Homöopathie übernehmen, sondern sie müssten auch die Kosten für eine katholische Wallfahrt nach Lourdes erstatten. Die katholische Kirche und den Vatikan dürfte dies sicherlich sehr freuen.

 

Kompromissvorschlag: Krankenkassen erstatten Kosten nur für Arzneimittel mit Wirksamkeitsnachweis

So stehen sich die Positionen im Streit um die Kostenerstattung bei homöopathischen Arzneimitteln unvereinbar gegenüber. Der Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Kritikern der Homöopathie erfolgt permanent. Vermittler wollen nun zwischen beiden Seiten vermitteln und einen Kompromissvorschlag erarbeiten. Der Kompromiss beachtet dabei die zwei Möglichkeiten, wie Arzneimittel auf den Markt gelangen können: Zum einen gibt es die Möglichkeit des förmlichen Zulassungsverfahrens. Hier müssen die Medikamente in einer Reihe von klinischen Tests ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Zum anderen gibt es das Verfahren der bloßen Registrierung. Hier müssen die Hersteller lediglich die Unbedenklichkeit nachweisen. Bislang sind homöopathische Arzneimittel lediglich über das Registrierungsverfahren in die Apotheken gelangt.

Beim aktuell vorgelegten Kompromissvorschlag sollen die Krankenkassen all jene Arzneimittel erstatten, die das förmliche Zulassungsverfahren durchlaufen und damit ihre Wirksamkeit bewiesen haben. Wenn homöopathische Arzneimittel diesen Wirksamkeitsnachweis bestanden hätten, würden die Kosten für diese Präparate selbstverständlich erstattet.

Jetzt wäre es also an der Zeit, dass die Hersteller der Homöopathie endlich einmal das abliefern, was sie bislang nur versprachen: Mit nachprüfbaren Fakten zu beweisen, dass Homöopathie tatsächlich wirkt.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.