Storch im Garten aufstellen – Brauch zur Geburt

Klapperstorch als Baby-News-Botschafter

Früher war der Volksglauben, dass der Storch die kleinen Kinder bringt, weit verbreitet. Um die freudige Nachricht – nämlich die Geburt eines Babys – zu verkünden, ist es in vielen Regionen Deutschlands noch immer üblich, im Vorgarten oder auf dem Hausdach einen Storch aus Holz aufzustellen. Dieser „Klapperstorch“ trägt im Schnabel eine Windel und darin liegt ein Baby. Ist die Windelschleife rosa, wissen alle Nachbarn sofort, dass ein kleines Mädchen das Licht der Welt erblickte. Ist die Schleife hellblau, so ist dies das Zeichen dafür, dass ein Junge geboren wurde.

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Bis heute hat sich der Glaube gehalten, dass der Storch Glück bringt. Daher war er lange Zeit auch für die kleinen Kinder zuständig. Noch immer gibt es vielerorts den Brauch, dass der Klapperstorch vor dem Haus die Geburt eines Kindes verkündet. Müsste man das in die heute gängigen Berufsbezeichnungen „übersetzen“, so wäre sein Titel wahrscheinlich „Baby-News-Speaker“.

 

Storch im Vorgarten als Symbol der Fruchtbarkeit

Der Storch gilt gemeinhin als Symbol der Fruchtbarkeit. Früher glaubte man, dass Störche, die auf dem Dach unbehelligt brüten dürfen, aus Dankbarkeit der Familie ein Kind schenken. Deswegen bringt der Storch die Babys – auch weil er einer der wenigen Vögel ist, der die Größe und die Kraft dazu hätte. Der „Klapperstorch“ ist mit seiner Brutpflege auch Trendsetter und Vorreiter. Das lautstarke Klappern, mit dem sich die Eltern regelmäßig am Nest begrüßen und das fürsorgliche Kümmern um den Nachwuchs bescherte den Vögeln die Bewunderung der Menschen.

All diese Wünsche für das Kind schwingen implizit mit, wenn Freunde und Verwandte einen Storch zur Begrüßung des neuen Erdenbürgers aufstellen. Das Baby soll von seinen Eltern ebenso liebevoll umsorgt werden wie die Storchenjungen. Auch die Eltern werden mit den Storchenschild bzw. dem Storchenaufsteller daran erinnert werden, dass trotz des Stresses mit dem Nachwuchs in den ersten Wochen und Monaten es die kleinen Gesten und Rituale sind, die die Partnerschaft stärken und festigen.

 

 

Nach der Geburt wünscht der Storch auf dem Dach dem Neugeborenen und seinen Eltern viel Glück

Dass der Storch ein wahrer Glücksbringer ist, spiegelt sich auch in seinem Namen wieder. In vielen Fabeln und Geschichten heißt er „Adebar“. Der Name leitet sich aus dem Germanischen ab. Dort heißt „auda“ Glück und „bera“ gebören. Wortwörtlich übersetzt ist Adebar, der der Glück gebärt. Wollte es bei den Germanen mit dem Kindersegen bei einem Paar nicht klappen, so wandte es sich an den Gott Donar. Der Überlieferung nach schickte der Wettergott und Beschützer der Menschheit einen Storch in die Ferne. Der „geflügelte Baby-Express“ holte aus einem Teich mit vielen Babys ein Kind und überbrachte es den Eltern. Dieser besondere Storchenservice hat sogar Einzug in die Popkultur gehalten. So bringt beispielsweise im Disney-Klassiker „Dumbo“ ein Storch den kleinen Elefanten.

Früher galt es daher als ein Zeichen von großem Glück, wenn sich ein Storchenpaar auf dem Dach ansiedelte. Die Hoffnung der Hausbewohner war, dass ein Stück des Storchenglücks auch auf sie überginge. Und Glück brauchte man, um die Geburt zu überstehen und die Kinder gesund aufwachsen zu sehen. Noch heute werden vor allem in Norddeutschland sogar Wagenräder auf den Dächern als Nisthilfe platziert, um so den Storch in die Nähe zu locken.

 

Weniger Störche – weniger Geburten?

In Statistiken lässt sich durchaus ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Störche und der Anzahl der Geburten finden. So ging in Niedersachsen zwischen 1970 und 1985 die Storchenpopulation zurück und gleichzeitig gab es weniger Neugeborene.

Bei näherer Betrachtung des Datenmaterials gibt es hier jedoch keinen Kausalzusammenhang, denn die verringerte Geburtenrate beim Menschen lässt sich auf die Entwicklungen im Hinblick auf die Emanzipation der Frau, moderne Verhütungsmethoden und die neuen Möglichkeiten der Familienplanung zurückführen. Der Rückgang bei den Störchen erfolgte im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Einsatz von Pestiziden. Von Forschern wird das Beispiel jedoch noch gerne zitiert, um aufzuzeigen, welche Tücken bei der Interpretation von statistischen Daten lauern können.

 

Ein Storch als Geschenk für frisch Vermählte und frisch gebackene Eltern

Dank verbesserter Schutzmaßnahmen hat sich die Storchenpopulation in Deutschland stabilisiert und durch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden auch wieder mehr Kinder geboren. Bis heute hat der Brauch, zur Geburt einen Storch zu verschenken und damit vor allem Glück und Gesundheit zu wünschen, überlebt. Wer nicht selbst zu Holz und Säge greifen will, kann mittlerweile auch ein Schild oder einen Aufsteller im Fachhandel kaufen. Viele Paare jedoch haben bereits einen Storch zu Hause stehen. Er wird nämlich auch gern als Geschenk zur Hochzeit überreicht und soll ein subtiler Hinweis auf den nächsten Schritt sein: Nach der Eheschließung soll es möglichst bald an die Familienplanung gehen. Die Eltern der Brautleute bekunden damit ihre Hoffnung auf Enkelkinder. Praktisch dabei: Das Hochzeitsgeschenk direkt zur Geburt des Familienzuwachses direkt wieder zum Einsatz kommen.