Steigendes Allergierisiko durch Tattoos

Unter die Haut: Metall von Tätowiernadeln enthält Allergieauslöser Nickel & Chrom

Menschen mit Tattoos haben ein höheres Risiko für Allergien. Bei einigen treten nach dem Stechen plötzlich allergische Reaktionen auf, die es vorher nicht gab. Eine Studie zeigt nun, woran es liegen könnte. Während des Tätowierens werden winzige Metallspäne von der Nadel abgerieben. Sie enthalten unter anderem Nickel und Chrom, die beide als Allergieauslöser gelten.

© ilovetattoos / pixabay.com

Ein Tattoo geht buchstäblich unter die Haut. Doch neben den Farbpartikeln gelangen auch winzige Metallspäne in den Körper. Sie enthalten unter anderem Chrom und Nickel. Beide Elemente gelten als Allergieauslöser. Somit ließe sich das Phänomen plötzlich auftretender Kontaktallergien nach dem Tattoo-Studio-Besuch durchaus erklären.

 

Körperkult & Body-Modifications liegen im Trend: Bundesbürger sind Tattoo-Fans

Tattoos als individuelle Körperverzierungen liegen voll im Trend. Fast jeder zehnte Bundesbürger hat sich bereits in die Hände eines Tätowierers begeben und sich mindestens ein Tattoo stechen lassen. Doch die Prozedur kann nicht nur optisch weitreichende Folgen haben. Nicht selten tritt nach dem Besuch des Tattoo-Studios eine Kontaktallergie auf.

Die Gründe für den Zusammenhang von Kontaktallergie und Tattoos sahen Wissenschaftler bislang in den Tätowierfarben. Da die verwendeten Farben keiner Kontrolle unterliegen, können durchaus toxische Substanzen und Metalle enthalten sein. Diese landen mit der Tätowierung unter der Haut. Sie können sich von dort aus auf Wanderschaft begeben und entsprechende Reaktionen hervorrufen. In früheren Studien gelang der Nachweis, dass die giftigen Inhaltsstoffe der Farben in die Lymphknoten wandern.

Nun haben Forscher eine zweite Quelle gefunden, die das Allergierisiko bei Tattoos ansteigen lässt. Es handelt sich um die Tätowiernadeln. Beim Stechen von Tattoos werden immer auch winzige Metallspäne von den verwendeten Nadeln abgerieben. Sie verbleiben mit der Farbe unter der Haut. Die Späne enthalten neben Eisen aber auch Chrom- und Nickel-Partikel. Diese Nanopartikel verteilen sich im Körper.

 

Tätowiernadeln & Tattoofarben gehen unter die Haut

Für die Studie nutzen die Wissenschaftler Haut- und Lymphknotenproben von Menschen, die verstorben waren und ein Tattoo besaßen. Im Labor ließen sich hier die winzigen Partikel nachweisen. Die Eisen-, Chrom- und Nickel-Partikel hatten sich in der Nähe von Titanpartikeln angesiedelt. Diese Beobachtung brachte die Forscher zur These, dass die Eisen-Chrom-Nickel-Partikel womöglich von den verwendeten Tätowiernadeln stammen und die Metallspäne durch das Titan abgerieben wurden.

Die Nadeln, die für das Stechen von Tattoos zum Einsatz kommen, bestehen größtenteils aus gehärtetem Stahl, also Eisen. Die Legierung enthält jedoch auch Nickel und Chrom. Diese beiden Elemente sind für Allergologen „gute Bekannte“, denn sie können Kontaktallergien zu fördern.

 

Wo kommen die gefundenen Chrom- & Nickel-Partikel her?

Um ihre These zu überprüfen, versuchten die an der Studie beteiligten Forscher auszuschließen, dass die nachgewiesenen Partikel einer anderen Quelle entstammen. Deswegen schauten sie zunächst auf die Tattoofarben. Hier wurden 50 Farben darauf untersucht, ob sie Chrom und Nickel enthalten. Keines der beiden Metalle ließ sich in den Farbproben nachweisen.

Im zweiten Schritt tätowierten die Forscher versuchsweise Schweinehaut mit unterschiedlichen Farben: Eine der Farben enthielt Titan, die andere nicht. Bei der titan-haltigen Farbe konnten im Anschluss bei der Röntgenfluoreszenzanalyse beträchtlich mehr Metallpartikel unter der Haut nachgewiesen werden. Das Elektronenmikroskop zeigte außerdem deutlichere Abnutzungsspuren an der Tätowiernadel.

Über die Menge, der unter der Haut verbleibenden Partikel zeigen sich auch die Forscher überrascht. Die Studie liefert letztlich keinen endgültigen Beweis, dass Tattoos die Entstehung von Allergien direkt befördern. Sie verstärkt im Moment lediglich die Indizienlage. Für eine abschließende Bestätigung bedarf es weiterer Studien.

 

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