Stammzellen stiften andere Zellen zu Untaten an

Stammzellensignale veranlassen andere Zellen, im Körper auf Wanderschaft zu gehen

Stammzellen können Signale aussenden, die andere Körperzellen dazu animieren, sich von ihrem angestammten Platz fortzubewegen und im Körper auf Wanderschaft zu begeben, wie Wiener Forscher kürzlich herausfanden. Die Experten sehen in solchen Prozessen eine mögliche Ursache für die Entstehung von Tumoren.

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Ein Sprichwort besagt: „Viele Wege führen nach Rom.“ Bei der Stammzellentherapie sollen die Stammzellen jedoch genau eine Richtung und damit einen Weg einschlagen, um eine Krankheit oder einen Gewebedefekt zu reparieren. Doch auch bei Stammzellen gibt es „Geisterfahrer“. Sie nehmen die falsche Auffahrt und entwickeln sich in Richtung Tumor. Doch das können sie nicht allein. Sie müssen dazu Zellen in ihrer Umgebung anstiften, auf Wanderschaft zu gehen und sie zu versorgen. Diese „Unfug“ wollen Forscher unterbinden und dabei den mTor-Signalweg blockieren. So stoßen die Stammzellen bei den Zellen der Umgebung einfach auf „taube Ohren“ und nichts passiert. Damit werden Stammzellentherapien in Zukunft sicherer.

 

Stammzellen übernehmen eine wichtige Funktion im Körper

Stammzellen übernehmen eine wichtige Funktion im Reparatur- und Regenerationsprogramm des Körpers, denn sie ersetzen kranke Blutzellen, Hirnzellen oder Herzmuskelzellen durch gesunde Zellen. Der Stammzellentherapie wird daher ein großes Potenzial bei der Behandlung von vielen Krankheiten nachgesagt. Doch manchmal geraten Zellen auf Abwege und Tumore entstehen.

Auch dafür können Stammzellen mitverantwortlich sein. Bildlich gesprochen können sie auf umliegende Zellen einreden und sie zum Mitmachen von „Dummheiten“ überreden. Verhindert man jedoch genau diese Kommunikation, so entstehen keine Stammzelltumore. Das berichten Wiener Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

 

Stammzellentherapie kann Nebenwirkungen haben. Sicherheit muss daher forciert werden.

Im Rahmen dutzender klinischer Studien werden weltweit Patienten Stammzellen transplantiert, um mit ihrer Hilfe Gewebe und Organe zu reparieren. Doch am Institut für Medizinische Genetik der MedUni Wien weist man auf ein bislang ungelöstes Problem hin: Stammzellen können im Körper des Patienten den falschen Weg einschlagen und eine Karriere als Krebszellen machen. Auch sind Nebenwirkungen wie Fibrosen möglich.

Die Wiener Forscher wollen dafür eine Lösung finden. Bei ihrer Suche fanden sie heraus, dass die Stammzellen nicht allein einen Tumor erschaffen können, sondern dafür Hilfe benötigen. Sie kommunizieren mit anderen Zellen in ihrer Umgebung. Dazu schicken sie Wachstumsfaktoren wie den IGF (Insulin-lik Growth Factor) aus. Dieser Wachstumsfaktor aktiviert in den benachbarten Zellen wie beispielsweise Blutzellen den sogenannten mTor-Signalweg. Er treibt nicht nur das Zellwachstum an, sondern fördert auch die Mobilität der Zellen. So können die Nachbarzellen im Tumor herumwandern und auch in den Tumor einwachsen, um ihn zu ernähren. Nur durch diesen Mechanismus können sich Stammzelltumore, die sogenannten Teratome, bilden.

 

Blockierung des mTor-Signalwegs sorgt für „taube Ohren“

Wird der mTor-Singalweg blockiert, so stoßen die Stammzellen bei den umliegenden Zellen quasi auf „taube Ohren“, weil diese sich sozusagen die Ohren zuhalten. Die Folge: Die anderen Zellen werden von den Stammzellen nicht zu Untaten angestiftet. Sie gehen nicht auf Wanderschaft. Es kann sich kein Tumor entwickeln. Diese Entdeckung könnte den Weg zur sicheren therapeutischen Anwendung von Stammzellen weiter ebnen.

 

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