Stammzellen in der Schönheitschirurgie

Natürliche Schönheit neu gedacht

Auch in der Schönheitschirurgie kommen und gehen Trends. In Europa lautet ein Trend der letzten Jahre „back to natural beauty“, d. h. die Eingriffe sollten eigentlich kaum zu sehen sein. Große Vorher-Nachher-Effekte sind mitunter sogar unerwünscht. Erstrebt wird ein natürliches, jugendlicheres Aussehen, das scheinbar den Gesetzmäßigkeiten der Zeit trotzt. Wurden früher beispielsweise auffällige Silikonkissen zur Brustvergrößerung implantiert, setzt man heute auch hier auf natürliche Materialien und damit auf eigenes Gewebe. Mit dem Lipofilling, der Eigenfetttransplantation, steht der Schönheitschirurgie eine Technik zur Verfügung, die sich sogar zur ambulanten Behandlung unter Lokalanästhesie eignet.

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Kleine Schönheitskorrekturen liegen im Trend. Mit Hilfe von Stammzellen und Eigenfett ist das Endergebnis komplett natürlich. Man sieht nur ein jüngeres und frischeres Aussehen, keine großen Vorher-Nachher-Effekte.

 

Nicht nur in der Schönheitschirurgie: Der Hype um die Wunderzellen „Stammzellen“

Stammzellen in der Schönheitschirurgie haben sich in den letzten Jahren nicht nur bei den Brustvergrößerungen sondern auch beim Facelift etabliert. Doch was sind Stammzellen genau und was haben Sie bei Schönheits- und Beauty-OPs zu suchen?

Bei Stammzellen handelt es sich wirklich nur auf den ersten Blick um normale Körperzellen. Unter dem Mikroskop sind sie kaum von den anderen Zellen zu unterscheiden. Doch ihre Besonderheit steckt im Detail verborgen. Stammzellen können sich fast unbegrenzt teilen und sorgen so beständig für Nachschub an neuen Zellen. Sie übernehmen damit wichtige Reparatur- und Regenerationsprozesse. Unter den Stammzellen wiederum gibt es sowohl Generalisten als auch Spezialisten. Während die Allround-Genies sich beinahe in jeden Zelltyp des Organismus ausdifferenzieren können, sind die Spezialisten auf einen Gewebetyp festgelegt. Mittlerweile konnten Stammzellen in fast allen Geweben des menschlichen Organismus nachgewiesen werden. Von daher waren Experten 2001 auch nicht wirklich überrascht, als eine amerikanische Forscherin entdeckte, dass selbst das Fettgewebe Stammzellen enthält. Die sogenannten ASC (Adipose Derived Stem Cells) sind ein besonderer Subtyp der mesenchymalen Stammzellen. Letztere sind ursprünglich für das Binde-, Muskel- und Skelettgewebe zuständig. Die Fettstammzellen sorgen nur für die beständige Erneuerung des Fettgewebes. Dabei zeichnen sie sich durch eine besonders große Teilungsfreudigkeit aus. Normalerweise werden adulte Stammzellen im Laufe des Lebens immer träger und teilen sich nur noch selten. Diese besondere Eigenschaft der Fettstammzellen möchte sich die Medizin für Therapien im Rahmen der Regenerativen Medizin zu Nutze machen. Damit haben die Stammzellen im Fettgewebe ein wenig den medizinischen Ruf der Fettzellen aufpolieren können. Ihnen wird für die Zukunft ein großes Potenzial nachgesagt: beispielsweise auch in der Schönheitschirurgie.

 

Auf dem Weg zur etablierten Methode in der Schönheitschirurgie: Brustvergrößerung mit Stammzellen

Viele Frauen wünschen sich größere und schönere Brüste, steht doch der Busen für Weiblichkeit schlechthin. Natürlich kann der Beauty-Doc den Wunsch erfüllen. Bei der Brustvergrößerung mit Stammzellen werden sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn als Ausgangsmaterial benötigt der Mediziner Eigenfett. Das ist nicht schwer, denn fast jede Frau hat unerwünschte Fettpölsterchen an Bauch, Hüfte und Oberschenkeln, die sie lieber gestern als heute loswerden würde. Mit einer Fettabsaugung, der sogenannten Liposuktion, lassen sich die Fettdepots „anzapfen“. Die Fettzellen können aufbereitet und mit Stammzellen angereichert werden, um sie anschließend in die Brust zu implantieren. Die Stammzellen bewirken, dass das Fettgewebe am gewünschten Zielort besser anwächst und so langfristig das neue Volumen erhalten bleibt. Mit dieser Methode lässt sich die Brust um bis zu zwei Körbchengrößen aufpolstern. Der Vorteil: Die Brust sieht nicht nur vollkommen natürlich aus, sie fühlt sich auch genauso an und verhält sich in Bewegung und Ruhe wie gewohnt. Letztlich handelt es sich bei dem Eingriff um eine Bruststraffung mit Volumenauffüllung.

Obwohl die Methode „Brustvergrößerung durch Eigenfett“ relativ neu ist und bislang nur von wenigen Schönheitschirurgen angeboten wird, ist die dahinterstehende Idee bereits über 100 Jahre alt. 1895 hat der deutsche Chirurg Vincenz Czerny erstmals versucht, eine Brust mit Eigenfett zu vergrößern. Er nutzte dafür eine gutartige Fettgeschwulst, ein sogenanntes Lipom.

 

Revolution in der Schönheitschirurgie: Facelift mit Stammzellen

Doch nicht nur die Brust kann mit Eigenfett neu modelliert werden. Die Eigenfettransplantation mit angereicherten Stammzellen eröffnet der Schönheitschirurgie ganz neue Möglichkeiten, um damit zum Beispiel Gesichtspartien zu modellieren. Gerade Unfallopfern mit großflächigen Verletzungen und Narben kann die ästhetische Chirurgie so ein großes Stück Lebensqualität zurückgeben. Für den dauerhaften Erfolg der Behandlung ist dabei wichtig, dass das implantierte Fettgewebe schnellstmöglich Anschluss an die lokale Blutversorgung findet. Genau an dieser Stelle kommen die Stammzellen ins Spiel, denn aus ihnen können sich auch Blutgefäßzellen entwickeln. So verhindern die Stammzellen, dass zu viele Fettzellen absterben und resorbiert werden. Noch müssen Langzeitstudien beweisen, dass das Verfahren sicher ist, denn theoretisch ist es möglich, dass die Wachstumsfaktoren im Eigenfettgewebe in der neuen Umgebung auch schlummernde Krebszellen zur Teilung anregen könnten.

Das Verfahren hat jedoch bereits Eingang in die schönheitschirurgische Praxis gefunden. Die ersten Schönheitskliniken bieten beispielsweise das Facelifting mit Stammzellen an, um damit Falten zu behandeln und die Alterserscheinungen im Gesicht zu minimieren. Dafür wird unter lokaler Betäubung das Eigenfett entnommen, im Labor aufbereitet und mit Stammzellen angereichert, um dann in die betreffenden Gesichtspartien gespritzt zu werden. Ziel ist es, den altersbedingten Volumen- und Elastizitätsverlust zu kompensieren. Der Vorteil der Methode liegt auf der Hand: Durch die Injektion sind keine Schnitte notwendig. Die Schönheitschirurgie wirbt daher gerne mit Slogans wie „Ohne Skalpell“ oder „Sanfte plastische Chirurgie“. Die Einstichstellen verheilen problemlos ohne Narbenbildung. Schwellungen und Blutergüsse sind in der Regel innerhalb einer Woche wieder verschwunden, sodass eine aufwändige Nachsorge entfällt. Nach dem Eingriff sieht der Patient oder die Patientin aus wie gewohnt – nur, dass er bzw. sie einfach zehn bis fünfzehn Jahre jünger geschätzt wird. Die Gefahr, dass sich das Gesicht maskenhaft verändert, besteht also nicht mehr. Dies rührte früher daher, dass das Facelifting die Gesichtspartien verzog und sich der kleine, schönheitschirurgische Eingriff über veränderte Proportionen verriet. Da es sich beim Fettgewebe um körpereigenes Material handelt, ist es zu 100 Prozent natürlich. Auch Hyaluron, das bislang zum Aufpolstern von Falten oder des Lippenvolumens genutzt wird, ist zwar ein natürlicher Füllstoff, doch er wird innerhalb weniger Monate vom Körper wieder abgebaut. Bei sensiblen Personen können darüber hinaus allergische Reaktionen auftreten.

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