Stammzellen in der Kosmetik

Beauty-Trend: Pflanzliche Stammzellen als Wunderzutat in Kosmetika

Aktuelle Kosmetik steckt voller Früchte: Mango-Duft hier, Pfirsich-Proteine dort und wer dem aktuellsten Trend folgen möchte, leistet sich eine Creme mit den pflanzlichen Stammzellen des Apfels. Was ist dran an den Wunderzellen? Können wir dem Alterungsprozess damit endgültig adé sagen?

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Was den Apfel im Winter nicht runzeln lässt, kann für die Haut so nicht verkehrt sein. Auf diese einfache Logik lässt sich das Marketing-Versprechen der Kosmetikindustrie herunterbrechen, wenn es um pflanzliche Stammzellen in Kosmetika geht.

 

Wunderzellen Stammzellen

Kaum ein großer Kosmetikkonzern kommt heute in seiner Kosmetik-Linie noch ohne sie aus: Das pflanzliche Pendant zu den Stammzellen. Um die Euphorie der Schönheitsindustrie besser verstehen zu können, lohnt sich ein genauerer Blick auf die sogenannten Alleskönnerzellen. Stammzellen sind eine wundersame Mischung aus Generalisten und Spezialisten. Aus einer einzigen Urstammzelle entsteht innerhalb von neun Monaten ein neuer Erdenbürger mit rund 100 Billionen Körperzellen, die sich über 200 verschiedenen Geweben mit ganz unterschiedlichen Aufgaben zuordnen lassen. Und auch im späteren Leben sorgen die Stammzellen durch beständige Teilung dafür, dass sich der Organismus regenerieren und Schäden beheben kann. Manche Stammzellen können sich in viele Zelltypen des menschlichen Körpers ausdifferenzieren. Andere sind da spezialisierter – beispielsweise Hautstammzellen. Sie sind, wie es der Name bereits vermuten lässt, für die Regeneration des größten menschlichen Organs zuständig, der Haut. Sie übernimmt eine Menge Aufgaben und ist tagtäglich großen Belastungen ausgesetzt.

Doch die Stammzellen altern mit ihrem Besitzer und verlieren nicht nur ihre Flexibilität sondern auch ihre Teilungsfreudigkeit. Die Folge: Die Selbstheilungskräfte schwinden, Krankheiten wie Arthrose, Demenz oder Krebs entstehen. Die Haut verliert beispielsweise ihre jugendliche Straffheit. Sie bekommt Runzeln und Altersflecken. Die Forschung arbeitet derzeit intensiv daran, genau solche Alterungsprozesse rückgängig zu machen. Der ewige Jungbrunnen würde die Menschheit vor so mancher Geißel bewahren.

 

Pflanzliche Stammzellen in der Kosmetik: Pflanzenkraft gezielt nutzen

Auch Pflanzen besitzen ähnliche Zellen wie Stammzellen. Im Bildungsgewebe, dem sogenannten Meristem, werden beständig neue Zellen produziert, die dafür sorgen, dass die Pflanze von der Wurzel bis zur Spitze wächst. Gibt es eine Verletzung, so verschließt das Meristem die betreffende Stelle. Darunter beginnen dann die Reparaturprozesse, indem zum Beispiel neue Rinde oder neue Blattsprossen gebildet werden.

Pflanzen können dabei ganz erstaunliches leisten. Beispielsweise werden die Sequoias, die Mammutbäume in Nordamerika, nicht nur über 100 Meter hoch, sondern auch bis zu 3000 Jahre alt. Die Alpenrose kommt problemlos mit Temperaturschwankungen von -30°C im Winter und +30° C im Sommer klar. Und unter den Äpfeln gibt es Sorten wie den Uttwiler Spätlauber aus der Schweiz, die den ganzen Winter über gelagert werden können, ohne schrumpelig zu werden. Wäre es nicht toll, wenn solch wunderbare Eigenschaften auch der eigenen Haut zu gute kommen könnten?

Genau dieses Versprechen gibt die Kosmetikindustrie mit einer ganzen Reihe von Schönheitsprodukten. Den angebotenen Kosmetika wie Cremes, Lotions oder Ampullen wird ein Cocktail aus Zellflüssigkeiten aus Pflanzenstammzellen zugesetzt. Da pflanzliche Stammzellen zu groß sind, um als Ganzes in die Haut einzudringen, werden sie zertrümmert. Der entstandene Cocktail aus Pflanzenextrakten soll letztlich wie Kraftnahrung auf die eigenen Hautstammzellen wirken und sie leistungsfähiger machen.

Theoretisch ließen sich auch tierische Stammzellen verwenden, doch wäre ihre Gewinnung mit großen ethischen Kontroversen verbunden. Und es gibt weitere Probleme in rechtlicher und hygienischer Hinsicht: Die Kosmetikkonzerne müssten sicherstellen, dass die tierischen Stammzellen nicht mit gefährlichen Keimen wie zum Beispiel dem BSE-Erreger kontaminiert sind. Der BSE-Erreger kann bei den Tieren zum gefürchteten Rinderwahnsinn und beim Menschen möglicherweise zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit führen. Bei der Verwendung von menschlichen Stammzellen kommen ebenfalls nicht nur aus ethischen Gesichtspunkten auch nur eigene Stammzellen in Frage. Bei allogenen Stammzellen würden Abstoßungsreaktionen auftreten, da das Immunsystem in der Regel körperfremde Zellen erkennt und angreift. Die pflanzlichen Stammzellen dagegen lassen sich recht einfach gewinnen und erweisen sich laut eigenen Studien der Kosmetikindustrie als ebenso wirksam wie sämtliche Alternativen.

 

Aktuelle Kosmetiktrends

Vielen Anwenderinnen reicht das einfache Auftragen der Pflanzenextrakte auf die Haut längst nicht mehr. Sie schwören auf das sogenannte „Microneedling“. Dabei verletzt ein feiner Nagelroller zunächst ganz gezielt die oberste Hautschicht. Das Verfahren soll gewährleisten, dass die pflanzlichen Stammzellen-Extrakte in tiefere Regionen besser eindringen und dort ihre Wirkung entfalten können.

War Hyaluronsäure das Kosmetik-Wundermittel in den vorangegangen Jahren, sind aktuell die pflanzlichen Stammzellen der Trendsetter schlecht hin. Während Hyaluron lediglich wie ein zusätzliches Feuchtigkeitskissen wirkt, sollen die Phytostammzellen für anhaltende Polster-Effekte und damit für das Verschwinden von Fältchen sorgen. Die Marketing-Experten der Kosmetikindustrie versprechen nichts Geringeres als die genetische Verzögerung der Hautalterung. Doch hier ist eine gesunde Skepsis angebracht. Nicht zuletzt, weil sonst die Kosmetika ganz anderen staatlichen Regulationsinstrumenten und Aufsichtsbehörden unterständen. Der Verkauf wäre dann nur noch über ein ärztliches Rezept in der Apotheke möglich.

Letztlich bleibt dem mündigen Verbraucher jedoch nur der Selbstversuch: Probieren Sie die Kosmetik-Wundermittel mit den pflanzlichen Stammzellen selbst aus und bilden Sie sich eine eigene Meinung. Allergiker sollten jedoch bei Kosmetika mit Stammzellen Vorsicht walten lassen. Wer allergisch auf Äpfel reagiert, wird womöglich auch eine Apfel-Creme nicht vertragen. Hier kann jedoch problemlos auf andere Produkte ausgewichen werden. Stammzellen-Kosmetik gibt es beispielsweise auch auf Basis von Trauben, Himbeeren oder Sonnenhut.

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