Stammzellen gegen Haarausfall

Mit Tregs gegen die Glatze

Kojak trug sie mit Eloquenz. Bruce Willis trägt sie mit Coolness und Pep Guardiola macht ein sportliches Statement daraus. Die Rede ist von der Glatze. Mann kann „oben ohne“ mit Würde tragen oder als hippen Modetrend. Doch viele Männer leiden unter schütterem Haar und ungewolltem Haarausfall. Das Problem trägt in medizinischen Fachkreisen den Namen Alopezie. In Drogerien, in Apotheken und vor allem im Internet werden zahlreiche Produkte angeboten, die wieder zu voller Haarpracht verhelfen sollen. Doch der große Durchbruch ist bislang nicht gelungen.

Wenn es nach den Forschern der UCLA – der University of California (USA) – geht, soll sich das ändern. Sie haben bestimmte Körperzellen ausgemacht, die den Kahlschlag auf dem Kopf zu verantworten haben. Damit eröffnet sich ein neuer Therapieansatz, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Cell“ schreiben.

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Nicht jeder trägt sein Glatze gern. Vielleicht können Männer mit Haarausfall bald wieder lachen, denn Forscher fanden nun heraus, dass regulatorische T-Zellen, sogenannte Tregs, am Haarwachstum beteiligt sind. Fehlen sie, können Stammzellen die Haarfollikel nicht mehr regenerieren. Die sichtbare Folge: Kahle Stellen auf dem Haupt.

 

Tregs aktivieren Stammzellen – Stammzellen beginnen mit der Regeneration der Haarfollikel

Für ihre Forschungsarbeit untersuchten die Forscher die sogenannten „Tregs“. Dabei handelt es sich um regulatorische T-Zellen, die zu den Immunzellen gehören. Bislang waren Tregs dafür bekannt, dass sie im Organismus Entzündungen bekämpfen. Die Forscher aus San Francisco stellen nun allerdings einen Zusammenhang zwischen Tregs und Haarverlust her. Im Mausmodell konnten sie beobachten, dass die regulatorischen T-Zellen das Haarwachstum anregen. Sie sind nämlich in der Lage, Stammzellen zu aktivieren, die wiederum die Regeneration von Haarfollikeln starten.

Normalerweise ist „Haare wachsen“ ein geschlossener Kreislauf: Fällt ein Haar aus, muss ein Teil des alten Haarfollikels dafür sorgen, dass ein neues Haar nachwachsen kann. Damit werden die Haarfollikel beständig recycelt. Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass es sich um einen internen Prozess zwischen Stammzellen und Haarfollikeln handelt. Doch an der Regeneration der Haarwurzeln sind die Tregs mit beteiligt. Fehlen die regulatorischen T-Zellen, so gibt es auch kein Haarwachstum. Ein Mangel an diesen Immunzellen führt damit zwangsweise zur Alopezie mit sichtbaren Folgen: der Glatze. Haarausfall ist demnach nur ein Symptom für einen Tregs-Mangel in der Haut.

Bleibt die Aktivierung der Stammzellen durch die Tregs aus, kann die Regeneration der Haarfollikel am oberen Ende der Haarwurzel nicht mehr starten. Es bleibt auf dem Kopf kahl. Die Glatze breitet sich aus. Da Tregs auch eine wichtige Rolle bei der Wundheilung spielen, könnten die regulatorischen T-Zellen ebenfalls ein wichtiger Schlüssel zur Regeneration von Hautpartien – beispielsweise nach großflächigen Verbrennungen – sein.

 

Fehlen regulatorische T-Zellen kommt es zum Haarausfall und damit zur Glatze

Für ihre Studie arbeiteten die Forscher der UCLA mit Mäusen. Den Mäusen hatten in und auf der Haut keine Tregs mehr. Die Immunzellen waren von den Forschern entfernt worden. Im Anschluss wurden die Mäuse an manchen Stellen rasiert. Die Wissenschaftler beobachteten, was dann geschah: Nichts, d. h. auf den rasierten Stellen wuchsen keine Haare nach. Der Beobachtung gingen sie weiter auf den Grund. Weitere Experimente zeigten, dass es zwischen den Haarfollikel-Stammzellen und den regulatorischen T-Zellen Interaktionen gibt. So konnten die Forscher belegen, dass in einem Haarfollikel in der Wachstumsphase die Anzahl an aktiven Tregs um das Dreifache steigt. Über den sogenannten Notch-Signalweg kommunizieren die Stammzellen und die Immunzellen untereinander und tauschen Botenstoffe aus. Bemerkt der Haarfollikel, dass sein baldiges Ende und damit der Haarausfall droht, so „ruft“ er bereits die Tregs herbei, d. h. die Immunzellen machen sich schon auf den Weg, bevor das Haar komplett abgestorben ist.

 

Immunzellen halten Immunsystem im Zaum

Fachleute bezeichnen die regulatorischen T-Zellen gerne als „Peace-Corp“ des Immunsystems. Als „Diplomaten“ sind sie in der Lage, andere Immunzellen in Abwehrhaltung oder Entspannung zu versetzten. Ist jedoch die Funktion der Tregs, beispielsweise aufgrund eines Defekts, gestört, so können Autoimmunerkrankungen oder Allergien ausgelöst werden. Bei Allergien wie Heuschnupfen reagiert der Körper auf eigentlich harmlose Substanzen wie den pflanzlichen Pollen. Bei Autoimmunerkrankungen wie Diabetes oder Multiple Sklerose greift das Immunsystem körpereigene Zellen an und zerstört sie. Tregs kommen größtenteils in den Lymphknoten vor. Einige Zellen patrouillieren jedoch auch in Geweben. Dort hemmen sie Entzündungen und wirken als Katalysatoren bei lokalen Stoffwechselvorgängen mit.

 

Therapie mit Stammzellen bei Haarausfall und Glatze rückt in greifbare Nähe

Da die Wissenschaftler diesen Mechanismen zur Regeneration von Haaren nun verstanden haben, ist der erste Schritt in Richtung erfolgreicher Therapie gemacht. Als nächstes gilt es herauszufinden, wie die bei Haarausfall und Glatze fehlenden Tregs an die richtige Stelle „gelotst“ werden können, um wieder neue Haare wachsen zu lassen. Die Therapie mit Stammzellen bei Haarausfall und Glatze ist damit keine ferne Science-Fiction mehr, sondern nimmt langsam aber sicher Gestalt an.

 

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