Stammzellen gegen Blindheit

Heilung für Blinde durch die Wunderzellen?

Ungefähr 39 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind blind, d. h. sie können nichts oder kaum noch etwas sehen. Auf der anderen Seite überschlagen sich die Medien mit Erfolgsmeldungen: Bionisches Auge, Gentechnik und Stammzellen sind oft gefallene Schlagworte im Zusammenhang mit Blindheit. Mit diesen Methoden sollen geschädigte Netzhautzellen ersetzt und zumindest wieder konturenhaftes Sehen ermöglicht werden. Das ist Hochleistungsmedizin, die nicht allen Patienten zur Verfügung steht, denn die medizinische Versorgung in abgelegenen Regionen erweist sich oftmals als schwierig. Dennoch hält die WHO an einem ehrgeizigen Ziel fest: Bis zum Jahr 2020 soll die vermeidbare Blindheit überwunden sein.

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Blindheit ist nicht immer angeboren. Vielfach verlieren Menschen durch Unfälle das Augenlicht. Diesen Patienten möchte der indische Arzt Virender Sangwan helfen. Er optimierte ein Verfahren zur Rettung des Augenlichts durch Stammzellen und machte es deutlich kostengünstiger. Damit nimmt er den Kampf gegen die Blindheit auf.

 

Mit Stammzellen kämpft ein indischer Arzt gegen die Blindheit

In Indien hat jetzt der Arzt Dr. Virender Sangwan ein Verfahren optimiert, mit dem schwerste Augenverletzungen geheilt werden können. In vielen Fällen ist Blindheit nämlich nicht angeboren. Die Menschen verlieren ihr Augenlicht nach und nach durch Krankheit und Traumata. Sangwan setzt im Kampf gegen die Blindheit auf die eigenen Stammzellen des Patienten.

In Indien verlieren viele Menschen ihre Sehfähigkeit durch Unfälle oder Verätzungen. Die Methode, mit der Sangwan arbeitet, wurde von italienischen Ärzten entwickelt. Auch in Deutschland findet sie übrigens bereits Anwendung. Die Ärzte extrahieren dabei Stammzellen entweder aus dem gesunden Auge oder bei einer beidseitigen Erblindung von einem Familienmitglied. Nach eigenen Aussagen des Arztes ist das Verfahren mittlerweile nicht viel schwieriger oder gefährlicher als eine Blutspende.

 

Bisherige Stammzellentherapien zur Rettung des Augenlichts teuer

Bislang mussten die Stammzellen in einer Nährlösung im Labor wachsen. Das war nicht nur aufwändig, sondern auch teuer. Das Verfahren kostet pro Patient um die 15.000 bis 20.000 Euro. Für die Verhältnisse eines einfachen indischen Arbeiters entspricht die Summe einem Vermögen, das er im Leben kaum aufbringen kann.

Sangwan suchte daher mit seinem Team nach einer kostengünstigen und effizienten Alternative. Die Ziele waren klar formuliert: Wenig Aufwand, d. h. kein Labor und keine Petrischale sowie wenig Kosten. Die Idee: Die eigenen Stammzellen des Blinden sollen direkt im kaputten Auge heranwachsen. Die Vorteile der neuen Methode liegen auf der Hand: Die Stammzellen wachsen gleich an der richtigen Stelle und sie werden optimal mit Nährstoffen versorgt. Die Erfolgsquote verwundert daher nicht. Sie liegt bei 76 Prozent.

 

Stammzellen wachsen im kaputten Auge heran

Die Operation selbst erfolgt lediglich unter lokaler Betäubung. Die Stammzellen werden dabei entnommen und umgehend mit einem biologischen Kleber ins verletzte Auge eingebracht. Im Anschluss muss der Patient zum Schutz eine weiche Kontaktlinse tragen und sich einige Wochen lang antibiotische Tropfen ins Auge tröpfeln, um Infektionen zu vermeiden.

Seine Methode und die Ergebnisse der Operationen veröffentlichte Sangwan in verschiedenen Fachmagazinen. Die Fachwelt zeigt sich begeistert, denn es werden keine embryonalen Stammzellen, sondern körpereigene, adulte Stammzellen verwendet. Ärzte aus unterschiedlichen Ländern reisen mittlerweile nach Hyderabad, um die Methode zu erlernen.

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