Stammzellen einlagern

Stammzellen einlagern: Ein Faktencheck

Dank der Kryokonservierung gibt es heutzutage die Möglichkeit, Gewebe vorsorglich durch Einfrieren einzulagern. Krebspatienten mit Kinderwunsch greifen auf diese Option zurück, um die Familienplanung trotz Krankheit nicht zu gefährden. Doch nicht nur Ei- und Samenzellen lassen sich aufbewahren. Auch die Einlagerung von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe ist möglich. Die so aufgebauten Stammzellendepots könnten in der Zukunft die Basis für individuelle Therapien sein.

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Die direkt nach der Geburt eingelagerten Stammzellen aus der Nabelschnur könnten in Zukunft ein möglicher Rettungsring bei schweren Krankheiten sein, weil sie als Basis für individuelle Zelltherapien dienen. Die besonderen Eigenschaften der neonatalen Stammzellen machen sie so interessant für den medizinischen Einsatz.

 

Muss sich eine junge Frau oder ein junger Mann heute einer Krebstherapie unterziehen, so gibt es die Möglichkeit, vorsorglich Eizellen bzw. Samenzellen einzufrieren. Falls die Tumorbehandlung zur Unfruchtbarkeit führt, es also mit der Schwangerschaft auf natürlichem Wege später nicht mehr klappt, kann die moderne Medizin doch noch den Kinderwunsch erfüllen. Diese Absicherungsmöglichkeit ist für die Betroffenen sehr wichtig und gibt ihnen in schwieriger Zeit Halt. Denn sie macht Hoffnung auf eine gesunde Zukunft und die Rückkehr zur Normalität, die mit Diagnose Krebs zunächst aus den Fugen geraten ist.

Das gleiche Verfahren wie beim Einfrieren von männlichen Spermien und weiblichen Eizellen eignet sich auch für das Einlagern von anderen Geweben. Man nutzt die Kryokonservierung mittlerweile ebenfalls, um Stammzellen auf Vorrat einzulagern.

 

Über den Sinn des Stammzellen-Einlagerns aus medizinischer Sicht

Doch warum macht das Einlagern von Stammzellen überhaupt Sinn? Um diese Frage beantworten zu können, muss man auf die besonderen Eigenschaften dieses Zelltyps eingehen. Stammzellen sind wahre Wunderzellen, obwohl sie auf den ersten Blick von normalen Körperzellen kaum zu unterscheiden sind. Doch ausdifferenzierte Zellen haben die Fähigkeit zur Selbsterneuerung verloren. Einmal kaputt, sterben sie ab. Stammzellen dagegen sind fast unsterblich. Sie können sich beständig teilen und zu Körperzellen entwickeln. Damit sorgen sie fortwährend für Nachschub an notwendigen Zellen. Der Körper kann sich bei Verletzung also selbst helfen, indem er die Selbstheilungskräfte aktiviert: Ein Schnitt in den Finger schließt sich. Die Blutung kommt zum Stehen. Verlorengegangene Blutzellen werden ersetzt. Gebrochene Knochen können wieder zusammenwachsen …
Kurz gesagt: Ohne Stammzellen gäbe es keine Zukunft. Jeder Mensch würde nach wenigen Wochen sterben. Es kann aber aufgrund von Krankheit und Verletzungen zu schweren Krisen kommen. Hier können Stammzellen Leben retten. Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise die Blutbildung nach einer Krebstherapie neu starten. Stammzellen beschleunigen aber auch nachweislich die Heilung großer Wunden.

Die Wissenschaftler arbeiten derzeit an ganz konkreten Anwendungsfällen wie zum Beispiel an der Stammzellentherapie nach Herzinfarkt. Beim Herzinfarkt sterben Milliarden von Herzmuskelzellen ab. Der Körper ersetzt das tote Material durch Narbengewebe. Dieses beeinträchtigt die Herzfunktion. Studien konnten bereits zeigen, dass Stammzellen die Entstehung von Narbengewebe reduzieren und so die Pumpleistung des Herzens nach einem Herzinfarkt verbessern können. Ähnliche Reparaturansätze gibt es bei einer Reihe von weiteren Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Parkinson oder Diabetes. Die Einsatzmöglichkeiten von eingelagerten Stammzellen werden sich in Zukunft dank der Regenerativen Medizin und des Tissue Engineering aller Voraussicht nach stark erweitern.

 

Warum eingelagerte Stammzellen aus der Nabelschnur der Liebling der Mediziner sind

Für den medizinischen Einsatz bestens geeignet sind die Stammzellen aus der Nabelschnur. Während das Nabelschnurblut besonders reich an hämatopoetische Stammzellen ist, kommen im Nabelschnurgewebe besonders viele mesenchymale Stammzellen vor. Die Aufgabentrennung zwischen beiden Stammzellenarten ist klar: Die hämatopoetischen Stammzellen sind für die Blutbildung zuständig, während sich aus den mesenchymalen Stammzellen alle Zellen des Bewegungsapparates und hier insbesondere die Zellen der Muskeln, Knochen, Knorpel und des Bindegewebe bilden.

Das Einlagern dieser Stammzellen muss allerdings direkt nach der Geburt erfolgen, nur dann steht ein Stammzelldepot mit ganz besonderen Eigenschaften im späteren Leben zur Verfügung. Wissenschaftler konnten nämlich nachweisen, dass die Stammzellen aus der Nabelschnur, die sogenannten neonatalen Stammzellen, besonders jung und daher sehr vital sind. Sie weisen noch keine Schäden durch Alterungsprozesse auf und können sich deswegen noch sehr oft teilen. Außerdem sind sie sehr anpassungsfähig. Das heißt, sie tragen auf ihrer Zelloberfläche noch nicht ganz so viele spezifische Marker wie adulte Stammzellen. Von daher werden die neonatalen Stammzellen vom Immunsystem des Empfängers nicht so schnell als fremde Zellen erkannt, weswegen es bei der Transplantation von Nabelschnurblut seltener zu den gefürchteten Abstoßungsreaktionen kommt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Statistiken den vermehrten medizinischen Einsatz von eingelagerten Nabelschnurblut-Stammzellen verzeichnen – auch weil die Präparate umgehend zur Verfügung stehen und somit im Ernstfall wertvolle Zeit gespart werden kann.

 

Verschiedene Stammzellenquellen können für die Stammzellentherapie in Zukunft zur Verfügung stehen

Auch im späteren Leben lassen sich Stammzellen noch aus anderen Quellen gewinnen und einlagern. Jedoch ist dies mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden. Während bei neonatalen Stammzellen direkt nach dem Abnabeln lediglich die Nabelschnurvene punktiert und das Nabelschnurblut aufgefangen werden muss, ist später die Stammzellengewinnung wesentlich aufwändiger: Bei der Stammzellenentnahme aus dem Knochenmark wird unter Vollnarkose meist der Beckenkamm punktiert und das Blut-Knochenmark-Gemisch entnommen. Wegen der erhöhten Infektions- und Narkosegefahr greifen Ärzte auf diese Methode heute allerdings nur noch zurück, wenn zuvor die Gewinnung der peripheren Blutstammzellen scheiterte. Dafür muss der Patient zunächst wenige Tage vor der Entnahme ein Medikament einnehmen, was die Stammzellen veranlasst, sich aus dem Knochenmark zu lösen und ins Blut zu migrieren. Hier können sie – ganz ähnlich wie bei der Spende von Blutbestandteilen wie Plasma oder Thrombozyten – per Stammzellapherese herausgefiltert werden. Doch nicht alle Stammzellenspender vertragen das dafür notwendige Medikament.

Aktuell arbeiten die Forscher an der Erschließung einer weiteren Stammzellenquelle: Das Fettgewebe. Fast jeder Mensch hat überzählige Fettdepots an Bauch, Hüfte und Oberschenkeln. Das Fettgewebe enthält ebenfalls Stammzellen. Es lässt sich per Fettabsaugung (Liposuktion) leicht gewinnen. Doch noch ist es recht schwierig, die Fettstammzellen zu isolieren und sicher, dauerhaft einzulagern.

Private Stammzellbanken bieten im Moment nur das Einlagern von Nabelschnurblut zur Eigenvorsorge an. Es kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass es in Zukunft nicht auch Angebote für die Einlagerung von Fettstammzellen geben wird. An den entsprechenden Verfahren arbeiten bereits einige Firmen mit Hochdruck.

Wer sich für das Einlagern von Stammzellen aus der Nabelschnur für seine Kinder oder Enkelkinder interessiert, sollte die Produkte und Angebote dieser Art der Lebensversicherung genau miteinander vergleichen und auch die Pro- und Contra-Argumente für das private Einlagern bzw. für die öffentliche Spende für sich genau abwägen. Mit der Checkliste von familien-gesundheit.de zum Vergleich der privaten Nabelschnurblutbanken behalten Sie den Überblick nicht nur bei den Paketpreisen und laufenden Kosten, sondern auch bei den Erfahrungen bei der Anwendung von Nabelschnurblut-Stammzellen, dem Kliniknetzwerk und dem Service.

Disclaimer
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