Stammzellen bei Erektiler Dysfunktion (ED)

Gegen „Impotenz“ zeigen transplantierte Stammzellen Wirkung

Die Erektile Dysfunktion (ED) ist eine Erkrankung des Mannes, über die nicht gern gesprochen wird, denn die medizinische Diagnose bedeutet, dass ein Mann keine Erektion bekommen bzw. aufrechterhalten kann. Somit ist Geschlechtsverkehr und ein erfülltes Sexualleben nicht mehr möglich. Die Probleme bestehen darüber hinaus mindestens sechs Monate lang – Der Leidensdruck ist entsprechend groß, denn das Selbstwertgefühl wird massiv eingeschränkt. Im Volksmund wird die Erektile Dysfunktion auch oft als „Impotenz“ oder „Erektionsstörung“ bezeichnet.

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Wenn Mann nicht kann bzw. tote Hose herrscht, wird das gern verschwiegen. Doch die psychische Belastung wegen des fehlenden Sexuallebens ist für die Betroffenen enorm. Erektile Dysfunktion ist außerdem ein ernstzunehmendes, chronisches Krankheitsbild. Eine Studie deutet daraufhin, dass in Zukunft Stammzellen den erfolgreichen Kampf gegen die Impotenz aufnehmen könnten.

 

Langfristig könnte die Stammzellentransplantation betroffenen Männern helfen. Das Verfahren wurde erstmals bei Männern mit Erektiler Dysfunktion in Folge einer Prostatektomie getestet. Den Männern musste die Prostata komplett entfernt werden. Eine Phase-I-Studie ergab, dass die Transplantation von Stammzellen jenen Männern helfen kann, bei denen neben der Erektilen Dysfunktion nicht auch noch eine Inkontinenz auftritt, also die Kontinenz trotz des schweren Eingriffs erhalten blieb.

 

Mit Stammzellen gegen Erektionsstörungen

Die Idee mit Stammzellen gegen Impotenz vorzugehen, ist keinesfalls neu. Bereits seit vielen Jahren arbeiten auf internationaler Ebene mehrere Arbeitsgruppen an der Entwicklung der Stammzellentherapie, um Patienten mit Erektiler Dysfunktion zu einem erfüllten Sexualleben zu verhelfen. Jetzt wurde eine wichtige Hürde genommen: Es gelang der Beweis, dass Männer mit Erektionsstörungen nach der Therapie mit Stammzellen wieder spontanen Geschlechtsverkehr haben können.

Die Ergebnisse einer monozentrischen Studie wurden nun beim 32. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie in London vorgestellt. An der Studie nahmen 21 Patienten mit Erektiler Dysfunktion nach einer radikalen Prostatektomie teil. Bei den Probanden hatten konventionelle Therapien zur Behandlung der Impotenz z. B. die Anwendung von PDE-5-Hemmern oder PGE1-Analoga nicht gewirkt.

Im ersten Schritt mussten sich die Probanden einer Liposuktion, also einer Fettabsaugung, unterziehen. Aus dem so unter Vollnarkose gewonnenen Fettgewebe wurden Fettstammzellen – sogenannte autologe adipose derived regenerative stem cells (ADRC) – isoliert. Die Mediziner injizierten die Stammzellen anschließend in die Schwellkörper (Corpus cavernosum). Im Abstand von ein, drei, sechs und zwölf Monaten erfolgten nach der ADRC-Transplantation entsprechende Kontrollen. Die erektile Funktion wurde mittels eines Fragebogens, dem International Inde of Erectile Function), abgefragt. Auch die auftretenden Nebenwirkungen haben die Mediziner erfasst.

 

 

Stammzellen zeigen Wirkung bei Erektiler Dysfunktion

Die gute Nachricht: Schwere Nebenwirkungen gab es nicht. Die Patienten berichten lediglich über kleinere Vorfälle im Zusammenhang mit der Fettabsaugung. Hier traten beispielsweise Hämatome auf. Auch wurde eine empfindlichere Haut im Abdominalbereich beobachtet.

Bei acht von 15 Männern ließ sich die Erektionsfähigkeit wiederherstellen. Das ist etwas mehr als die Hälfte der Probanden. Bei diesen Männern gibt es eine Gemeinsamkeit: Sie waren nach der Prostatektomie und damit vor der Stammzellentransplantation kontinent gewesen. Nach sechs Monaten war es diesen Männern möglich, wieder eine Erektion zu bekommen und Geschlechtsverkehr zu haben. Der Effekt hielt bis zwölf Monate nach der Transplantation der Stammzellen an. Jedoch erlangten Männer, die vor der Transplantation inkontinent gewesen waren, ihre Erektionsfunktion nicht wieder zurück.

Dennoch sind die Autoren der Studie vorsichtig optimistisch: Eine Transplantation von aus autologem Fettgewebe gewonnenen Stammzellen kann in Zukunft eine Option in der Therapie der Erektilen Dysfunktion sein und damit Impotenz den Schrecken nehmen. Noch handelt es sich um vorläufige Ergebnisse, denn Langzeitbeobachtungen stehen noch aus.

 

Der familien-gesundheit.de-Tipp

Liebe Männer, redet darüber!

Impotenz ist sicherlich ein sehr privates Problem – über das verständlicherweise nicht gern gesprochen wird. Doch falsche Scham ist hier unangebracht. Sind Sie betroffen, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt zu konsultieren!

Dafür sprechen mindestens zwei gewichtige Gründe: Einerseits ist in vielen Fällen eine medikamentöse Therapie möglich. Die Therapie mit Stammzellen wird sicherlich auch in Zukunft eher die Ausnahme bleiben. Andererseits kann die Erektile Dysfunktion ein ernstzunehmender Hinweis auf Arteriosklerose sein, denn die Blutgefäße im Penis ähneln sehr stark denen des Herzens und sind nicht vor „Verkalkung“ gefeit. Die Folge: Es kommt nicht mehr genügend Blut im Penis an. Eine für den Geschlechtsverkehr erforderliche Steifheit ist nicht mehr gegeben. Die Impotenz kann daher ein wichtiger Warnhinweis auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Daher sollte nach der Diagnose „Erektile Dysfunktion“ auch immer ein Kardiologe zur weiteren Abklärung hinzugezogen werden.

 

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