Stammzellen & Beauty

Stammzellen für die Schönheit: Beauty und Anti-Aging dank der Alleskönnerzellen?

Die Versprechungen der Schönheitsindustrie klingen sehr verlockend: Ewige Schönheit und jugendliches Aussehen dank der Wunderzellen „Stammzellen“. Sie werden in Cremes, Lotions oder als Extrakte in Ampullen und Kapseln gepackt und sollen das Selbstwertgefühl vieler Menschen stärken. Denn in einigen gesellschaftlichen Bereichen ist ein gepflegtes und jugendliches Aussehen enorm wichtig. Schönheit ist durchaus ein Karriere-Booster. Erfolg macht sexy und cool. Doch wie können die Stammzellen Beauty & Schönheit beeinflussen? Welche Produkte bietet heute die Beauty- und Kosmetikindustrie an? Die Redaktion von familien-gesundheit.de schaut genauer hin.

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Sind Stammzellen der Schlüssel zur ewigen Schönheit und Jugend? Die Schönheitsindustrie sagt ja und schwört auf Extrakte aus pflanzlichen Stammzellen in Cremes und Ampullen.

 

Pflanzliche Stammzellen als Wunderwaffe gegen das Anti-Aging

Die Kosmetikindustrie wirbt nicht nur in Beauty-Blogs oder in Frauen- und Lifestyle-Magazinen mit großformatigen Produktanzeigen für ihre Schönheitsprodukte auf Basis der pflanzlichen Stammzellen. Diese stammen beispielsweise aus Rosenblüten, dem Sonnenhut oder Äpfeln. Die Argumentationskette dahinter: Was den Apfel schön macht und nicht altern lässt, kann der Haut schließlich auch nicht schaden.

Für die Gewinnung der Stammzellen aus Pflanzen wird nur ein kleiner Teil der Pflanze benötigt. Die Stammzellen lassen sich meist im Spross, in den Wurzeln oder in den Früchten finden. Pflanzenstammzellen haben universelle Eigenschaften, d. h. aus einer kleinen Knospe kann sich eine komplette Pflanze regenerieren. Deswegen lassen sich viele Blumen aber auch Obst- und Gemüsepflanzen über frisch geschnittene Triebe oder Ableger vermehren. Wird eine Pflanze verletzt, so ist dies das Signal für die Phyto-Stammzellen, sich zu teilen und damit den betroffenen Bereich zu erneuern. So werden neue Wurzeln und Blätter aber auch Blüten getrieben. Wer sich mit dem Mechanismus genauer beschäftigt, wird sich der Faszination dieses andauernden Selbsterneuerungsprozesses nicht entziehen können.

 

Nicht schrumpelnde Apfelsorten sollen runzeliger Haut vorbeugen

Die Beauty-Industrie verwendet für ihre Produkte beispielsweise die Apfelsorte „Uttwiler Spätlauber“, eine alte Schweizer Sorte, die mit außergewöhnlich guten Lagerfähigkeiten glänzt: Diese Äpfel schrumpeln nicht und verlieren auch kein Aroma. In die Tiegel und Ampullen für Beauty und Schönheit wandert am Ende jedoch nicht der komplette Apfel sondern nur die daraus gewonnen Pflanzenextrakte.

Die Hersteller werben für ihre Produkte mit dem Versprechen, dass die pflanzlichen Stammzellen die hauteigenen Stammzellen erhalten und aktivieren könnten. Eine Wirkung auf der Ebene der Gene, der Zellen und der Matrix wird zugesichert. Die Folge: Eine spürbare Verbesserung der Hautstruktur lässt die Spuren der Hautalterung dank der natürlichen Zellerneuerung verschwinden.

Viele Forscher dagegen geben zu, dass es nach wie vor unklar ist, ob der menschliche Organismus die auf der Haut aufgetragenen, pflanzlichen Stammzellen überhaupt aufnimmt und wie letztlich die Wirkung aussieht. Die eintretenden und damit beobachtbaren Effekte könnten auch nur auf die Pflanzenextrakte und die darin enthaltenen Vitamine und Peptide zurückzuführen sein.

Hier müssten zunächst weitere Untersuchungen die offenen Fragen klären. Den Marketingversprechen der Kosmetikhersteller täte in dieser Hinsicht ein kleinwenig mehr Bescheidenheit und Genauigkeit gut. Ein Kritiker gab einmal zu bedenken: Wenn die Cremes und Tiegelchen mit Stammzellen für die Schönheit wirklich das hielten, was sie versprechen, dann würde der Hautarzt diese Arzneimittel verschreiben. Die Folge: Es gäbe sie nur auf Rezept in der Apotheke. Da die Produkte in der Regel frei verkäuflich sind, ist doch eine gewisse Skepsis im Hinblick auf die tatsächliche und versprochene Wirkung angebracht. Aber letztlich bleibt dem mündigen Verbraucher nur eine Option: Probieren Sie die Beauty-Produkte mit pflanzlichen Stammzellen selbst aus und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

 

Körpereigene Stammzellen fürs Lifting

Es gibt allerdings auch Stammzellenanwendungen, die mit körpereigenen Stammzellen die Schönheit verbessern möchten. Hier setzt die plastische Chirurgie für Beauty-Anwendungen auf das Potenzial der Fettstammzellen. Dass das Fettgewebe auch Stammzellen enthält, wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Gelingt es, diese Stammzellen im Fettgewebe zu gewinnen und aufzubereiten, ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen besitzt fast jeder, das eine oder andere Fettpölsterchen, auf das man gut und gerne verzichten könnte. Mit einer Fettabsaugung an der betreffenden Stelle, ließe sich genügend Ausgangsmaterial für die „Beauty-Optimierung“ gewinnen. Die Fettzellen und Fettstammzellen könnten dann genutzt werden, um damit beispielsweise Falten zu unterspritzen, das Volumen der Lippen zu optimieren oder die Oberweite zu vergrößern. Abseits der Beauty-OPs nutzt die ästhetische Chirurgie die Transplantation von Eigenfettgewebe auch dazu, um Traumata nach Unfall oder OP zu rekonstruieren. Hier sehen sich die Mediziner noch immer mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, da die Fettzellen teilweise resorbiert werden oder absterben und so nachträgliche Korrekturen erforderlich machen.

Deswegen wird aktuell an Methoden und Verfahren zur Optimierung der Gewinnung, Aufbereitung und Transplantation geforscht. Allerdings bieten die ersten plastischen Chirurgen schon die körpereigene Stammzellentherapie für diverse kosmetische Probleme an. Ganz ungefährlich ist die Vorreiterrolle nicht. Denn unerwünschte Nebenwirkungen können nicht komplett ausgeschlossen werden.

 

Risiken der Beauty-OPs mit körpereigenen Stammzellen

Die Fettstammzellen sind ein besonderer Subtyp der mesenchymalen Stammzellen. Aus diesen entstehen jedoch nicht nur Muskeln und Bindegewebe sondern auch Knochen und Knorpel. So kann es theoretisch dazu kommen, dass an der Stelle, wo die Fettstammzellen injiziert werden, sich unerwünschte Knochen bilden. Experten sehen auch ein gewisses Tumorrisiko noch längst nicht komplett ausgeräumt. Stammzellen haben bekanntlich die Fähigkeit, sich teilen zu können. Bis zu einem gewissen Maß ist dies sogar gewünscht, denn nur so kann die Regeneration erfolgen. Doch der Grat zwischen „guter Stammzelle“ und „schlechter Stammzelle“, sprich Krebsstammzelle, kann schmal sein.

In Deutschland gibt es strenge Zulassungsvorschriften für neuartige Therapien, um die Patienten zu schützen. Für die Überwachung von Zelltherapien ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zuständig. Parallel dazu gibt es mit dem Transplantationsgesetz, dem Embryonenschutzgesetz und dem Stammzellengesetz eine ganze Reihe von rechtlichen Regelungen, die den Rahmen für die Forschung und den Einsatz von Zellmaterial schaffen. Nicht nur aus ethischen Gründen ist es in Deutschland beispielsweise verboten, embryonale Stammzellen in Therapien zu verwenden. In anderen Ländern sieht das anders aus. In der Ukraine können zum Beispiel fetale Stammzellen aus dem Gewebe von abgetriebenen Feten gewonnen und für kosmetische Zwecke genutzt werden. Neben dem Übertragungsrisiko von Erregern wie HIV oder Tuberkulose lassen sich die gesundheitlichen Folgen nur schwer abschätzen. Das Immunsystem wird fremde Zellen jedoch immer erkennen und entsprechend attackieren. Unter Umständen zahlt der Patient für seinen Beauty-Wunsch einen hohen Preis.

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