Stammzellen aus Weisheitszähnen

Anwendung von dentalen Stammzellen in der Zahnbehandlung macht Fortschritte

Wissenschaftler hoffen, dass Sie in Zukunft Zahnstammzellen, sogenannte dentale Stammzellen, für die Kariesbehandlung oder den Knochenaufbau nutzen können. Obwohl die Forschung auf Hochtouren läuft, sind konkrete Anwendungen noch nicht in den Zahnarztpraxen und Dentallabors angekommen, denn es müssen zuvor noch etliche, praktische Problemen gelöst werden. Nun sind Wissenschaftler ein großes Stück vorwärts gekommen.

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Das Ziehen der Weisheitszähne ist kein schöner Gedanke. Jedoch muss der Zahnnarzt häufig aus Platzgründen im Kiefer zu dieser radikalen Maßnahme greifen. Die Weisheitszähne gehören zum zweiten Gebiss, sie brechen meist aber erst sehr spät durch, daher auch der Name. Auch in den Weisheitszähnen gibt es Stammzellen – sogenannte dentale Stammzellen. Diese Zahnstammzellen könnten in Zukunft eine wichtige Rolle bei individuellen Zelltherapien spielen.

 

Ein Hauptproblem besteht in der Lösung der Frage, woraus die benötigten Mengen an Stammzellen zu gewinnen wären und wie sie anschließend am besten konserviert werden können. Fakt ist nämlich: Wie es der Name „Zahnstammzellen“ bereits vermuten lässt, kommen die Stammzellen in den Zähnen bzw. den Zahnwurzeln vor. Jeder Zahnarzt wird sich jedoch schwertun, einen gesunden Zahn zu ziehen, um daraus die Stammzellen für die Behandlung eines kranken Zahns zu gewinnen.

Wissenschaftler der University of Nevada wollen als Ausgangsmaterial für die Therapie mit dentalen Stammzellen die Weisheitszähne nutzen. Die sogenannten „8er“ bzw. die dritten Molaren (oder Dens serotinus) müssen aus Platzgründen eh häufig weichen. Allein in Deutschland werden jährlich über 2,5 Millionen Weisheitszähne gezogen. Dank eines neuen Verfahrens lässt sich nun aus den Weisheitszähnen eine große Menge an dentalen Stammzellen gewinnen.

 

Stammzellenquelle und Stammzellenextraktion stellte Wissenschaftler vor Herausforderungen

Bislang stellte die Stammzellenentnahme sowie die Haltbarkeit der Stammzellen die Forschung vor große Herausforderungen. Damit eine ausreichend große Menge an Stammzellen gewonnen werden kann, muss der Zahn groß und unbeschädigt sein. Beide Voraussetzungen sind bei den Weisheitszähnen gegeben.

Liegen die Weisheitszähne im Labor vor, gilt es, den nächsten Schritt zu schaffen: Der Ursprungsort der Stammzellen, die sogenannte Pulpa – also das Zahnmark -, muss unbeschadet bleiben. Den Weisheitszahn einfach aufbohren, um an die dentalen Stammzellen zu gelangen, ist daher keine Option. Beim Bohren entsteht unter anderem Reibungshitze. Sie zerstört defacto Materialsubstanz und damit dringend benötigte Stammzellen. Außerdem könnten Partikel zu Verunreinigungen führen. Auch das einfache Entfernen der Zahnkrone erwies sich als nicht praktikabel.

 

Tooth Cracker 5000 zerteilt Weisheitszähne für die Stammzellengewinnung effizient

Es galt also ein Gerät zu entwickeln, dass in der Lage ist, die unregelmäßig geformten Weisheitszähne sauber in zwei Hälften zu zerteilen. Als Vorbild diente ein Glasschneider. In Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Zahntechnikern bauten die Forscher einen Zahnknacker, den sogenannten „Tooth Cracker 5000“.

Das Gerät wurde im ersten Schritt an 25 gezogenen Weisheitszähnen getestet. Die Erfolgsquote lag bei 100 Prozent. Im zweiten Schritt untersuchten die Wissenschaftler dann die Lebensfähigkeit der gewonnenen Stammzellen, denn nur mit lebendigen, d. h. teilungs- und differenzierungsfähigen Stammzellen kann für die Behandlung weitergearbeitet werden. Auch hier konnten die Forscher für den Tooth Cracker 5000 eine erstaunliche Erfolgsquote nachweisen. 80 Prozent der extrahierten Stammzellen waren nutzbar. Bislang lag die Quote lediglich bei 20 Prozent. Das ist eine immense Steigerung, die Hoffnung macht.

Müssen die Weisheitszähne entfernt werden, könnten in naher Zukunft die Zahnstammzellen ähnlich wie das Nabelschnurblut eingelagert werden. Sie stünden dann später für Anwendungen – z. B. die Kariesbehandlung – zur Verfügung.

 

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