Stärkung während der Entbindung

Essen & Trinken: Was ist bei der Niederkunft erlaubt?

Noch bis vor kurzem rieten Ärzte und Hebammen Schwangeren, während der Entbindung nichts zu essen und zu trinken. Eine Stärkung war also nicht erlaubt. Diese Empfehlung basierte auf der Angst, dass sich die Frau verschlucken könnte und schlimme Komplikationen drohen würden. Diese These ist heute längst widerlegt.

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Powerballs sind, wie es der Name vermuten lässt, ein wahres Powerfood. Die „Energiekugeln“ aus Nüssen und Trockenfrüchte sind daher ein beliebter Snack für den Kreißsaal. Sie belasten nicht und versorgen Mutter und Kind mit genügend Energie für die anstrengende Geburt. Während der Geburt ist eine Stärkung heute erlaubt.

 

Seit dem Jahr 2015 gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, dem alten Rat Folge zu leisten. Denn eine kanadische Studie wies zweifelsfrei nach, dass das vermutete Risiko während der Niederkunft äußerst gering ist. Im Gegenteil: Gesunde Frauen können von einem leichten Snack profitieren, denn sowohl die  Wehen- als auch die eigentliche Geburtsphase sind sehr anstrengend. Hier werden ähnlich viele Energiereserven wie bei einem Marathon gebraucht. Und dort kommt auch niemand ernsthaft auf die Idee, den Marathonies das Essen und Trinken bewusst vorzuenthalten.

 

Geburtsmedizin machte große Fortschritte, sodass eine Stärkung während der Geburt heute kein Problem mehr darstellt

Die bereits erwähnte Studie aus Kanada war eine sogenannte Metastudie, mit der 385 Teilstudien untersucht wurden. Die Datenlage ist eindeutig: Heute passiert es nicht mehr, dass sich eine gesunde Gebärende im Lauf der Geburt verschluckt. In dem Fall droht Nahrung und Flüssigkeit in die Atemwege zu gelangen. Durch die sogenannte Aspiration können die Fremdkörper nicht nur die Luftzufuhr einschränken, sondern auch eine Lungenentzündung, die Aspirationspneumonie, auslösen. Das ausgewertete Zahlenmaterial der Forscher belegt, dass es zum Beispiel in Großbritannien von 2000 bis 2005 keinen solchen Todesfall gab. Anders sah die Datenlage rund 60 Jahre früher aus. In den 1940er Jahren gab es damals auf 1.000 Geburten 1,5 Todesfälle, die sich auf diese Komplikation zurückführen ließen.

Die Empfehlung, dass Frauen während der Entbindung nichts essen und allenfalls ein paar Schlucke Wasser zu sich nehmen dürften, lässt sich auf die Untersuchungen des US-amerikanischen Arztes Curtis L. Mendelson zurückverfolgen. Er publizierte 1949 eine Studie, die belegte, dass Schwangere, die während der Wehen Essen und Flüssigkeit zu sich nahmen, ein stärkeres Risiko für Geburtskomplikationen aufwiesen. Das Ergebnis alarmierte die Ärzteschaft.

 

Moderne Medizin kann Aspiration bei der Narkose effektiv verhindern

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Geburtsmedizin jedoch enorm weiterentwickelt. Heute finden Kaiserschnitte nur noch selten unter Vollnarkose statt. Ärzte und Anästhesisten setzen stattdessen auf die Peridural- bzw. Spinalanästhesie. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Die Frauen bleiben bei Bewusstsein und können die Geburt des Kindes schmerzfrei miterleben.

Ist in Ausnahmefällen dennoch eine Vollnarkose erforderlich und hat die Frau vorher etwas zu sich genommen, dann kann das OP-Team verhindern, dass die Gebärende zu ersticken droht. Zur Vermeidung der Komplikation „Aspiration“ gibt beispielsweise den Sellick-Handgriff (auch als Krikoiddruck) bezeichnet.

Auf vielen Geburtshilfestationen ist es daher heute eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen während der Geburt selbst bestimmen, ob sie etwas essen oder trinken. Mediziner sehen mittlerweile nur wenige Faktoren, die dagegensprechen, während der Entbindung eine Stärkung einzunehmen. Zu den Hochrisikofaktoren zählen starkes Übergewicht der Gebärenden sowie die Einnahme starker Schmerzhemmer.

 

Snacks während der Geburt: Energie für Mama und Baby

Das bisherige Essvervot während der Wehen ist wahrscheinlich sogar kontraproduktiv, denn die Geburt kostet viel Energie und zieht sich über Stunden hinweg. Der Körper muss die Fettreserven anzapfen, wenn er nicht auf schnell verfügbare Energie in Form von Kohlenhydraten zurückgreifen kann. Die Energie-Rückgewinnung aus Fettgewebe ist allerdings mit einer Übersäuerung des Blutes von Mutter und Kind verbunden. Geburtsmediziner vermuten, dass sich dies negativ auf die erforderlichen Kontraktionen der Gebärmutter auswirkt. Die Wehen werden schließlich benötigt, um das Kind im Becken stetig voranzuschieben. Sind die Wehen jedoch zu schwach und zu unregelmäßig, dauert die Geburt länger als nötig.

Daher empfehlen Ernährungsexperten Frauen für die Niederkunft vorzusorgen und auf leichte, kohlenhydratreiche Speisen zu setzen. Sie sollten außerdem ballaststoffreich sein, um den Körper über einen langen Zeitraum mit Energie versorgen zu können. Schokolade mag zwar einen hohen Zuckeranteil haben und kann deswegen einen kurzfristigen Energieschub geben, doch ist der meist schnell vorüber und dann könnte sich das Hungergefühl wieder melden.

 

Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie

Als Snack während der Geburt sind daher Toastbrot oder Knäckebrot ideal. Sie können mit einem leichten Aufstrich schnell und unkompliziert gegessen werden und sollten daher beim Packen der Kliniktasche nicht vergessen werden. Auch Reis, Pasta und Kartoffeln liefern während der Niederkunft wertvolle Kalorien. Frische Früchte genauso wie Trockenobst sind ebenfalls eine gern gegessene Stärkung. So liefern beispielsweise Bananen der Mutter in spe viel Energie und versorgen sie darüber hinaus noch mit wichtigen Mineralstoffen. Auch eine Suppe oder Brühe mögen viele Frauen. Schließlich sind nicht umsonst die leckeren japanischen Ramen ein Hit. In einer solchen Bowl ist natürlich auch Platz für Gemüse und Nudeln.

Als Stärkung für die Geburt sind auch die sogenannten Powerballs bzw. Energy Balls bestens geeignet. Sie bestehen aus energiereichen Nüssen und Trockenfrüchten. Powerballs lassen sich ganz leicht vorbereiten und können so bei „Baby-Alarm“ schnell eingepackt und in den Kreißsaal mitgenommen werden.

In puncto Getränke sollte die Gebärende zu stillem Mineralwasser, Saftschorlen sowie Früchtetees oder Kräutertees zurückgreifen. Ungeeignet sind Orangensaft und Grapefruitsaft sowie alle kohlensäurehaltigen Getränke. Sie reizen zu sehr den Magen und führen schnell zu Übelkeit.

 

Während der Entbindung besser mehrere kleine Snacks essen als eine Hauptmahlzeit

Die Gebärende sollte bei der Stärkung während der Entbindung immer nur so viel essen und trinken, wie sie sich wohl fühlt. Essen bis zum Völlegefühl wäre vollkommen fehl am Platz. Mehrere kleinere Snacks sind also besser. Als Faustregel sollte man stündlich einen kleinen Happen essen und ein Glas Wasser trinken, um so gezielt „Versorgungsengpässen“ vorzubeugen. Die Frau hört dabei am besten auf ihr Bauchgefühl, denn im Laufe der Geburt werden sich die Bedürfnisse intuitiv ändern. Spätestens mit dem Einsetzen der Presswehen will keine Frau mehr etwas essen und trinken. Der Körper mobilisiert in dieser Phase nochmals alle Reserven und macht das Wunder der Geburt möglich.

 

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