Sprechen lernen

Wie Sie Ihr Kind beim Sprechen-Lernen unterstützen können

Kleine Babys können schon sehr früh signalisieren, wen ihnen etwas fehlt oder sie etwas wollen. Aber bis sie richtig sprechen lernen, vergeht überraschend viel Zeit. Denn die Sprache ist komplex und die Bildung der Laute nicht immer einfach. Zu Anfang klingt es beinah wie eine eigene Sprache, wenn Kinder anfangen zu plappern. Erst durch genaues Hinhören ergibt sich ein Sinn. Bis aus dem niedlichen „Baby-Gebrabbel“ ganze Wörter und Sätze werden, können noch Monate vergehen – bei manchen weniger, bei anderen mehr. Aber haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind beim Sprechen-Lernen langsam ist. Es hat sein eigenes Tempo.

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Möchten Eltern das Sprechen-Lernen bei ihren Kindern fördern, sollten Sie frühzeitig beginnen, gemeinsam Bilderbücher zu entdecken und Kinderreime lernen. Bei größeren Kindern können lustige Zungenbrecher helfen, die Aussprache zu verbessern.

 

Sprechen lernen – erste Schritte

Am Anfang schreit ein Baby. Dieses Schreien kann Hunger, Müdigkeit, Überreizung, Schmerz und mehr bedeuten. Schon bald jedoch werden die Schreie differenzierter und für die Elternohren ist an der Art des Schreien zu erkennen, was dem Kind fehlt. Dies sind die ersten Anfänge des Sprechen Lernens. Im Alter von etwa drei Monaten fängt das Baby an, unterschiedliche Laute zu entwickeln und mit Zunge, Kehlkopf und Lippen zu modulieren. Babys können im Gegensatz zu Erwachsenen, die ein klares Wort – und seine Buchstaben – vor Augen haben, Lautgruppen und Wörter nicht unterscheiden. Es dauert eine Weile, bis für sie in dem Sprachfluss einzelne Segmente wiedererkennbar werden, auf die sie dann reagieren. Es dauert ungefähr ein Jahr, bis Kinder die ersten Worte sprechen lernen und mit sogenannten „Einwortsätzen“ kommunizieren.

 

Besser abwarten als dramatisieren

Müsste mein Kind nicht langsam sprechen lernen? Müsste es nicht schon dieses und jenes können? Eltern sind schnell beunruhigt, wenn ihr Kind in manchen Dingen langsamer ist als andere. Dabei ist es wichtig, Kindern ihr eigenes Tempo zu lassen. Manche lernen einfach später sprechen. Deswegen sind sie noch lange kein Fall für den Logopäden. Spricht ein Kind sehr spät, sollte aber kontrolliert werden, ob eventuell das Hörvermögen eingeschränkt ist. Das muss keine dauerhafte Schwerhörigkeit sein, auch Kinder, die oft Schnupfen oder Mittelohrentzündungen haben, hören manchmal schlechter – und sprechen dann oft auch später. Ist Ihr Baby oder Kleinkind aber an der alltäglichen Kommunikation interessiert und gibt Laute und Gebrabbel von sich, wird es auch sprechen lernen.

 

So können Sie Ihrem Kind beim Sprechen-Lernen helfen

Sie können Ihr Kind nicht zum Sprechen zwingen, aber mit bestimmten Anreizen, seine Lust an der Kommunikation und am Gespräch fördern. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Reden Sie viel mit dem Kind, denn Kinder ahmen nach.
  • Lesen Sie Ihrem Kind vor. Fangen Sie schon früh damit an, gemeinsam Dinge in Bilderbüchern zu entdecken. „Schau mal, was ist denn das …“
  • Singen Sie mit Ihrem Kind. Bringen Sie ihm kleine Reime und Sprüche bei.
  • Lassen Sie Ihr Kind ausreden, auch wenn es sich verhaspelt oder nicht alles verständlich ist.
  • Helfen Sie Kindern, die hauen oder beißen, weil sie noch nicht sagen können, was sie möchten. Machen Sie klar, was falsch ist und helfen Sie bei der Wortfindung: „Wenn Du mitspielen willst, sag’ ,Ich will mitspielen!‘ Aber Hauen ist verboten.“

 

Was Sie lieber nicht tun sollten

Umgekehrt gibt es auch die eine oder andere Strategie, die beim Sprechen-Lernen eher kontraproduktiv ist. Ein paar Dinge, die es zu beherzigen gilt:

  • Wiederholen Sie nicht die „niedlichen“ Fehler, die Ihr Kind macht. Signalisieren Sie Verständnis und wiederholen Sie korrekt. Sagt Ihr Kind: ,Nane habm“, antworten Sie mit: „Du hast Hunger und willst eine Banane haben? Kein Problem.“
  • Kommentieren oder korrigieren Sie aber nicht jedes Wort, das Ihr Kind sagt. Sonst hat es das Gefühl, alles falsch zu machen und verliert die Lust am Sprechen-Lernen. Manchmal steht auch einfach das Miteinander-Reden im Vordergrund, zum Beispiel beim gemeinsamen Essen oder beim Kuscheln auf dem Sofa. Da muss nicht ständig berichtigt werden.
  • Zwingen Sie Ihr Kind nicht zu reden. Der Klassiker ist „Sag danke!“ oder auch „Sag Entschuldigung!“ Natürlich muss ein Kind lernen, sich zu bedanken oder um Entschuldigung zu bitten. Aber das muss nicht erzwungen werden. Leben Sie es richtig vor, dann wird Ihr Kind dies von selbst lernen.
  • Kontraproduktiv ist es auch, Kinder aus Gleichberechtigungsgründen zum Reden aufzufordern. Alle haben etwas gesagt, jetzt du! Damit üben Sie großen Druck aus und lösen womöglich Unbehagen aus. Beobachten Sie erst einmal, ob das Kind etwas sagen möchte und nur nicht zu Wort kommt, oder ob es lieber einfach zuhören will.

 

So klappt das Gespräch

Wichtig bei der Kommunikation ist die Vergewisserung des Gegenübers. Dazu gehören vor allem auch Blickkontakt und die Körpersprache. Tippen Sie auf Ihrem Smartphone herum oder sind Sie mit anderen Dingen beschäftigt, während Sie mit Ihrem Kind sprechen, fühlt es sich – zu Recht? – nicht wahrgenommen und hört nicht zu. Unterbrechen Sie aktiv Ihre Tätigkeit und wenden Sie sich Ihrem Kind zu. Schauen Sie es an und nehmen Sie es am Arm, wenn es wichtig ist. Kinder lernen Wörter sprechen umso intensiver, je aufmerksamer der Sprecher sich ihnen zuwendet. Nehmen Sie die Sprechversuche Ihres Kindes ernst, greifen Sie seine Äußerungen auf und betrachten Sie es als „Gesprächspartner“, auch wenn die Sätze noch nicht vollständig sind! Dann wird die Sprachentwicklung im dritten bis vierten Lebensjahr rasant fortschreiten und schon bald kann Ihr Nachwuchs nicht nur lautstark, sondern auch korrekt sagen, was er möchte.

 

Disclaimer
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