Sport bei ADHS eine gute Alternative zu Medikamenten

Warum körperliches Auspowern beim Zappelphilipp-Syndrom gut ist

Immer mehr Kinder haben Konzentrationsprobleme und sind manchmal sehr impulsiv. Viele Eltern fragen sich dann verständlicherweise: Hat mein Kind das Zappelphilipp-Syndrom, also ADHS? Eine solche Diagnose ist gefürchtet, weil sie im Kindergarten, in der Schule und im Arbeitsleben noch immer mit zahlreichen Stigmata verknüpft ist. Viele fürchten sich auch vor der lebenslangen Medikamenteneinnahme und suchen gezielt nach Alternativen. Sport kann Betroffenen eine solche Möglichkeit bieten, denn die körperliche Aktivität schafft einen Rahmen, um andere Verhaltensweisen und Konfliktlösungsstrategien zu erlernen. Studien belegen, dass Sport bei ADHS eine positive Wirkung entfaltet und so möglicherweise Medikamente reduziert werden können oder es sogar möglich ist, gänzlich darauf zu verzichten.

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Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ADHS „Zappelphilipp-Syndrom“) können von Sport und Bewegung stark profitieren.

 

ADHS – ein kurzer Überblick: Beschreibung, Kernsymptome, Diagnose und Therapie

ADHS ist die medizinische Abkürzung für „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.“ Diese Störung kann im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter vorkommen. Im Kindes- und Jugendalter ist ADHS die häufigste psychiatrische Erkrankung. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass die „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.“ keine „reine“ psychiatrische Erkrankung bzw. psychische Störung ist, sondern es sich dabei tatsächlich um ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn handelt.

In Deutschland sind ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren von ADHS betroffen. Jungen erkranken viermal häufiger als Mädchen. Im Volksmund wird ADHS als „Zappelphilipp-Syndrom“ bezeichnet. Kinder zeigen bei ADHS folgende Kernsymptome:

  • Unaufmerksamkeit
  • Hyperaktivität (verstärkte Aktivität / Über-Aktivität)
  • Impulsivität

Diese drei Kernsymptome können zu Beeinträchtigungen in den Lebensbereichen Familie, Schule oder Freundeskreis führen. Sie  können auch das Verhalten bei körperlicher Aktivität/Sport (z. B. beim Fußball im Verein) beeinflussen. Daher kommen häufig Kind-Eltern-Probleme, Schüler-Lehrer-Probleme oder Sportler-Trainer-Probleme erschwerend hinzu.

Bei einem Verdacht auf ADHS ist es von großer Bedeutung, dass Eltern ihre Kinder gewissenhaft untersuchen und diagnostizieren lassen. Die Diagnostik sollte ein erfahrener Kinder- und Jugendpsychologe vornehmen und nicht unbedingt der Kinderarzt, obwohl dieser sicherlich die erste Anlaufstelle bei Problemen ist.

Unruhe, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität eines Kindes sind nicht per se Anzeichen von ADHS. Aber dennoch sollten Eltern nicht lange zögern, denn eine frühe Diagnostik und Behandlung kann Symptome verbessern und viele Frustrationen verhindern.

Die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird erst gestellt, wenn die oben genannten Kernsymptome sechs Monate lang bestehen. In der Regel diagnostizieren Ärzte die Störung erst ab einem Alter von sechs Jahren. In manchen Fällen tritt diese Störung bei Kindern aber auch schon vor dem sechsten Lebensjahr auf.

Die ADHS-Symptome können bis ins Erwachsenenalter weiter fortbestehen. Dies ist bei etwa 40 – 60 % der Betroffenen der Fall.

 

Therapieprogramme bei ADHS – Von THOP bis PEP

Bei den verhaltenstherapeutischen Therapieprogrammen unterschieden sich Eltern-, kindergarten-, schulzentrierte und multimodale Präventions- und Therapieprogramme. Auch die Kombination verschiedener Therapien ist möglich. Basierend auf den Angaben des medizinisch-therapeutischen „Leitfadens für ADHS im Kindes-, Jugend und Erwachsenenalter“ hat sich das Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP) als sehr wirksam erwiesen. Eine weitere sehr gute Therapiemaßnahme für Kinder stellt auch das Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten (PEP) dar. Bei Erwachsenen zeigen u. a. psychotherapeutische Behandlungen sehr gute Erfolge.

 

Medikamente bei ADHS bei Kindern und Jugendlichen

In der Behandlung von ADHS kommen häufig auch Medikamente zum Einsatz, die den gestörten Gehirnstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen sollen. Jedoch benötigt nicht jedes Kind mit der Diagnose ADHS Medikamente. Manchmal ist eine medikamentöse Behandlung jedoch wichtig für den Erfolg weiterer Therapiemaßnahmen und kann neben den Kernsymptomen (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität) vor allem die Lebensqualität verbessern.

Neben medikamentösen, psycho- oder verhaltenstherapeutischen Maßnahmen bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bieten Bewegung und Sport gute Ansätze, um Probleme besser in den Griff zu bekommen. Die Kinder können sich hier auspowern und ihre eigenen Grenzen erleben, was langfristig zu einer veränderten, positiven Körperwahrnehmung führt und Alternativen aufzeigt für Verhaltensweisen, die sonst die Mitmenschen und Umwelt stressen.

 

Sport und Bewegung bei ADHS

Studien belegen den positiven Einfluss von Sport und Bewegung auf ADHS. So konnte eine positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf das Verhalten und die Kognition nachgewiesen werden. In der „Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin“ (2013) mit dem Titel „Sport bei ADHS – Plan für Desaster oder verschenkte Ressource?“ heißt es dazu:

„Speziell in der Natur ausgeübte, möglichst vielfältige körperliche Aktivitäten/Sport scheinen preiswerte, nicht-medikamentöse Mittel zu sein, die Freude an Bewegung vermitteln, die motorische Leistungsfähigkeit fördern, den Betroffenen helfen Grenzen zu erfahren/akzeptieren sowie einen sportlich-fairen Umgang mit anderen zu lernen. Positive Erfahrungen durch körperliche Bewegung an sich und die damit verbundenen Erfolgserlebnisse sowie positives Feedback führen zu einer Verbesserung von Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und sozialer Kompetenz, was auch auf andere Lebensbereiche einen positiven Einfluss nehmen kann. Obwohl derzeit keine evidenz-basierten Empfehlungen zu besonders geeigneten Sportarten, Belastungsintensität und -dauer gegeben werden können, sollte die mögliche positive Wirkung von körperlicher Betätigung nicht ignoriert und sportliche Aktivität bei ADHS angeraten werden.“

Wie aus dieser wissenschaftlichen Formulierung hervorgeht, bietet Sport und Bewegung bei ADHS eine positive und gute Alternative bei ADHS nicht nur bei Kindern, sondern auch im Erwachsenenalter.

Welche Therapien oder auch alternative Möglichkeiten für Sie oder Ihr Kind in Frage kommen, sollte ein Experte im Fachgebiet „psychische Störungen / Psychiatrie“ festlegen. Auch das Einholen einer ärztlich-therapeutischen Zweitmeinung kann Ihnen dabei helfen, korrekt einzuschätzen, ob eine bestimmte Behandlung notwendig ist oder es Behandlungsalternativen gibt.

 

Buchtipps von familien-gesundheit.de

Ratgeber für Eltern, Lehrer und Trainer zum Umgang mit ADHS

Möchten Sie als Eltern, Lehrer oder Trainer mehr über ADHS  und die Therapiemöglichkeiten nachlesen, kann Ihnen die Redaktion von familien-gesundheit.de folgende Bücher empfehlen:

  • Döpfner, M., Schürmann, S. & Frölich, J. (2013):
    Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP). (5. Aufl.). Weinheim: Beltz
  • Plück, J., Wieczorrek, E., Wolff Metternich, T. & Döpfner, M. (2006):
    Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten (PEP). Ein Manual für Eltern- und Erziehergruppen. Göttingen: Hogrefe.
  • Hesslinger B, Philipsen A, Richter H (2004):
    Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter. Göttingen: Hogrefe, Reihe: Therapeutische Praxis

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