Spalierobst-Hecke

Viel Genuss auf wenig Raum

Was bei den Obstbauern im großen Stil klappt, funktioniert auch bei wenig Platz: Auf kleinem Raum wächst möglichst viel Frucht und noch dazu lässt es sich leichter ernten, weil die Obstbäume lediglich so groß sind, dass Sie keine Leiter brauchen. Es klingt nach der Quadratur des Kreises und erscheint dem Laien als unmöglich. Der Gartenbau-Experte quittiert den Auftrag mit einem wissenden Lächeln. Spalierobst heißt das Zauberwort.

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Obstbauern haben das System „Spalierobst“ perfektioniert. So lassen sich viele Früchte auf wenig Raum produzieren und die Ernte wird ebenso erleichtert, weil Spalierobstbäume kleiner und kompakter bleiben. Eine Spalierobst-Hecke bietet auch für den Laien viele Vorteile wie eigenes Obst und einen Sichtschutz. Die Abgrenzung des Grundstückes ist ebenso möglich, denn die „Naschhecke“ kann den Zaun ersetzen.

 

Normalerweise findet sich Spalierobst an Hauswänden. Die fruchtragenden Triebe werden per Hand feinsäuberlich an Seilen und Säulen gelenkt, um den maximalen Ertrag bei geringer Fläche herauszuholen. Der Kenner unterscheidet zwischen U-Form, Fächerform oder der Palmette. Meistens wurde Spalierobst an der warmen Südseite angepflanzt, denn oftmals handelt es sich um wärmeliebende Sorten wie Aprikosen oder Pfirsiche. Doch auch Äpfel, Birnen oder Wein kultivieren die Menschen so seit Jahrhunderten, um die regionale Küche zu bereichern. Spalierobst braucht jedoch nicht zwingend eine Hauswand, um zu wachsen. Deswegen sind auch Spalierobst-Hecken möglich oder Sie verschönern mit einer Spalierobst-Hecke eine unansehnliche Mauer. Vorhanden sein muss lediglich das Rankgerüst, das für die Erziehung der Bäumchen genutzt wird und den schweren, früchtetragenden Ästen Halt gibt. Wie Sie Ihr Grundstück mit einer Spalierobst-Hecke aufwerten können, erklären wir Ihnen hier.

 

Klassisches Kernobst für Spalierobst und damit das Ziehen als Hecke geeignet

Der Geschmack von Obst aus dem eigenen Garten ist viel intensiver als von Obst aus dem Supermarkt. Der Grund dafür ist recht simpel. Es ist einfach frischer und es wird nach Bedarf geerntet. Daher landen nur wirklich reife Früchte auf dem Teller. Weite Transportwege entfallen und wirklich alle guten Inhaltsstoffe sind noch erhalten. Vielfach handelt es sich um alte Sorten, die auf andere Eigenschaften wie Geschmack statt Haltbarkeit und Aussehen gezüchtet wurden. Glücklich können sich daher all jene Menschen schätzen, die einen großen Garten mit vielen Obstbäumen ihr Eigen nennen. Doch auch wenn Sie nur ein kleines Grundstück und wenig Platz haben, brauchen Sie nicht traurig sein. Sie müssen nicht auf leckeres Obst verzichten und können direkt drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit einer Spalierobst-Hecke sorgen Sie nämlich für reichlich Früchte und Abwechslung. Sie können gleichzeitig auch einen Sichtschutz etablieren und Ihr Grundstück abgrenzen. Klingt genial, oder?!

Als Spalierobst eignet sich im Grunde genommen jedes Kernobst. Klassischerweise werden Äpfel, Birnen, Kirschen oder Pflaumen als Spalierobst gezogen. Genauso gut lassen sich jedoch auch Pfirsich, Mirabelle, Aprikose, Quitte, Wein und Kiwi lenken.

 

Die richtige Spalierobstsorten & das optimale Rankgerüst sorgen für eine gute Ernte

Im Gartenfachhandel gibt es mittlerweile eine Vielzahl von speziellen Züchtungen, die für die Anforderungen an Spalierobst optimiert wurden. Eine ist zum Beispiel die entsprechende Frost- und Winterhärte. Genutzt werden meist schwachwüchsige Unterlagen, auf die veredelt wird. Bei Spalierobst bietet es sich an, selbstfruchtende Sorten zu wählen. So ist eine reichhaltige Ernte garantiert und Sie brauchen nicht zwingend auf männliche und weibliche Pflanzen zu achten. Bei nicht selbstfruchtenden Sorten benötigen sie sonst nämlich mindestens zwei Bäumchen pro Obstsorte zur gegenseitigen Befruchtung.

Zunächst sollte der Stamm der Spalierobst-Bäume mit rund 30 Zentimetern Höhe recht klein sein. Das Spalierobst darf ferner nicht zu wüchsig sein und muss dennoch viele Früchte tragen. Lassen Sie sich am besten vom Gärtner Ihres Vertrauens oder in spezialisierten Baumschulen beraten und treffen Sie gemeinsam mit den Fachmännern und Fachfrauen – auch im Hinblick auf den Standort – die optimale Auswahl.

Essentiell für das Spalierobst ist das Rankgerüst, an dem die Triebe emporklettern und entlang geleitet werden. Dafür benötigen Sie Holzpfosten oder Aluminiumpfosten, die Sie im Abstand von ca. 2 bis 3 Metern fest im Boden verankern. Zwischen die Pfosten spannen Sie in mehreren Etagen (ca. alle 50 bis 70 Zentimeter) Drahtseile. Sie können selbstverständlich auch entsprechend lange Holzlatten anbringen. An diesen Seilen bzw. Latten entlang werden die Äste der Obstbäume erzogen, denn nur waagerecht wachsendes Fruchtholz trägt am Ende viele Früchte.  Lassen Sie sich von einem Fachmann für Spalierobst das System mit den Leitästen und Leittrieben genau erklären.

Diese müssen richtig angebunden werden. Achten Sie darauf, dass Sie dafür ein Material verwenden, was gegebenenfalls mitwachsen kann. Drahtschlingen geben beispielsweise nicht einen Millimeter nach und können somit einwachsen, wenn Äste mit den Jahren dicker werden. Besser sind Naturseile bzw. dickere Naturschnur aus Hanf oder Sisal mit denen Sie die frischen Triebe im Frühjahr und Sommer immer wieder fixieren. Hier sollten Sie auf ein ausreichend großes Spiel der Schlaufen achten. Auch Schlauchband aus PVC hat sich bewährt.

 

Spalierobst richtig pflanzen, ist gar nicht schwer

Für die Pflanzung bereiten Sie den Boden optimal vor, wenn Sie eine lange Rinne mit ca. 50 Zentimetern Tiefe und 80 Zentimetern Breite ausheben. Hier werden die Bäume mit einem Abstand von einem Meter bis eineinhalb Metern gepflanzt. Die Erde der Pflanzrinne sollte mit Kompost vermischt werden. Auch Hornspäne und Gesteinsmehl sind ein guter Langzeitdünger. Extrem schwere Böden dürfen durchaus mit Sand durchlässiger gemacht werden. Die gesetzten Spalierobstbäume gut festtreten und ausgiebig wässern. Das sorgt für den richtigen Wurzelschluss und fördert ein gutes Anwachsen.

Während des Wachstums braucht die Spalierobst-Hecke regelmäßige Pflege, damit sie dicht und kompakt werden kann. Alte Äste müssen entfernt und sehr wüchsige Triebe eingekürzt werden. Den Mitteltrieb kürzen Sie jedes Jahr ca. 60 Zentimeter über der aktuellen Ebene ein. Geschnitten wird Spalierobst in der Regel zum ersten Mal im Frühling. Noch vor dem Austrieb sollten die Spitzen der Leitäste eingekürzt werden. Die erste nach unten gerichtete Knospe gibt die Länge vor. Alle anderen Seitentriebe müssen Sie auf jeden Fall stark einkürzen, denn sie kosten den Baum nur unnötige Kraft. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen beginnt das Spalierobst zu wachsen. Im Frühsommer sind dann weitere Erziehungsmaßnahmen angesagt. Die zwei kräftigsten neu getriebenen Seitentriebe dürfen stehen bleiben. Sie werden waagerecht fixiert und somit zu neuen Leittrieben „befördert“. Bei der Erziehung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Triebe müssen oftmals gebogen werden, dürfen aber keine Knicke bekommen und auch nicht abbrechen. Bambusstäbe können eine Stütze und damit Hilfe sein.

Alle nach oben stehende Triebe, sogenannte Wasserschosser, werden gleich mit entfernt, der Mitteltrieb im Notfall nochmals eingekürzt. Auch die Spitzen der untersten Leittriebe sollten Sie entsprechend lenken und an den Seilen festbinden. Ihre Höhe erhält die Spalierobsthecke im Laufe der Jahre, wenn weitere Triebe in die Waagerechte gezwungen sind. Ältere Äste müssen Sie beim Erhaltungsschnitt entfernen und dafür neue Äste als Leitäste etablieren. Generelles Ziel eines jeden Rückschnitts ist Förderung von mehrjährigem Fruchtholz.

Die durchschnittliche Tiefe einer Spalierobsthecke beträgt rund 50 Zentimeter. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 2 Metern.

 

Von der Förderung von Nützlingen im Garten profitiert auch Ihrer Spalierobst-Hecke

Ihre Spalierobst-Hecke freut sich im Frühling und im Herbst über die Gabe von Kompost. In heißen Sommern sollten die Obstbäume ab und an gewässert werden. Ist das Laub zu dicht, müssen Sie ein paar Blätter entfernen, damit die Früchte besser reifen können. Sollten beispielsweise zu viele Äpfel an einem Zweig wachsen, hilft es, ein paar der Fruchtansätze zu „opfern“, um so sicherzustellen, dass die restlichen Äpfel größer werden und richtig ausreifen können, da sich der Baum nicht übernimmt. Das Laub ihrer Spalierobst-Hecke können Sie im Herbst rund um die Stämmchen der Spalierobstbäume aufschichten. Es schützt ein wenig vor der Kälte und wird von den Bodenorganismen zersetzt. So bleibt der Nährstoffkreislauf intakt.

Spalierobst-Hecken werden leider häufiger von Schädlingen befallen. Hier hilft eine regelmäßige Kontrolle, um rechtzeitig eingreifen zu können. Auch sollten Sie Nützlinge prophylaktisch fördern, indem Sie beispielsweise in der Nähe Nistkästen aufhängen oder ein Insektenhotel aufstellen. So helfen Sie nicht nur der einheimischen Insekten- und Vogelwelt, sondern Sie sichern auch Ihre Erträge ab.

 

Alternative für all jene, denen die Spalierobst-Hecke zu aufwändig ist

Beerenhecke liefert auch jede Menge leckere Früchte

Die Alternative zur Spalierobst-Hecke ist die Beerenhecke als Naschhecke. Hier bieten sich Brombeeren, Himbeeren, Maulbeeren, die japanische Weinbeere, Johannisbeeren oder Stachelbeeren an. Doch auch eine Beerenhecke benötigt in jedem Fall eine Rankhilfe.