Solidarische Landwirtschaft: Lebensmittelproduktion neu gedacht

Nachhaltige Landwirtschaft abseits von Marktzwängen

Nachhaltigkeit, Verbraucherschutz, Klimaschutz, Ressourcen – wer sich mit alternativen Lebensweisen auseinandersetzt, kommt unweigerlich mit diesen Begriffen in Berührung. Eine Möglichkeit, täglich gesund und klimabewusst zu konsumieren, bietet das Konzept der  solidarischen Landwirtschaft (kurz: SoLaWi). Wie es genau funktioniert, erklärt Ihnen die Redaktion von familien-gesundheit.de.

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Das Konzept der solidarischen Landwirtschaft ermöglicht eine nachhaltige Lebensmittelproduktion mit Vorteilen für alle Seiten:  Verbraucher wissen genau, wo Obst und Gemüse herkommen und Erzeuger erhalten durch einen sicheren Absatz Planungssicherheit.

 

Der Ursprung der solidarischen Landwirtschaft

In den 1960er Jahren kam die Idee der solidarischen Landwirtschaft in Japan auf. In den folgenden 20 Jahren verbreitete sich der Grundgedanke, gemeinsam als Gruppe für die Erzeugung der eigenen Lebensmittel zu sorgen, über Europa bis in die USA. Kooperativen bildeten sich und die Erprobung alternativer Landwirtschaft gewann immer mehr an Bedeutung. Die weltweit größte Gemeinschaft, die sich in solidarischer Landwirtschaft organisiert, befindet sich in Südkorea. Sie umfasst rund 2.000 Höfe und kann so um die 1,6 Millionen Menschen mit gesunden und schmackhaften Lebensmitteln versorgen.

In Deutschland haben sich weit über 300 Höfe als SoLaWis organisiert, in denen mehrere tausend Menschen zusammenkommen und gemeinsam die Landwirtschaft revolutionieren, indem sie mehr Nachhaltigkeit leben wollen.

 

Was steht hinter der Idee der solidarischen Landwirtschaft?

Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass sich landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien mit privaten Haushalten zusammenschließen. Hierbei werden erzeugte Lebensmittel nicht über einen separaten Markt (beispielsweise Supermärkte) vertrieben, sondern direkt vom Hof innerhalb eines in sich geschlossenen Kreislaufs abgegeben, den die Verbraucher direkt finanzieren.

Die festgelegten Mitgliedsbeiträge finanzieren landwirtschaftliche Geräte, Samen oder auch die Löhne der Bauern vor. Dabei organisiert sich jeder Hof selbst. Einige SoLaWis ermitteln beispielsweise einen Durchschnittsbetrag, der benötigt wird, um alle Kosten zu decken. An ihm können sich die Mitglieder orientieren. Wer mehr geben mag und kann, unterstützt so Mitglieder, bei denen das Geld etwas knapper sitzt und deren Beitrag deshalb zum Teil geringer ausfällt.

Durch die selbst gestaltete Organisation der solidarischen Landwirtschaft, unabhängig von Subventionen, können sich die Betriebe von teils sehr drastischen Marktzwängen im Anbau lossagen und wirtschaften, ohne den Boden auszulaugen. Ressourcen zu schonen, gehört bei der Solawi genauso dazu, wie angemessene Gehälter an die Bauern zu zahlen. Doch nicht nur das. Durch den Zusammenschluss der Mitglieder, die jederzeit eingeladen, teils sogar verpflichtet sind, sich in den Betrieb einzubringen, wird Wissen geteilt. Der Konsument ist damit näher am Erzeuger und umgekehrt. Die Gemeinschaft entscheidet zusammen, zum Beispiel welche Pflanzen in der nächsten Saison angebaut werden.

Gerade diese Nähe bringt das notwendige Verantwortungsbewusstsein und den Zusammenhalt, die in der solidarischen Landwirtschaft unabdingbar sind, um eine gelingende Alternative zur großindustriellen Produktion von Lebensmitteln aufzubauen und zu erhalten. Die Gemeinschaft trägt jedoch nicht nur die Vorzüge des gemeinsamen Anbaus mit. Auch Missernten oder Krankheiten von Nutztieren müssen alle schultern.

 

Für wen ist die solidarische Landwirtschaft von Vorteil?

Wer als Verbraucher sein Gemüse, Obst und andere Lebensmittel über eine SoLaWi bezieht, hat die Gewissheit, saisonales, regionales und gesundes Gemüse ohne lange Transportwege zu erwerben. Durch die Nähe zu den Erzeugern herrscht ein hohes Maß an Transparenz – vor allem was die Kosten und die Anbauweisen anbelangt. Zudem werden über die solidarische Landwirtschaft lokale Betriebe direkt unterstützt. Obendrein kann Wissen über Anbau, die Pflege des Bodens und die Herstellung von Lebensmitteln von jedermann erworben und geteilt werden.

Die Erzeuger erhalten aufgrund der vorher festgelegten Mitgliedsbeiträge eine hohe Planungssicherheit. Sie sind so in der Lage, feste Löhne zu zahlen und zielgerichteter zu agieren. Das Risiko möglicher Ernteausfälle wird in der solidarischen Landwirtschaft sowohl von den Höfen als auch den Verbrauchern getragen, wodurch sich der Druck auf die Erzeuger spürbar verringert. Durch den Verzicht auf konventionellen Anbau in großem Stil sind die Betriebe flexibler und können mehr ausprobieren. Die Freude an der Arbeit steigt für die meisten merklich, da der direkte Kontakt zu den Verbrauchern eine freundschaftliche und wohlwollende Atmosphäre schafft.

Die Betriebe an sich sind durch den überschaubaren und geschlossenen Kreislauf, in dem sie sich bewegen, vor schnellen und radikalen Veränderungen des Marktes geschützt. Auch Erzeugnisse, die der marktüblichen Norm nicht entsprechen, werden meist nicht weggeworfen sondern verwendet. In der solidarischen Landwirtschaft ist beispielsweise eine krumme Gurke ein schmackhaftes Gemüse und kein Wegwerfartikel. So trägt die solidarische Landwirtschaft maßgeblich zur Reduktion verschwendeter und weggeworfener Lebensmittel bei. Seltene Sorten finden hier ebenso ihren Platz, was sich wiederum positiv auf die Pflanzendiversität und den Schutz alter Sorten auswirkt.

Nicht zu vergessen sind zudem die positiven Auswirkungen auf die Region. Sich in solidarischer Landwirtschaft organisierende Erzeuger und Verbraucher stärken die lokale Wirtschaft. Oftmals finden in SoLaWis außerdem weitere Konzepte wie Tauschläden oder Nachbarschaftstreffen einen willkommenen Platz. Diese Art von Vernetzung macht vor allem für aufgeschlossene und bewusst lebende Menschen das Landleben wieder attraktiv.

 

Die Vorteile der solidarischen Landwirtschaft sind sowohl auf der Verbraucher- als auch auf der Erzeugerseite enorm. Die lokale Wirtschaftskraft wächst, die Biodiversität steigt und dem Aussterben ganzer Dörfer wird aktiv entgegengewirkt. Die Vernetzung der Menschen untereinander führt zu mehr Gemeinschaft und einem großen Wissensaustausch, der auch alte, ursprüngliche Anbauweisen erhält.

Je mehr Verbraucher solche Projekte unterstützen, desto mehr kann auch gegen den Klimawandel getan werden. Die solidarische Landwirtschaft bildet in jedem Fall einen guten Startpunkt für bewussten Konsum. Die Erfahrung gemeinsam etwas zu schaffen und sich gegenseitig zu unterstützen, fördert ein gemeinschaftliches Denken, dass es vor allem in einer stark anonymisierten Gesellschaft zu erhalten und aufzubauen gilt.