Smarte Tablette - Medikamente der Zukunft

In den USA zugelassene Tablette meldet korrekte Einnahme

Die Welt wird smart. Nach Smartphone, Smartwatch und Smarthome kommt nun auch die Smart-Pills, die smarten Tabletten. Dank vernetzter Medikamente könnte Ihr Arzt bald  jederzeit wissen, ob Sie alle verordneten Medikamente korrekt einnehmen. Ethisch bedenklich? Medizinisch sinnvoll?

Egal! In den USA wurden nun Tatsachen geschaffen, denn die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine Tablette zugelassen, die vermeldet, wenn sie im Magen Verdauungsprozessen ausgesetzt ist. Die Daten werden sogar in die Cloud geschickt.

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Um eine effektive Behandlung zu gewährleisten, ist es bei vielen Medikamenten unerlässlich, diese regelmäßig und entsprechend der Vorgaben einzunehmen. Mit der Smart-Pill, der smarten Tablette, kann der Patient einerseits die Einnahme dokumentieren und andererseits der Arzt die Therapie überwachen. Dies mag in einigen Fällen sehr sinnvoll sein. Ein fader, orwellscher Beigeschmack bleibt. Heißt es bald „Big Medicine is watching you.“?

 

Smarte Tablette registriert Einnahme und sendet die Daten an die Cloud

Das Meisterstück der Pharmaindustrie enthält einen kleinen Sensor. Hat er Kontakt mit Magensäure, so wird ein elektrischer Impuls ausgelöst. Diesen Impuls registriert ein spezielles Pflaster, dass der Patient trägt. Das Pflaster wiederum leitet die Information weiter an eine App im Smartphone und diese legt die Daten in der Cloud ab. Der Patient kann so dokumentieren, dass er die Tabletten einnimmt. Er erhält außerdem einen Überblick über den Zeitpunkt der Einnahme. Sofern der Patient die Daten freigibt, können auch Ärzte und Pflegekräfte darauf zugreifen.

Die FDA hat nun erstmals eine solche Tablette der Zukunft samt Zubehör zugelassen. Das Medikament „Abilify MyCite“ darf bei Schizophrenie, bipolaren Störungen oder bei schweren Depressionen verschrieben werden. Es enthält den Wirkstoff Aripiprazol und wird vom japanischen Pharmaunternehmen Otsuka Pharmaceutical hergestellt. Der verwendete Sensor stammt von der US-amerikanischen Firma Proteus Digital Health.

 

Können smarte Tabletten die Therapietreue erhöhen?

Experten schätzen die hinter der smarten Tablette stehende Idee in einigen Fällen als sinnvoll ein. Für manche Therapien ist es durchaus dienlich, dass Tabletten zu ganz bestimmten Zeitpunkten und bis zum Ende der Therapie eingenommen werden. Bricht ein Patient beispielsweise die Einnahme von Antibiotika frühzeitig ab, weil es ihm bereits besser geht, so können Antibiotika-Resistenzen entstehen. Ob sich allerdings die Einnahme von smarten Tabletten bei psychisch Kranken durchsetzen wird, daran bestehen erhebliche Zweifel. Fakt ist, dass Menschen mit bipolaren Störungen oder einer Schizophrenie während einer manischen Phase die Medikamenteneinnahme verweigern können. Hier macht es durchaus Sinn, das Schlucken der verschriebenen Arzneimittel zu überwachen. Jedoch gehört es zu den Symptomen dieser Krankheiten, dass nicht selten ein Verfolgungswahn und generell ein großes Misstrauen gegen Mediziner entwickelt wird. Ob da eine smarte Tablette zur Überwachung der Einnahme wirklich zielführend ist?

 

Kostenübernahme bislang nicht geklärt, dafür weitere Zielgruppen fest im Blick

Bislang fehlen wissenschaftliche Belege, ob die Möglichkeiten der neuen Technik dazu beitragen, dass Patienten ihre Medikamente regelmäßiger einnehmen und dadurch die Therapietreue steigt. Auf diesen Umstand weist sowohl der Hersteller als auch die amerikanische Arzneimittelbehörde ausdrücklich hin. Weiterhin ist unklar, ob die Krankenversicherungen die erhöhten Kosten für die smarte Tablette übernehmen. Sie haben sich bislang nicht dazu nicht geäußert. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Krankenkassen eine Übernahme der Kosten so lange ablehnen werden, bis die bessere Therapietreue durch die Überwachung bewiesen ist.

Doch der Hersteller der smarten Tablette strebt bereits eine ganz andere, viel größere Zielgruppe an. Das System könnte auch bei Diabetes und Bluthochdruck zum Einsatz kommen. Da in den USA gerade die Leitlinie der US-Herzärzte aktualisiert wurde und die Zielwerte für den Blutdruck gesenkt wurden, leiden fast die Hälfte der erwachsenen Amerikaner an Bluthochdruck. Über Nacht wurden aus 35 Millionen gesunden Menschen 35 Millionen Bluthochdruckpatienten. Sie werden wohl für den Rest ihres Lebens Blutdrucksenker nehmen müssen.

 

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