Senioren auf Reisen: Reisevorbereitung

Wenn Silver Ager das Fernweh packt, ist im Vorfeld etwas mehr Planung nötig

„Ich bin dann mal weg!“ – so lautet ein Bestseller eines bekannten Entertainers. Auch im Alter machen die Deutschen gerne Urlaub. Doch ältere Menschen reisen in der Regel mit einem Rucksack mehr als in ihrer Jugend, denn die „Alterszipperlein“ machen sich auch im Urlaub bemerkbar. Medikamente müssen mitgeführt werden und die Barrierefreiheit von Ausflugszielen und Unterkünften wird wichtiger. Damit einem entspannten Urlaub nichts im Wege steht, sollten gerade Silver Ager rechtzeitig mit den Reisevorbereitungen beginnen. Die trimeda-Redaktion hat für Sie ein paar Tipps zur Reisevorbereitung von Senioren und Seniorinnen zusammengestellt.

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„Ich packe meinen Koffer und nehme mit …“ ist ein beliebtes Spiel für Kinder zur Reisevorbereitung. Doch gerade ältere Reisende müssen besondere Sorgfalt aufs Kofferpacken legen und vieles Bedenken, denn oftmals reist noch ein weiterer Begleiter huckepack mit: die chronische Krankheit. Was es in puncto Reiseapotheke, Versicherungen, Urlaubsziel und Barrierefreiheit zu beachten gibt, erfahren Senioren hier.

 

Egal ob Sie in eine Pension nach Österreich fahren, dem deutschen Winter nach Mallorca entfliehen wollen oder einen Wander- und Aktivurlaub in Norwegen verbringen möchten, mit der richtigen Urlaubsvorbereitung können gerade ältere Menschen sich viel Stress ersparen und deutlich entspannter in die wohlverdiente Auszeit starten.

 

Hausarzttermin & Reiseapotheke

Bevor es in den Urlaub geht, statten Sie Ihrem Hausarzt einen Termin ab. Lassen Sie sich den Termin ruhig ein paar Wochen vor Reiseantritt geben und nicht erst „auf den letzten Drücker“.

Ihr Hausarzt berät Sie in puncto Reiseapotheke. Diese fällt bei Senioren in der Regel sehr viel individueller aus. Vergessen Sie jedoch nicht, auf jeden Fall die Standards wie Heftpflaster, Mullbinden und Desinfektionsmittel mitzunehmen. Auch an den Sonnenschutz und Insektenschutz sollten Sie denken. In die Reiseapotheke gehören ebenso Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen sowie Erkältungskrankheiten. Durchfall und Verstopfung kann es ebenso immer wieder geben.

Haben Sie ein exotischeres Ziel ausgewählt, müssen Sie mit Ihrem Hausarzt auf jeden Fall auch die für das Reiseziel erforderlichen Reiseimpfungen sowie unter Umständen eine Malaria-Prophylaxe besprechen.

 

Holen Sie Informationen zum Reiseziel ein

Informationen können Leben retten. Meist denkt man noch an speziell benötigte Impfungen. Doch hätten Sie gewusst, dass man manche Medikamente nicht so ohne weiteres in jedes Land einführen kann? Manche Opiate, eine Gruppe von starken Schmerzmitteln, stehen in etlichen Ländern der Welt auf dem Einfuhrindex. Erkundigen Sie sich im Vorfeld bei der jeweiligen Landesbotschaft nach den Einfuhrbestimmungen. Gut ist es auch, für die verschriebenen Medikamente eine ärztliche Bescheinigung dabei zu haben. Sie sollte auf englisch sein.

Packen Sie ausreichend Medikamente ein, um in keinen Engpass zu geraten. Eventuell benötigen Sie dafür noch ein zusätzliches Rezept. Während nicht hitze- und kälteempfindliche Medikamente im Koffer mitreisen können, gehören empfindliche Medikamente wie Insulin ins Handgepäck. Im Handgepäck sollten Sie in jedem Fall immer ein bis drei Tagesdosen mit sich führen. So haben sie einen ausreichenden Puffer, falls das Gepäck nach Ihnen am Urlaubsort eintrifft. Packen Sie außerdem kleine Beutel ein. In ihnen können Sie Medikamente praktisch für Tagesausflüge verstauen und müssen so nicht immer die komplette, große Medikamentenschachtel bei sich führen.

 

Thrombosegefahr bei Flügen

Gerade bei Langstreckenflügen nimmt das Thrombose-Risiko extrem zu. Die kleinen Blutgerinnsel bilden sich oftmals in den unteren Extremitäten. Gelangen die Verstopfungen in die Lunge oder das Gehirn, droht Lebensgefahr – nämlich entweder eine Lungenembolie oder ein Schlaganfall.

Damit eine Thrombose erst gar keine Chance hat, sollte das Blut möglichst dünnflüssig sein. Dafür unerlässlich ist eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Aus Angst, im Flugzeug zu oft auf die Toilette zu müssen, trinken viele Passagiere nicht ausreichend. Experten empfehlen eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 250 Millilitern pro Flugstunde – auch weil die Kabinenluft in den Flugzeugen meist sehr trocken ist. Die Flugangst vor dem Abflug mit einem Gläschen Wein oder Sekt zu bekämpfen, ist keine so gute Idee, denn Alkohol entwässert. Bei Flügen sowie als Autofahrer sollte daher einfach die Null-Promille-Regel gelten. Deswegen lautet die Empfehlung ganz klar: Hände weg vom Alkohol!

Nicht nur Senioren sollten bei Flügen regelmäßig die Füße bewegen und daher Fußgymnastik machen. Das regt den Blutfluss an und beugt so der Thrombose vor. Versuchen Sie außerdem, einen Sitzplatz am Gang zu bekommen. Dann fällt das Aufstehen leichter. Die Faustregel lautet: Für fünf Minuten pro Flugstunde aufstehen und im Gang kurz auf- und abgehen.

Besitzen Sie ein erhöhtes Thromboserisiko aufgrund von Vorerkrankungen wie eine Venenschwäche oder hatten sie sogar schon einmal eine Thrombose, so sollten Sie sich vom Hausarzt Kompressionsstrümpfe verordnen lassen. Eventuell müssen Sie sich darüber hinaus sogar noch den Blutverdünner Heparin einnehmen. Keine Sorge: Den Wirkstoff gibt es heute als Tabletten, sodass die Heparin-Spritzen entfallen können.

 

Barrierefreiheit am Urlaubsort

Zu den Reisevorbereitungen für Senioren sollten auch Erkundigungen gehören, wie es um die Barrierefreiheit am Urlaubsort bestellt ist. Gerade Patienten, die auf einen Rollator oder den Rollstuhl angewiesen sind, benötigen Rampen oder Aufzüge. Treppen oder größere Absätze können für sie schnell zum unüberwindbaren Hindernis werden.

Informieren Sie die Fluggesellschaft über Ihr Handicap und sagen Sie, welche Hilfen und Hilfsmittel Sie benötigen. Ein gutes Reisebüro wird diesen Service gern für Sie übernehmen. So kann sich das Bodenpersonal entsprechend einstellen und die erforderlichen Vorkehrungen treffen.

 

 

Wetter & Klima am Urlaubsort

Gerade der Organismus von älteren Menschen ist schnell gestresst. Achten Sie bei der Buchung der Reise möglichst darauf, dass die Klimaunterschiede nicht ganz so extrem sind. Wer in Deutschland bei Minusgraden in den Flieger steigt und am Urlaubsort bei tropischer Hitze aussteigt, kann Anpassungsschwierigkeiten haben: Kreislaufprobleme und Müdigkeit sind deutliche Stress-Symptome.

Wichtig ist: Achten Sie auf Ihr Trinkverhalten und trinken sie ausreichend, denn Senioren verspüren häufig weniger Durst und leiden deswegen schnell unter einem Flüssigkeitsdefizit. Das kann nicht nur für Kopfschmerzen sorgen, sondern sogar bisweilen Orientierungsschwierigkeiten bei Raum und Zeit verursachen.

Klären Sie außerdem mit Ihrem Apotheker, ob bestimmte Medikamente eine verstärkte Lichtempfindlichkeit begünstigen. In diesem Fall muss der Sonnenschutz verstärkt werden, um einen Sonnenbrand oder eine Sonnenallergie zu vermeiden.

 

Notwendige Reiseversicherungen

Checken Sie Ihre Versicherungen. Nicht jeder Versicherer versichert alle Altersstufen mit dem gleichen Tarif. Informieren Sie sich außerdem über die jeweiligen Versicherungskonditionen. Ein unabhängiger Versicherungsmakler hilft hier, den Überblick zu behalten und das beste Angebot für Sie zu finden.

Gerade für Senioren empfiehlt es sich, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Sie springt bei Krankheit ein und zahlt, wenn Sie nicht verreisen können. Normalerweise sind Sie im Urlaub im EU-Ausland über Ihre gesetzliche Krankenversicherung abgesichert. Eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung macht jedoch durchaus Sinn, denn diese zahlt Leistungen, die über den gesetzlichen Schutz nicht abgedeckt sind – beispielsweise den Krankenrücktransport aus dem Ausland.

 

Arzt Inklusive – Besondere Reiseangebote für chronisch Kranke

Dass auch Senioren gerne verreisen, haben Reiseveranstalter längst erkannt. Da viele ältere Menschen chronisch krank sind, wurden spezielle Reiseangebote extra für diese Zielgruppe geschnürt. Hier heißt es wirklich „all inclusive“ – sogar mit Arzt.

Es gibt beispielsweise spezielle Reisen für Diabetiker, die von einem Arzt begleitet werden. Solche ärztlich begleiteten Reisen geben gerade Senioren ein Gefühl von Sicherheit. Sie sollten sich dennoch beim Reiseveranstalter im Vorfeld informieren, welche Leistungen in der Reise enthalten sind und welcher Mediziner mitkommen wird. Einige Veranstalter von ärztlich begleiteten Reisen schicken nur Mediziner mit, die eine Fortbildung als Reisemediziner nachweisen können.

 

Disclaimer
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