35. Schwangerschaftswoche

SSW 354 - Tag 239 bis 245 der Schwangerschaft

In der 35. Schwangerschaftswoche kann Ihnen die Zeit manchmal ganz schön lang vorkommen. Der Bauch wird zur Last und alles wird anstrengender und mühsamer. Außerdem ist Ihr Baby doch jetzt langsam „fertig“ – da könnte es eigentlich losgehen. Aber nein, es liegen immer noch sechs Wochen vor Ihnen. Sechs Wochen, die Ihr Kind auch braucht, und sechs Wochen, die Sie jetzt im Mutterschutz hoffentlich noch genießen können: ein gutes Buch, ein schöner Film, Geburtsanzeigen basteln, stundenlang mit Freundinnen Tee trinken – und noch ein paar Dinge erledigen. Außerdem wird Langeweile bald zum puren Luxus.

Das Baby in der 35. SSW

Die Entwicklung Ihres Babys ist in der 35. Schwangerschaftswoche nun weitgehend abgeschlossen. Auch die Lunge ist inzwischen so weit ausgereift, dass das Kleine bei einer vorzeitigen Geburt wahrscheinlich selbstständig atmen kann. Ab der 35. SSW wird deshalb normalerweise nicht mehr versucht, die Geburt hinauszuzögern, wenn vorzeitige Wehen einsetzen oder die Fruchtblase aufgeht. Auch der Saugreflex und die Muskulatur im Mund sind nun so stark, dass es an der Brust trinken kann. Können Sie sich vorstellen, dass die winzigen Fingernägel Ihres Babys ungefähr in der 35. SSW schon so lang sind, dass es sich selbst kratzen kann?

Etwa ab der 35. Schwangerschaftswoche stellt sich der Kopf des Kindes langsam im Becken der Mutter ein. Das bedeutet, dass das Baby sich weiter hinabsenkt, und durch eine Drehung der Kopf eine feste Position im Eingang des Geburtskanals einnimmt. Der Kopf lässt sich nun nicht mehr bewegen, die Hebamme kann dies ertasten. Fragen Sie nach, denn im Fall eines frühzeitigen Blasensprungs ist dieser Umstand wichtig.

Die Mutter in der 35. SSW

Alles bleibt beim der alten Schwangerschaftsroutine. Nur alles ist in der 35. SSW noch ein bisschen mehr: Gewicht, Bauch und leider bei manchen Schwangeren auch die typischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme oder dicke Füße. Machen Sie das Beste daraus. Halten Sie sich immer wieder vor Augen, dass es für die Entwicklung Ihres Babys das Beste ist, wenn es in der 35. Schwangerschaftswoche noch wenigstens ein paar Wochen auf sich warten lässt.

Der Vater in der 35. SSW

Der „Einsatzplan“ für die Geburt betrifft wahrscheinlich auch Sie. Denken Sie in der 35. SSW also schon einmal daran, alle wichtigen Nummern in Ihrem – regelmäßig aufgeladenen – Handy zu speichern: Hebamme, Kreißsaal, Kindergarten, Nachbarn, Schwiegereltern und wer sonst noch auf der Liste steht. Überlegen Sie schon einmal mit Ihrer Partnerin, ob Sie die ersten Tage im Krankenhaus vielleicht ungestört bleiben wollen. Ihre Partnerin wird mit ihrem eigenen Körper viel zu tun haben und möchte vielleicht nicht, dass ihr gleich jemand bei den ersten Stillversuchen auf die Brust schaut.

Wussten Sie schon?

Tipps und Hinweise für die 35. SSW

  • Viele Hebammen bieten spezielle Akupunktur für Schwangere an. Fragen Sie spätestens in der 35. Schwangerschaftswoche nach, denn in der Regel wird ab der 36. SSW damit begonnen. Vier Nadeln werden am Bein und am Fuß gesetzt, ergänzend eventuell eine zur Entspannung oben auf dem Kopf. Die Behandlung kann die erste Geburtsphase verkürzen und die Öffnung des Muttermunds beschleunigen.
  • Überlegen Sie um die 35. SSW ruhig schon einmal, ob Sie nach der Geburt Hilfe für zu Hause wünschen. Möglicherweise brauchen Sie ein wenig Zeit, um sich zu erholen oder freuen sich, wenn Ihnen jemand mit dem Baby zur Hand gehen kann. Für die Nachsorge im Wochenbett haben Sie Anspruch auf den Besuch einer Hebamme, die nach Bedarf zu Ihnen nach Hause kommt. Sie untersucht und wiegt das Baby, versorgt den Nabel, überwacht die Rückbildung der Gebärmutter, berät beim Stillen und steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Haben Sie bisher noch keine Hebamme, die die Nachsorge übernimmt, fragen Sie im Geburtsvorbereitungskurs, bei Ihrer Frauenärztin oder in der Klinik nach Kontakten oder schauen Sie in unserer Checkliste zur Hebammensuche nach. Im Haushalt dagegen hilft die Hebamme nicht. Vielleicht kann Ihre Mutter oder Schwiegermutter ein paar Tage aushelfen. Es gibt auch die Möglichkeit, die Dienste einer Doula in Anspruch zu nehmen. Doulas sind Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbegleiterinnen, die für die Frau da sind und helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Im Gegensatz zur Nachsorge durch eine Hebamme werden die Kosten für eine Doula nicht von der Krankenkasse übernommen. Anspruch auf eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe haben Sie nur dann, wenn Sie aufgrund der Schwangerschaft oder der Entbindung den Haushalt nicht führen können.
  • Viele Frauen fangen um die 35. Schwangerschaftswoche an, sich zu fragen, woran Sie erkennen, wann die Geburt losgeht und wann Sie in die Klinik fahren müssen. Einige Hinweise sind hier für Sie zusammengestellt:
    • Im Gegensatz zu Übungswehen werden Geburtswehen regelmäßig, bei einem warmen Wannenbad lassen sie nicht nach, sondern verstärken sich eher. Anfangs sind sie noch nicht unbedingt schmerzhaft und können auch Abstände von 20 Minuten haben. Verkürzen sich die Abstände auf zehn bis fünfzehn Minuten, werden die Kontraktionen schmerzhaft und halten sie 40 bis 50 Sekunden an, beginnt wahrscheinlich die Eröffnungsphase der Geburt. Bis es so richtig losgeht, kann aber durchaus noch ein halber Tag oder mehr vergehen. Sind Sie sich unsicher, können Sie Ihre Hebamme um Rat fragen.
    • Bei einigen Frauen löst sich kurz vor der Geburt der Schleimpfropf, der während der Schwangerschaft den Muttermund verschließt. Es tritt Schleim, manchmal vermischt mit ein wenig Blut als Ausfluss auf. Leider ist dieses sogenannte „Zeichnen“ kein sicheres Anzeichen dafür, dass es bald losgeht. Bei manchen Frauen löst sich der Pfropf bereits mehrere Wochen vor der Geburt, möglicherweise auch schon in der Schwangerschaftswoche, andere bemerken davon bis zum Ende gar nichts. Erst wenn regelmäßige Wehen hinzukommen, wird es Zeit in die Klinik zu fahren.
    • Verlieren Sie Fruchtwasser, gleich ob tröpfchenweise oder mit einem Schwall, ist es wichtig zu wissen, ob der Kopf des Babys bereits fest im Becken sitzt. Wenn ja, können Sie sich langsam bereit machen, die Klinik informieren und sich in Ruhe auf den Weg machen. Wenn nicht oder wenn Sie es nicht wissen, sollten Sie sich per Krankentransport liegend in die Klinik bringen lassen. Denn es besteht die Gefahr, dass die Nabelschnur vor oder neben das Köpfchen rutscht und abgeklemmt wird. Bei einem solchen Nabelschnurvorfall kann ein Sauerstoffmangel (Hypoxie) beim Baby entstehen, der schwere Hirnschäden hervorrufen kann.
    • Außerdem sollten Sie in die Klinik fahren, wenn etwas Unvorhergesehenes auftritt wie Blutungen oder anhaltende Schmerzen.
    • Ist ein Kaiserschnitt geplant oder sind Sie mit Zwillingen schwanger, sollten Sie ebenfalls bei den ersten Anzeichen von Eröffnungswehen zum Krankenhaus fahren und nicht abwarten, bis sie sich verstärken oder die Abstände kürzer werden.

Disclaimer
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