Schmerzmittel während der Schwangerschaft

Welches Gefahrenpotenzial geht von Paracetamol und Co. aus?

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) belegt, dass rund 47 Prozent der Schwangeren während der Schwangerschaft Schmerzmittel einnehmen. Zum Einsatz kommt häufig der Wirkstoff Paracetamol. Doch Schmerzmittel – selbst wenn sie frei verkäuflich sind – sollten während der Schwangerschaft niemals unbedacht oder gewohnheitsmäßig konsumiert werden, da sie Nebenwirkungen für das Ungeborene haben können.

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Auch Schwangere können unter Fieber und Schmerzen leiden. Der Griff zu freiverkäuflichen und in der Schwangerschaft zugelassenen Schmerzmitteln wie Paracetamol ist dann nur logisch. Doch Mediziner warnen vor einer unreflektierten, beinahe automatisierten Einnahme, denn auch scheinbar sichere Wirkstoffe können für das Ungeborene langfristige Folgen haben. Der Paracetamol-Konsum während der Schwangerschaft wird z. B. mit einem erhöhten Asthmarisiko für die Kinder im späteren Leben in Verbindung gebracht.

 

Der Wirkstoff Paracetamol ist bekannt und wird häufig bei der Selbstmedikation genutzt

Obwohl das Schmerzmittel Paracetamol als Medikament in allen drei Schwangerschaftstrimestern zugelassen ist und die Einnahme meist nur in geringer Dosierung über einen kurzen Zeitraum erfolgt, heißt dies nicht, dass Paracetamol während der Schwangerschaft nicht zu späteren Problemen führen kann. Aktuelle Studien lassen beispielsweise auf ein erhöhtes Asthma-Risiko schließen. Für eine Bewertung des Gefahrenpotenzials sah man es am UKE als dringend notwendig an, auf belastbare Daten für Deutschland zurückgreifen zu können, die die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft untersuchen.

Die UKE-Studie zeigt, dass sich die Anzahl an blutbildenden Stammzellen im Nabelschnurblut verringerte, wenn die Mutter während der Schwangerschaft auf Paracetamol zurückgriff. Dafür wurden die Mütter, die im UKE entbanden, um eine Nabelschnurblut-Probe gebeten.

In den Daten zeigt sich darüber hinaus eine Korrelation mit dem Einnahme-Zeitpunkt. Die Anzahl an hämatopoetischen Stammzellen ging besonders zurück, wenn Paracetamol im dritten und damit letzten Trimester von der werdenden Mutter konsumiert wurde. Es ist durchaus denkbar, dass sich eine Veränderung bei diesen Stammzellen letztlich auch auf die Differenzierung der hämatopoetischen Stammzellen zu Immunzellen und damit auf die Arbeitsweise des Immunsystems auswirkt. Das Immunsystem spielt eine wesentliche Rolle sowohl bei der Bekämpfung als auch bei der Entstehung von Krankheiten – letzteres insbesondere bei Autoimmunerkrankungen, zu denen Experten das allergische Asthma durchaus zählen. Denn hier reagiert das Immunsystem zu sensibel auf eigentlich harmlose Stoffe wie Blütenpollen, Tierhaare oder andere Allergene aus der Umwelt.

 

 

Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft nicht per se verteufeln sondern über das Gefahrenpotenzial aufklären

Die Studienautoren des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf möchten jedoch die Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft nicht per se verteufeln. Bei Schmerzen und Fieber kann Paracetamol auch während der Schwangerschaft durchaus hilfreich sein, um die Symptome zu lindern. Die Forscher möchten jedoch für die Einnahme sensibilisieren. Sie sollte nur im Notfall geschehen und keinesfalls bedenkenlos oder gewohnheitsmäßig erfolgen. Besser ist immer eine Rücksprache mit dem Arzt. Ist dies im Einzelfall nicht möglich, sollten werdende Mütter daher immer auch die möglichen Nebenwirkungen für das ungeborene Kind im Blick behalten.

Die Daten für die Studie wurden bei der PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Childrens Health) mit erhoben. Im Rahmen dieser Langzeitstudie untersucht das UKE, welche Faktoren während der Schwangerschaft später Einfluss auf die Gesundheit der Kinder haben. Weitere Untersuchungen müssen nun genau klären, wie sich das Immunsystem der Kinder weiterentwickelt.

 

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