Schmerzmittel Aspirin: Immer wieder neue Wirkungen entdeckt

Die überraschende Renaissance eines alten Medikaments

Aspirin ist seit vielen Jahrzehnten als Schmerzmittel im Einsatz. Es ist als rezeptfreies Arzneimittel in den Apotheken erhältlich. Doch auch Menschen ohne Schmerzen können durchaus von der Aspirin-Einnahme profitieren, denn Wissenschaftler entdeckten in den letzten Jahren weitere, teilweise überraschende Anwendungsgebiete und Wirkungen.

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Der Wirkstoff Acetylsalcylsäure (ASS) ist als „Aspirin“ in fast jeder Hausapotheke zu finden. Auch wenn die Wissenschaft in den letzten Jahren viele überraschende und positive Eigenschaften von Aspirin neben dem Schmerzstiller und Entzündungshemmer gefunden hat, warnen Apotheker und Ärzte eindrücklich vor einer unüberlegten und ritualisierten Einnahme, denn auch bei Aspirin kann es zu Risiken und Nebenwirkungen kommen.

 

Aspirin ist als Schmerzmittel-Klassiker in vielen Haushalten zu finden. Die kleine, weiße Tablette kommt in der Kombination mit einem Glas Wasser bei Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden oder den typischen Gliederschmerzen bei Husten, Schnupfen & Heiserkeit zum Einsatz. Dabei gehört das vor rund 120 Jahren patentierte Schmerzmittel zu den „Medikamenten-Oldies“ und hat im Laufe der Jahrzehnte viel Gutes getan. Der im Aspirin enthaltende Wirkstoff Acetylsalicylsäure (kurz: ASS) hat antientzündliche, schmerzstillende und fiebersenkende Eigenschaften. Diese Kombination ist ideal bei kleineren und größeren Wehwehchen. Aspirin ist in der Hausapotheke ein Allrounder und beständig kommen neue Anwendungsmöglichkeiten hinzu. Hier hat die trimeda-Redaktion ein paar Neu-Entdeckungen der letzten Jahre gesammelt:

 

Aspirin repariert kaputte Zähne

Loch im Zahn und deswegen Zahnschmerzen? In Zukunft muss der Zahnarzt vielleicht gar nicht mehr bohren. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich Zähne selbst reparieren können, wenn man die Stammzellen im Zahnmark zur Teilung anregt. Dann wachsen Karieslöcher wieder zu. Aspirin kurbelt genau diese gewünschte Remineralisierung samt natürliche Zahnregeneration an, denn es stimuliert die Zahnstammzellen.

 

Aspirin wendet Impotenz ab

Erektionsstörungen, im Volksmund auch Impotenz genannt, kommen häufiger vor, als man denkt. Doch aus Scham „nicht mehr ihren Mann stehen zu können“, schweigen viele Betroffene. Dank Medikamenten lässt sich in vielen Fällen die erektile Dysfunktion – so die offizielle medizinische Bezeichnung – behandeln. Verhindert eine Durchblutungsstörung im Penis die Erektion, kann Aspirin helfen, das Problem zu lösen. Studien belegen, dass eine tägliche Mini-Dosis Aspirin von 100 Milligramm nach sechs Wochen ähnliche Erfolgsraten erzielt wie das bekannte Potenzmittel Viagra.

 

Länger Leben dank Aspirin

Bereits heute schlucken Millionen US-Bürger prophylaktisch täglich eine Mini-Aspirin und versuchen so, den Alterungsprozess zu verlangsamen. In den USA und Australien geht die Großstudie „Aspree“ dieser These nach. Hier werden über 19.000 gesunde Senioren beobachtet, die täglich 100 Milligramm ASS oder ein Placebo einnehmen. Bei der Langzeitstudie zeigen sich mittlerweile immer mehr Hinweise, dass Aspirin bei einigen Alterserkrankungen hilft.

2018 möchten die beteiligten Wissenschaftler die Daten dahingehend auswerten und feststellen, ob die Probanden mit der Aspirin-Einnahme im Vergleich zu den Placebo-Teilnehmern seltener an Krebs erkranken, seltener an Demenz leiden und ob bei ihnen weniger oft Arteriosklerose diagnostiziert wird.

 

Aspirin sagt Depressionen den Kampf an

Depressionen sind ein heimlicher Killer, denn vielen Betroffenen sieht man ihren gefährlichen Gemütszustand nicht an. Möglicherweise hilft der Entzündungshemmer ASS in Zukunft, Patienten schneller und effektiver von der „Schwermut“ zu befreien. Denn Forscher wissen mittlerweile, dass chronische Entzündungen im Körper die Depression forcieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Bekämpft man gezielt die Entzündungen, so verschwinden die Depressionen.

Auf die Spur für diesen Ansatz zur Behandlung von Depressionen kamen Essener Forscher bei einem recht ungewöhnlichen Experiment. Sie lösten bei Freiweilligen ganz gezielt Depressionen aus. Für den gewünschten Effekt, erhielten die Probanden geringe Dosen von Bakteriengiften gespritzt. Die Folge war: Das Immunsystem reagierte heftig. Es entstanden Entzündungen.

 

Aspirin ist gut für die Blutgefäße

Seit vielen Jahren verschreiben Ärzte Aspirin, um das Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Denn es ist bekannt, dass Acetylsalicylsäure eine positive Wirkung auf Blutplättchen hat. Dank ASS verklumpen sie nicht so leicht. Es können sich Verstopfungen der Blutgefäße (Thrombosen) schlechter bilden.

 

Der trimeda-Sicherheitshinweis

Auch bei Aspirin gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Bereits die geringe Dosis von 75 bis 100 Milligramm Aspirin wirkt als Blutverdünner und Entzündungshemmer. Soll Aspirin gegen Schmerzen helfen, sind 500 bis 1.000 Milligramm pro Tablette vonnöten. Je mehr Wirkstoff enthalten ist, desto größer ist jedoch auch die Gefahr von Nebenwirkungen. Als Komplikationen bei längerer Einnahme und einer erhöhten Dosierung sind bei Aspirin Magenbeschwerden bis hin zu Magenblutungen bekannt. Auch werden die Nieren belastet. Im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen. Experten warnen daher eindrücklich davor, Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol länger als drei Tage auf eigene Faust einzunehmen. Auch auf eine häufigere Einnahme als zehnmal im Monat sollte bei der Selbstmedikation verzichtet werden.

Auch wenn der Wirkstoff ASS allerlei positive Eigenschaften hat und als Medikament frei verkäuflich ist, es bleibt ein Arzneimittel, dass auch immer mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist. Und um darüber aufzuklären bzw. für den Patienten das persönliche Risiko einzuschätzen und zu minimieren, dafür sind Ärzte und Apotheker da.

Möchten Sie also von den positiven Wirkungen von ASS respektive Aspirin als Anti-Aging-Mittel oder Depressionskiller profitieren, gehen Sie bitte zu Ihrem Arzt. Er wird sie untersuchen und entsprechend beraten. Gemeinsam können Sie das für sie am besten geeignete, gering-dosierte ASS-Medikament auswählen und die Beobachtung mit regelmäßigen Checkups sicherstellen.

 

Disclaimer
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