Schlaganfall-Folgeschäden durch Darm-Mikroben mindern

Neue Chancen für die Schlaganfalltherapie?

Der Schlaganfall gehört noch immer mit zu den häufigsten Todesursachen und betrifft nicht allein die ältere Generation. Auslöser eines Schlaganfalls ist in der Regel ein Blutgerinnsel, das eine Blutbahn im Gehirn verstopft. Durch diesen Gefäßverschluss kommt es zu einer Minderdurchblutung. Die fehlende Sauerstoffversorgung der Hirnregion führt dazu, dass Nervenzellen absterben. Die Konsequenzen können weitreichend sein: Sprachstörungen, Wortfindungsstörungen, Gedächtnisdefizite und Lähmungen einzelner Körperteile sind nur einige der Folgen eines Schlaganfalls, die bei jedem Patienten je nach Schwere des Schlaganfalls und der betroffenen Region unterschiedlich ausfallen können.

Nicht wenige Patienten sind nach einem Schlaganfall auf Hilfe im Alltag angewiesen, weil sich die Schäden trotz Rehabilitation nicht alle rückgängig machen lassen. Nun vermeldet eine Studie, dass Darmmikroben Folgeschäden positiv beeinflussen können.

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Wissenschaftler entdecken immer wieder, neue, erstaunliche Zusammenhänge, wie die Darmbakterien unsere Gesundheit beeinflussen. So nehmen die Mikroben im Darm Einfluss auf das Immunsystem oder den Stoffwechsel. In Zukunft könnte das Mikrobiom womöglich die Schlaganfall-Therapie revolutionieren, denn offensichtlich sind Darmbakterien in der Lage, die Folgeschänden zu minimieren.

 

Darmbakterien können Folgeschäden eines Schlaganfalls minimieren

Rund 100 Billionen Bakterien haben sich normalerwiese im menschlichen Darm angesiedelt. Das macht rund 1,5 Kilogramm an Masse. Eine gesunde Darmflora ist essentiell für eine gute Verdauung und hat nachgewiesenermaßen einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Über 1000 verschiedene Bakterienarten sind dafür Tag und Nacht im Einsatz.

Doch Darmbakterien haben noch eine ganz andere, erstaunliche Fähigkeit. In Zukunft könnten die Darmmikroben einen wichtigen Beitrag zur Verringerung von Folgeschäden nach einem Schlaganfall leisten. In Versuchen mit Mäusen stellten Forscher fest, dass Tiere, deren Mikrobiom zuvor durch Antibiotikagaben verändert wurde, nach einem Schlaganfall weniger neurologische Folgeschäden aufwiesen als eine Vergleichsgruppe, bei der keine Antibiotika-Behandlung erfolgte.

Ihre Beobachtung sehen die Wissenschaftler im Immunsystem begründet. Es ist maßgeblich an den Folgen des Schlaganfalls beteiligt. Durch die Antibiotika-Gabe verschob sich das Verhältnis von pro- zu anti-inflammatorischen Immunzellen zugunsten der anti-inflammatorischen Helfer. Die Zahl der antientzündlichen regulatorischen T-Zellen nahm zu. Dieser spezielle Zelltyp wird von Experten gerne auch einmal als „das Peace-Corps des Immunsystems“ bezeichnet, denn sie regulieren eine überschießende Immunantwort herunter. Außerdem nahm die Zahl der pro-inflammatorischen Immunzellen ab, die zum Ort des Schadens wanderten. Diese Immunzellen bauen sonst geschädigte Zellen ab. Daher blieb der neurologische Schaden des Schlaganfalls geringer, weil weniger Entzündungsprozesse in Gang kamen.

 

Neue Schlaganfalltherapie für Risikopatienten könnte gezielt nützliche Darmmikroben fördern

Aktuell lassen sich diese Erkenntnisse noch nicht auf den Menschen übertragen. Forscher hoffen jedoch, anhand dieser Versuche neue therapeutische Ansätze zur prophylaktischen Behandlung der Folgeschäden bei Schlaganfällen entwickeln zu können. Denkbar wäre es beispielsweise, dass Hochrisikopatienten prophylaktisch mit Antibiotika behandelt würden, um die Zusammensetzung der Darmbakterien gezielt zu modulieren und so im Fall der Fälle das Risiko für Hirnschädigungen zu verringern. Möglich wäre auch eine Supplemtierung mit entsprechenden Bakterienarten, die die Darmflora positiv beeinflussen. Untersuchungen darüber, welche Bakterien hierbei genau eine Rolle spielen, stehen bislang allerdings noch aus.

 

 

Eine gesunde Lebensführung kann einem Schlaganfall vorbeugen

Fakt ist jedoch: Jeder hat es schon heute selbst in der Hand, sein persönliches Schlaganfall-Risiko zu verringern. Wie bei vielen anderen Erkrankungen ist auch hier eine gesunde Lebensführung das A und O: Achten Sie auf Ihren Blutdruck, denn Bluthochdruck schädigt die Gefäße. Sie können so schneller platzen. Ist der Blutdruck zu hoch, muss er medizinisch behandelt werden. Als weiterer Risikofaktor gilt das Rauchen. Bei Rauchern führt der Nikotinkonsum zu einer Verengung der Arterien. Dadurch wird einerseits die im Blut zirkulierende Sauerstoffmenge reduziert, andererseits können sich in verengten Gefäßen schneller Blutgerinnsel bilden. Ein sofortiger Rauchstopp bringt bereits sehr viel. Wer fünf Jahre lang Nichtraucher ist, dessen Schlaganfallrisiko ist wieder auf das gleiche Niveau gesunken wie bei Menschen, die niemals Raucher waren. Übergewicht, Bewegungsmangel und Diabetes gelten ebenfalls als per gesundem Lebensstil beeinflussbare Risikofaktoren.

 

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