Schielen bei Kleinkindern: Diagnose beim Augenarzt

Wenn Babys und Kleinkinder schielen: Kontrolle ist wichtig

Gerade zu Beginn, wenn die Sehfähigkeit bei Babys noch nicht fertig ausgebildet ist, lässt sich manchmal schwer sagen, ob ein Baby schielt. Vielleicht hat es einfach nur noch Schwierigkeiten mit dem Fokussieren. Schielen bei Kleinkindern ist also nicht immer leicht zu erkennen. Andersherum ist Schielen aber auch nicht normal und sollte kontrolliert werden. Denn der Schielwinkel, also die Stärke des Schielens, ist unerheblich, wenn es um das Risiko einer Sehschwäche geht. Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Baby schielt, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf ansprechen. Bei Bedarf wird er Sie an einen Augenarzt überweisen.

© Edi Libedinsky / unsplash.com

Schielen bei Kleinkindern mag zwar im ersten Impuls „süß“ erscheinen, es sollte jedoch niemals auf die leichte Schulter genommen werden, denn es ist ein ernster Hinweis auf Probleme mit der Sehfähigkeit. Unbehandelt kann Schielen im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich das schielende Auge nicht korrekt entwickelt und letztlich sogar erblindet. Deswegen sollten Eltern ihr Kind unbedingt einem Augenarzt vorstellen und den Strabismus abklären lassen. Er wird die notwendige Therapie (z. B. eine Okklusionstherapie in Kombination mit einer Brille) einleiten.

 

Was ist Schielen?

Der Fachbegriff lautet Strabismus. Er steht für eine Fehlstellung der Augenachsen. Je nach Fehlstellung der Achsen, schielt das Kind nach innen oder nach außen. Folgen können fehlendes räumliches Sehen oder eine Sehschwäche sein. Normalerweise fixieren beide Augen ein Objekt, und die Sehinformationen beider Augen werden im Gehirn zu einem Bild zusammengesetzt. Beim Schielen entstehen häufig Doppelbilder, weil das Gehirn die nicht zusammenpassenden Informationen nicht korrekt zusammensetzen kann. Die logische Selbsthilfereaktion des Körpers ist vor allem bei Babys und Kleinkindern, die schielen, ausgeprägt: Das Gehirn schaltet die Informationen des einen Auges ab, damit keine Verwirrung entsteht. Damit die Sehfähigkeit dieses Auges nicht verkümmert, ist es nötig, das Schielen bei Kleinkindern möglichst früh festzustellen und zu behandeln.

 

Wann zum Augenarzt gehen

Schielt ein Kleinkind oder Baby dauerhaft, muss es von einem Augenarzt untersucht werden. Denn dies könnte ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein beziehungsweise zu starker Schwachsichtigkeit führen. Im schlimmsten Fall droht gar ein Erblinden des schielenden Auges. Es ist wichtig, die Ursachen für das Schielen bei Kleinkindern abzuklären, denn neben einer Fehlstellung oder Fehlsichtigkeit des einen Auges können auch Störungen der Augenmuskulatur, der umliegenden Sehnen oder bestimmter Nerven vorliegen, Schielen kann ein Anzeichen für die angeborene Variante des grauen Stars, einer Trübung der Augenlinse, sein oder gar auf einen Tumor hinweisen.

Sie brauchen sich jedoch nicht gleich zu sorgen, wenn Ihr Baby in den ersten sechs Monaten manchmal schielt. Dies kann vorkommen, zum Beispiel kurz nach dem Aufwachen oder einfach so, weil das Auge noch in der Entwicklungsphase ist. Ist Ihr Baby aber älter als ein halbes Jahr und schielt, sollten Sie die Gründe vom Arzt abklären lassen. Fragen Sie Ihren Kinderarzt nach einem Augenarzt, der sich mit kleinen Kindern auskennt. Gerade bei Untersuchungen am Auge, die jedem zunächst unangenehm oder komisch vorkommen, muss sich der Augenarzt darauf einstellen, dass er bei seinen klein(st)en Patienten kein Verständnis voraussetzen kann, sondern ein paar spielerische Tricks und lustige Bilder braucht.

 

Schielen bei Kleinkindern kann gut behandelt werden

Je nach Ursache für das Schielen werden für Kleinkinder wie auch für ältere Patienten unterschiedliche Therapien angewandt.

  • Handelt es sich nur um ein latentes (verstecktes) Schielen, das durch eine Augenmuskelgleichgewichtsstörung verursacht wird, ist meist gar keine Therapie erforderlich. Nur wenn Beschwerden vorliegen, kann eine Brille nötig sein, um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren.
  • Vielfach wird auch mit gezielter Augengymnastik, speziellem Sehtraining und regelmäßigen Übungen ein gutes Ergebnis erzielt.
  • Eine Brille kann nicht nur die mangelnde Sehschärfe ausgleichen, sondern auch die Stellung der Augen beeinflussen und den Schielwinkel deutlich verringern.
  • Häufig wird bei Kleinkindern gegen Schielen eine sogenannte Okklusionstherapie angewandt. Okklusion heißt Verschluss und bedeutet einfach, dass ein Auge „verschlossen“ wird: Das klingt kompliziert, meint aber einfach nur das zeitweise Abdecken des gesunden Auges mit einem Pflaster oder einer Brille, deren eines Glas mit einer Folie abgeklebt wird. Auf diese Weise wird nämlich das schielende Auge zum Anstrengen und Fixieren gezwungen und die Sehfähigkeit trainiert. Art, Dauer und Rhythmus legt der Augenarzt fest.
  • Bei bestimmten Formen des Schielens kann eine Penalisation angewandt werden. Hierbei sorgen Augentropfen beim gesunden Auge für eine Einschränkung entweder der Nah- oder der Fernsichtigkeit, und auch hier muss sich das schielende Auge gezwungenermaßen also mehr anstrengen und ausgleichen.
  • Bei sehr starkem Schielen, das ein gleichzeitiges Sehen mit beiden Augen faktisch unmöglich macht, kann der Schielwinkel auch operativ verringert werden. Damit die Entwicklung des sogenannten Binokularsehens so schnell wie möglich unterstützt werden kann, werden stark schielende Kleinkinder manchmal schon im Alter von zwei oder drei Jahren operiert. In anderen Fällen wartet man das fünfte oder sechste Lebensjahr ab, um genauer diagnostizieren zu können. Sinnvoll ist es aber in jedem Fall, die Schieloperation noch vor der Einschulung vorzunehmen.

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