Samenbomben: Weil’s grüner werden muss

Die einzige Munition für wahre Pazifisten

Seit Jahren warnen Wissenschaftler und Umweltorganisationen davor, dass Insekten und Tiere vor allem in dichtbesiedelten Gebieten zu wenig Nahrung finden. Doch selbst auf dem Land blühen immer weniger wild wachsende Blumen, da durch die intensiven Landwirtschaft ihre Lebensräume verschwinden. Monokulturen und die Ausnutzung des letzten Quadratmeters Ackerfläche lassen nicht nur Feldraine verschwinden, auch große Flächen für blühende Wildpflanzen stehen nicht mehr zur Verfügung. Die Entwicklung nimmt vor allem Bienen und Schmetterlingen, aber auch anderen nützlichen Fluginsekten, die Nahrungsgrundlage. Über die Auswirkungen berichten die  Medien regelmäßig.

Doch es gibt Möglichkeiten, dem Artensterben der Insekten entgegenzuwirken und so einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass uns Bienen und Co noch lange erhalten bleiben. Eine wirkungsvolle Variante sind die sogenannten Samenbomben (englisch Seedbombs).

© Jonathan Kemper / unsplash.com

Samenbomben gibt es im Internet zu kaufen. Sie lassen sich jedoch auch ganz einfach selber machen. Mit Seedbombs erhöhen sie die Artenvielfalt und Biodiversität in ihrer direkten Umgebung und helfen so der Umwelt.

 

Eine kleine Geschichte der Samenbomben

Wenn Samen mit Ton, Erde und Wasser vermischt und zu kleinen Kugeln geformt werden, dann nennt man das Samenbomben.

Über den Ursprung der Idee scheiden sich die wissenschaftlichen Geister. Schon im alten Ägypten sollen die Bauern nach der großen Schwemme des Nils Saatgut in Erde geschützt auf den Feldern verteilt haben, um die Ernte ertragreicher zu gestalten. Auch einige Ureinwohner Nordamerikas sollen sich mit der Methode der Samenbomben zwecks besserer Versorgung beholfen  haben.

Sicher ist, dass sich der japanische Landwirt und Mikrobiologe Masanobu Fukuoka im Zuge seines Konzepts der „Nichts-Tun-Landwirtschaft“ mit Samenbomben und ihrer Nutzbarkeit beschäftigte. Seine Philosophie (mittlerweile als „Permakultur“ bekannt) besagte, alles das, was uns die Natur von alleine zur Verfügung stellt, sollten wir nutzen, ohne den Boden dabei über Gebühr strapazieren. Im Zuge seiner These begann Fukuoka Mitte des 20. Jahrhunderts Samenbomben auf seinen Feldern und auch am Wegesrand zu verteilen. Er wartete ab, was sich am Ende der Saison ernten ließ – und was eben nicht.

In den 1970er Jahren entstand das „Guerilla Gardening“ (also das „wilde Gärtnern“, vornehmlich in Großstädten). Auch hier kamen Samenbomben vermehrt zum Einsatz. Diese Form der Stadtverschönerung ist bis heute geblieben und kann tatsächlich die heimische Artenvielfalt von Flora und Fauna unterstützen.

 

Samenbomben überall?!

Ganz klar: Nein. Denn so schön es auch wäre, überall Blumen und Wildkräuter sprießen zu sehen, gilt es ein paar Dinge zu beachten, damit die Samenbomben ihre volle Wirkung entfalten können.
Vor allem sollten nur heimische Blumen und Wildkräuter beim Heerstellen der Samenbomben zum Einsatz kommen, denn die die Aussaat exotischer Pflanzen kann das Gleichgewicht der hier beheimateten Arten stören und zu ungewollten Nebeneffekten (im schlimmsten Fall der Verdrängung einzelner Arten) führen. Außerdem konnten sich heimische Pflanzen an Wind und Wetter sowie Bodenbeschaffenheit anpassen. Dadurch haben sie bessere Chancen, anzuwachsen und sich am Standort zu etablieren.
Auch ist per Gesetz geregelt, dass (seit März 2020) nur noch gebietseigene Gehölze und Saatgut in der freien Natur ausgebracht werden dürfen. Dies dient dem Erhalt der regionalen Vielfalt und verbessert die Nahrungssuche heimischer Tiere und Insekten.

Im städtischen Raum finden sich verschiedene Möglichkeiten, Samenbomben so zu platzieren, dass sie ihre volle Wirkkraft entfalten können. Brachliegende Flächen und Straßenränder, aber auch die Fläche um Bäumen in Wohnvierteln bieten sich an. Wichtig ist darauf zu achten, dass es erdigen Untergrund gibt und die Samenbomben nicht auf Asphalt landen, da dort die Wurzeln der Keimlinge keinen Halt finden können. In einigen Städten kümmern sich die Anwohner liebevoll um die Bepflanzung vor der Haustür und legen niedrige Beetumrandungen an, die oftmals auch von der Stadtwirtschaft stehen gelassen werden. Denn gerade hier haben es Insekten und Vögel immer schwerer Nahrung zu finden.
Samenbomben, die Sie in der Nähe zu Ihrem Wohnort finden, können Sie zudem gerade in sehr trockenen Zeiten beim nächsten Spaziergang einfach mit ein bisschen Wasser gießen. Diese Unterstützung hilft, dass die Pflanzen auch tatsächlich anwachsen.

 

Samenbomben selber machen: Kinder lieben diese „Matscherei“

Mittlerweile lassen sich Samenbomben auch über das Internet bestellen. Die meisten Anbieter konzentrieren sich hierbei auf spezielle Samenmischungen, die beispielsweise entweder Schmetterlinge oder Bienen besonders unterstützen sollen.

Aber man kann sie auch ganz einfach selber machen. Dafür braucht es nicht mehr als Samen (zum Beispiel Kornblume, Malve, Sonnenblume oder Kräuter) ein bisschen Ton, Wasser und Erde. Zunächst werden alle trockenen Bestandteile (also Erde, Ton und Samen) ein wenig vermengt und anschließend so lange Wasser hinzugegeben, bis sich eine knetbare Masse entwickelt hat. Diese Masse wird zu kleinen etwa pflaumengroßen Kugeln geformt und getrocknet. Zum Trocknen eignen sich besonders leere Eierkartons.
Gerade Kindern macht das Herumspielen mit Erde besonders Spaß. Um dreckige Hände zu vermeiden, können natürlich auch Handschuhe getragen werden.

Sind die Samenbomben fertig, können sie beim Spazierengehen einfach auf geeignete Flächen geworfen werden. Die Erde hilft dabei, dass die Wurzeln eine erste Grundlage bekommen, der Ton schützt bis zum Austreiben vor Hitze, Sonne und Naschkatzen wie Vögeln oder kleinen Nagern. Nach dem nächsten Regen beginnt dann die Natur ihre Arbeit und die Samenbomben können ihre volle Kraft entfalten.

 

Mit Samenbomben können wir also durchaus unseren Beitrag dazu leisten, dass sich Insekten und Vögel auch in Städten wohlfühlen und eine Nahrungsgrundlage haben. Zudem sind die bunten Blumen ein schöner Blickfang in den oft zu grauen Städten. Ob am Wegesrand, auf verlassenen Flächen oder im eigenen Garten: Samenbomben sind nicht nur einfach herzustellen, wichtig für Bienen und Co, sondern sie zaubern uns am Ende auch ein Lächeln ins Gesicht.