Rohkost-Diät: Abnehmen mit rohem Obst & Gemüse

Wie Sie Ihrem Körper mit Rohkost helfen & wann sie schadet

Informieren Sie sich hin und wieder über Ernährung und Diättrends, dann ist Ihnen der Begriff Rohkost sicher kein Fremdwort. Hierbei handelt es sich genau um das, wonach es klingt: Lebensmittel, überwiegend Obst und Gemüse, werden weder gekocht noch gebraten, sondern in ihrer rohen, unverarbeiteten Form konsumiert. Dies soll nicht nur weitaus gesünder für den Körper sein, auch das Abnehmen soll durch die knackige, grüne und bunte Kost erleichtert werden. Hier auf familien-gesundheit.de erfahren Sie, was am Ernährungskonzept wirklich dran ist.

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Rohkost ist gesund, das lernt jedes Kind spätestens im Kindergarten. Doch stellt man bei der Rohkost-Diät den Speiseplan vollständig auf ungekochtes Obst und Gemüse um, kann das durchaus Bauchgrummeln und Bauchweh verursachen. Der Magen-Darm-Trakt kämpft dann, um der Rohkost die Nährstoffe entziehen zu können. Einzelne Rohkosttage sind völlig okay. Doch zu viel Rohkost kann am Ende doch zur Mangelernährung führen, weil viele, gute Lebensmittel wie Hülsenfrüchte weggelassen werden müssen.

 

Ernährung mit Rohkost: Das steckt hinter dem Prinzip

In bestimmten Fällen hat das Erhitzen von Lebensmitteln einen ernährungsphysiologischen Nutzen. So wird etwa bei Kartoffeln unverdauliche Stärke in verdauliche umgewandelt und Stoffe in Hülsenfrüchten, die die Eiweißverdauung hemmen (Fraßgifte), werden deaktiviert. Viele Fleisch- oder Fischarten sowie Getreide werden durch den Prozess bekömmlicher oder überhaupt erst genießbar. Die Pasteurisierung von Milchprodukten verhindert die Kontamination durch Bakterien.

Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass andere Nährstoffe beim Erhitzen geschädigt oder zerstört werden und dann nur leere Kalorien hinterlassen. Dies ist vor allem bei Obst und Gemüse der Fall. Werden diese Lebensmittel hingegen roh verzehrt, bleiben Vitamine und Mineralstoffe in ihrer Reinform erhalten und können vom Körper optimal verwertet werden. Soweit die Theorie.

Genau darin liegt das Prinzip der Rohkosternährung. Die Nahrungsmittel, die Sie während dieser Diät zu sich nehmen, sollten immer ungekocht und unverarbeitet sein, denn nur so entfalten sie laut den Befürwortern der Diät ihre maximale Wirkung und beinhalten keine gefährlichen Zusatzstoffe. Je nach Rohkost-Variante umfasst das Ernährungskonzept entweder ausschließlich nicht erhitzte pflanzliche Produkte oder aber auch Lebensmittel, die verfahrensbedingt unter bestimmten, niedrigen Temperaturen erhitzt wurden. Zu diesen zählen zum Beispiel Honig, Öle, Trockenobst, Trockenfleisch und -fisch oder kalt Geräuchertes.

 

Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten: So sieht es mit der Rohkost wirklich aus

Natürlich ist die Annahme der Rohköstler, dass viele Nährstoffe durch das Erhitzen zerfallen und nicht mehr optimal nutzbar sind, wissenschaftlich begründet. Dies ist bei vielen Vitaminen der Fall, etwa beim wichtigen Vitamin C – hier kann bereits eine unsachgemäße Lagerung dazu führen, dass der Gehalt in den Lebensmitteln schwindet. Werden Obst und Gemüse aber roh konsumiert, stellen Sie tatsächlich eine optimale Versorgung sicher.

Allerdings trifft dies nicht auf alle Nährstoffe zu. Vitamin A und E zum Beispiel werden erst durch das Erhitzen der Nahrung für unseren Körper optimal bioverfügbar, also aufnahmefähig. Es gibt weiterhin auch Lebensmittel, die unserem Körper in rohem Zustand Vitamine entziehen. So führt der Verzehr von rohen Eiern durch das im Eiklar enthaltene Avidin dazu, dass Vitamin H, auch als Biotin bekannt, daran gebunden wird und ein Mangel auftreten kann. Rohe Schalentiere und Süßwasserfische bauen hingegen Vitamin B1 ab. Eine Langzeitstudie aus Gießen zeigte weiterhin, dass Rohköstler auch einen Mangel an Eisen, Magnesium, Calcium, Zink, Jod und Vitamin B2, B12 sowie D aufzeigen können.

Rohkost führt also sowohl zu einer erhöhten Aufnahme bestimmter Nährstoffe, andere werden dem Körper hingegen nur unzureichend zugeführt. Daher ist es bei dieser Ernährungsweise wichtig, sich ausgiebig mit den erlaubten Lebensmitteln zu beschäftigen, sein Blut regelmäßig auf Mängel überprüfen zu lassen und in gegebenem Fall die fehlenden Vitamine und Mineralien durch Präparate zu supplementieren.

 

Die gesundheitlichen Vorteile: Darum tut Rohkost Ihrem Körper gut

Eine Ernährung, die reich an Rohkost ist, hat dennoch viele Vorteile. Wie bereits erwähnt ist die Diät bezüglich gewisser Vitamine und Mineralien sehr nährstoff- und energiereich. Dafür ist sie trotzdem sehr kalorienarm und hält lange satt, vor allem, da man gründlich kauen muss. Daher ist Rohkost auch oft ein wesentlicher Bestandteil jedes ausgewogenen Diätplans.

Die vielen Ballaststoffe, die die meisten Lebensmittel enthalten, wirken sich positiv auf unsere Verdauung aus. Auch der Cholesterinspiegel kann durch eine Rohkosternährung sinken, was die Wahrscheinlichkeit von Bluthochdruck sowie Herz- und Gefäßkrankheiten verringert. Ein hoher Anteil an Rohkost in den Essgewohnheiten spart außerdem eine Menge Zeit, da umfangreiches und umständliches Kochen oftmals entfällt. Zu guter Letzt sei gesagt, dass eine Rohkosternährung trotz des Verzichts auf das Erhitzen der Lebensmittel sehr flexibel sein kann. Viele Rezepte von kalten Suppen über Smoothies bis hin zu Kuchen und Desserts gestalten den Speiseplan sehr abwechslungsreich.

 

Eine reine Ernährung von Rohkost birgt jedoch einige Risiken

Ein angemessener Rohkostanteil wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wärmstens empfohlen, denn unverarbeitetes Obst und Gemüse bringt, wie eben erwähnt, einen hohen Nutzen. Von einer Ernährung, die ausschließlich aus Rohkost besteht, raten Wissenschaftler aber generell ab. Die Kost an sich mag sich vielfältig gestalten lassen, dennoch ist das Spektrum an Nahrungsmitteln, auf die Sie als reiner Rohköstler verzichten müssen, enorm hoch und Ihr Speiseplan somit nicht ausgewogen genug.

Viele wichtige Nährstoffe befinden sich in Produkten, die ungekocht nicht genießbar sind oder aufgrund von Bakterien- oder Salmonellengefahr nicht konsumiert werden sollten. Damit keine Mangelerscheinungen auftreten, benötigen Sie enorm viel Erfahrung, was die Ernährung betrifft, und selbst dann kommen Sie höchstwahrscheinlich nicht umhin, einige Vitamine oder Mineralien durch Tabletten zu ergänzen. Auch die Menge an zugeführtem Eiweiß ist meist nicht ausreichend: Dies macht Rohkost vor allem für sportlich aktive Menschen eher ungeeignet.

Ein weiterer, wenn auch nur geringerer Nachteil: Die Ernährungsumstellung verursacht besonders zu Beginn oft Blähungen. Allerdings passiert dies bei vielen anderen Diäten auch, sobald sich der Speiseplan drastisch verändert.

 

Rohkost ist dennoch gesund: Aber in Maßen!

Die DGE empfiehlt Erwachsenen pro Tag etwa 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst zu essen. Die Hälfte davon sollte in roher Form zu sich genommen werden. Allerdings ist es nicht schädlich, sich über einen kürzeren Zeitraum vollends von ungekochten Lebensmitteln zu ernähren, wenn Sie darauf achten, was genau Sie essen. Langfristig ist eine reine Rohkosternährung jedoch nicht gesund für uns, da es nicht möglich ist, unserem Körper so alle benötigten Makro- und Mikronährstoffe in den benötigten Mengen zuzuführen. Wenn Sie sich also dafür entscheiden, mit Rohkost abzunehmen, machen Sie diese Diät am besten nicht länger als eine Woche am Stück, vor allem, wenn Sie ein umfassendes Sportprogramm integrieren möchten.

Statt einer wirklichen Rohkost-Diät ist es oft weitaus sinnvoller, nur gelegentlich Rohkosttage zu etablieren oder einfach jeden Tag etwas mehr Rohkost in den Speiseplan einzubeziehen. Denn obwohl ungekochtes Obst und Gemüse gesund ist, so sollte es nur einen großen Bestandteil unserer Ernährung ausmachen, jedoch nicht andere, ebenso wichtige Lebensmittel völlig ersetzen.