Plazenta-Stammzellen sollen Knochenbrüche heilen

Schneller fit nach Oberschenkelhalsbruch – dank Stammzellen aus dem Mutterkuchen

Wird eine Umfrage unter Patienten gemacht, wovor sie sich am meisten fürchten, so werden meist die Krankheiten Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt zuerst genannt. Diese Erkrankungen haben die Menschen mittlerweile auf dem „Radarschirm“. Doch die Statistiken belegen, dass vermeintlich harmlose Krankheiten direkt in der Liste der häufigsten Todesursachen folgen. So ist beispielsweise ein Oberschenkelhalsbruch bei älteren Menschen oft ein Grund für Bettlägerigkeit und geht mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit einher. Ein Sturz ist die häufigste Ursache für die sogenannte Femurhalsfraktur. Sie gilt als typische Folge von Osteoporose, dem Knochenschwund.

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Bei Osteoporose verlieren die Knochen an Festigkeit und brechen leichter. Häufig sind ältere Menschen betroffen. Bei ihnen können Stürze fatale Folgen haben. Oft kommt es zu Oberschenkelhalsbrüchen. Diese werden zwar operativ gerichtet, doch nicht alle Patienten schaffen es, wieder mobil zu werden. Es droht die Bettlägerigkeit und damit weitere Komplikationen wie Thrombosen und Lungenentzündungen. Nun sollen Stammzellen aus dem Mutterkuchen (Plazenta) den Heilungsprozess positiv beeinflussen und die Muskelregeneration nach der Operation forcieren.

 

Die konventionelle Behandlung besteht bislang in einem Richten des Bruches mit Nägeln und Schrauben. Nicht selten wird gleich ein komplett neues, künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Auf das Trauma des Bruches folgt also auch das Trauma des erforderlichen operativen Eingriffs. Bei der Operation werden zusätzlich noch weitere Muskeln verletzt. Viele Patienten schaffen es aufgrund ihres schlechteren Allgemeinzustandes nicht mehr, sich zu „berappeln“ und nach einem Oberschenkelhalsbruch das Bett wieder zu verlassen. Die Folge der Bettlägerigkeit sind weitere Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen. Für das Gesundheitssystem entstehen durch den höheren Pflegebedarf immense Kosten.

 

Bessere Muskelregeneration mit Stammzellen aus der Plazenta

Die Charité Berlin will gemeinsam mit der Abteilung für muskuloskeletale Zelltherapien am Berlin-Brandenburger Zentrum für Regenerative Therapien und dem Julius-Wolff-Institut neue Wege gehen. Es soll am Patienten ein neues Heilverfahren getestet werden. Zum Einsatz kommen dabei Stammzellen, die eine israelische Firma aus der Plazenta nach Kaiserschnitten isoliert und für den medizinischen Einsatz aufbereitet. Erste Studien verliefen sehr zufriedenstellend: Bei Patienten, denen die Stammzellen aus dem Mutterkuchen gespritzt wurden, heilten die Muskeln besser und waren hinterher sogar stärker.

Nun soll es eine doppelt-blinde Studie geben. Sie ist für 180 Patienten zugelassen. Die Wissenschaftler möchten mit ihrer Hilfe klären, ob die Plazenta-Stammzellen langfristig die Sterberate der Behandelten senken und die Lebensqualität erhöhen können. Sollten beide Ziele nachweislich erreicht werden, prophezeien Experten eine Revolution in der Orthopädie.

 

Stammzellen sollen Heilungsprozess positiv stimulieren

Die bisherigen Therapien konnten sich im Grunde genommen nur darauf konzentrieren, den Bruch zu reparieren. Die Mediziner haben kaum Möglichkeiten, den übrigen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und Heilungsprozesse zu beschleunigen.

Es besteht zwar heute bereits die Option, bei kleineren Knorpelschäden dem Patienten Zellen zu entnehmen, diese im Labor zu vermehren und später wieder einzusetzen. Jedoch ist der wichtigste Faktor hierfür die Zeit. Es dauert mindestens drei Wochen, bis die neuen Knorpelzellen in ausreichender Anzahl im Labor kultiviert sind.

 

Israelische Firma isoliert Stammzellen aus dem Mutterkuchen

Die israelische Firma Pluristem isoliert in ihren Labors in Haifa die Stammzellen aus der Plazenta. Die dafür benötigten Mutterkuchen stammen von gesunden Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben. Die Plazenta-Stammzellen bringen mehrere Vorteile mit sich: Sie gelten als pluripotent, sodass sie sich noch in viele verschiedene Zelltypen ausdifferenzieren können. Außerdem lösen sie keine Immunreaktion aus, sodass sie vom Immunsystem nicht als fremd erkannt und abgetötet werden. Gleichzeitig nisten sich diese Stammzellen auch nicht dauerhaft im Gewebe ein.

Ihre Wirkung besteht in der Produktion wichtiger Boten- und Aufbaustoffe. Über diese interzelluläre Kommunikation beeinflussen die Plazenta-Stammzellen den Heilungsprozess positiv.

Ab 2018 werden im Rahmen der Studie 180 Patienten mit Oberschenkelhalsbruch neben der Standardversorgung auch Stammzellen aus dem Mutterkuchen in die hüftumgebende Muskulatur gespritzt bekommen. Sie sollen den gefürchteten Muskelabbau verhindern und für eine schnellere Heilung sorgen.

Die Europäische Union fördert das Forschungsvorhaben mit rund 7,4 Millionen Euro.

 

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