Plazenta & Amnion: Biomaterial mit Superkräften

Stammzellen auf der Eihaut forcieren die Regeneration von Nerven und heilen Wunden

Ein Kind wird geboren. Welch ein freudiges Ereignis! Nach der Versorgung des neuen Erdenbürgers steht oftmals die Frage im Raum: Was geschieht mit der Nabelschnur und der Plazenta? Mediziner haben darauf eine konkrete Antwort: Gewebe-Recycling, um Patienten zu helfen! Doch noch wandern beide Gewebe leider viel zu häufig in den Klinikmüll. Das soll sich ändern!

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Nach der Geburt wird das Neugeborene abgenabelt. Bereits heute kann das Nabelschnurblut und die Nabelschnur für die Zukunft gesichert werden, denn beide sind reich an den Alleskönnerzellen „Stammzellen“. Doch in der Mehrzahl der Geburten wird die Nabelschnur aber auch die Plazenta einfach im Klinikmüll entsorgt. Dabei enthält die Eihaut, das Amnion, des Mutterkuchens ebenfalls viele Stammzellen mit einem enormen Potenzial.

 

In Notaufnahmen und Unfallchirurgien geht es häufig blutig zu. Die Rettungswagen bringen hierhin jene Menschen mit schweren Verletzungen: Kaputte Knochen, starke blutende Wunden oder schwere Verbrennungen – das ist für die dort tätigen Mediziner Alltag.

Auch wenn es ein anstrengender Tag war, viele Ärzte gehen nach Dienstschluss nicht gleich nach Hause, sondern machen sich auf den Weg ins Labor. Im Klinikalltag kommen viele Fragen auf, deren Beantwortung für die bessere Versorgung der Patienten essentiell sein könnte.

So hilft beispielsweise innovatives Wundversorgungsmaterial dabei, dass schwere oder schlecht heilende Wunden sich schneller schließen. Viele ehemals experimentelle Ansätze sind mittlerweile im Routineeinsatz angekommen.

 

Wissenschaft erkennt Heilpotenzial von Plazenta & Amnion

Neuestes Wundermittel im Fokus der Mediziner ist derzeit die Plazenta. Richtig gelesen: Der Mutterkuchen, der neun Monate lang das Baby in Mamas Bauch versorgte. Es geht den Ärzten garantiert nicht um die esoterische Kraft, die beim Plazenta-Essen auf die Frau übergehen soll, sondern es geht um die Stammzellen. Sie sind in großer Anzahl beispielsweise auf dem Amnion zu finden. Beim Amnion handelt es sich um die Eihäute, die auf der Plazenta sitzen und vom Fruchtwasser umgeben sind. Es handelt sich um eine glitschige, durchsichtige Haut. Von der Optik her lässt sie sich am besten mit nasser Frischhaltefolie vergleichen.

Normalerweise wird sowohl die Nabelschnur als auch die Plazenta nach der Geburt im Krankenhaus über den Klinikmüll entsorgt. Vielen Medizinern blutet dabei buchstäblich das Herz, denn sowohl die Nabelschnur als auch die Plazenta enthalten viele Stammzellen, die ein enormes Heilungspotenzial haben. Patienten mit starken Verbrennungen können beispielsweise von den Amnion-Stammzellen profitieren.

 

Nervenregeneration mit Hilfe des Amnions

Aktuell laufen Forschungen, ob das Amnion auch verletzte Nerven regenerieren kann. Kommt es zu einer Durchtrennung von Nervensträngen, dann können zwar die Chirurgen die Nervenenden oftmals operativ wieder zusammenfügen. Jedoch haben die Patienten als Langzeitfolgen oft mit starken Schmerzen zu kämpfen. Grund dafür ist eine Verletzung jener feinen Haut, die die Nerven umgibt und eine Schutzfunktion hat. Die Verletzung dieser Haut sorgt für Reizungen bei den Nervenzellen.

Die Wissenschaftler wollen versuchen, ob es gelingt, kaputte Nerven mit dem Amnion zu ummanteln. Bisherige Studien konnten belegen, dass die Eihaut nicht nur das Potential hat, die Schutzfunktion wiederherzustellen, sondern auch dafür sorgt, dass die verletzten Nerven besser heilen. Mittels Computertomografie kann diese Heilwirkung visuell dargestellt werden. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie die die Axone, die kleinsten Nervenstrukturen, dank des Amnions regenerieren. Die Forscher verdächtigen die im Amnion enthaltenen Stammzellen, die Regeneration verletzter Areale zu forcieren.

 

Aufbau des Amnions sorgt für Überraschungen

Im Zuge der genauen Analyse des Amnions gab es interessante Entdeckungen. Das Amnion hat zwei Seiten. Jede Seite trägt unterschiedliche Stammzellen. Die epitheliale Seite ist dem Fruchtwasser und damit dem Embryo zugewandt. Sie hat bessere Heilungseigenschaften als die der Mutter zugewandte Seite. Deswegen ist es nicht egal, welche der beiden Seiten auf eine Wunde aufgebracht wird.

Die Vielfalt der auf dem Amnion enthaltenen Stammzellen begünstig die Wundheilung und Geweberegeneration. Die Forscher vermuten: Dass es das Zusammenspiel der Zellen ist, die den Effekt forciert. Die Zellen kommunizieren untereinander sehr stark. Bildlich gesprochen, rufen sie sich zu, was sie genau benötigen. „Ich brauche Wachstumsfaktoren!“ Oder: „Ich brauche Energie! …“

Gerade die Mitochondrien scheinen ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Die Mitochondrien sind nämlich auch als Zellkraftwerke bekannt. Die sogenannten Organellen liefern jedoch nicht nur Energie, sondern sie sind auch an der Hormonproduktion, dem Eisenstoffwechsel und dem Kalziummetabolismus beteiligt.

 

Gewebe-Recycling hat womöglich große Zukunft

Dem Biomaterial Amnion wird eine große Zukunft vorausgesagt. Es ist definitiv zu wertvoll, um einfach weggeworfen zu werden. Dank des „Gewebe-Recyclings“ kann sich die Wundtherapie oder die Versorgung von Nervenverletzungen verbessern.

 

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