Parkinson: Veränderungen im visuellen System

Bei der Schüttellähmung kommt es auch zu Auffälligkeiten im visuellen System

Die Parkinson-Krankheit betrifft nicht nur kognitive und motorische Fähigkeiten. Sie scheint sich auch negativ auf das visuelle System auszuwirken. Das wurde kürzlich an der Mailänder Universität Vita-Salute San Raffaele entdeckt.

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Veränderungen im visuellen System treten bei Parkinson-Patienten häufiger auf. Die ersten Symptome hier gibt es sehr wahrscheinlich lange bevor es zu ersten motorischen Einschränkungen kommt. In Zukunft könnte sich daraus die Möglichkeit einer frühen Diagnose ergeben, wenn das visuelle System (Auge und Sehzentrum) als Spiegel der neurodegnerativen Erkrankung „Morbus Parkinson“ aufgefasst und noch weiter untersucht wird.

 

Über ihre Forschung berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Radiology.

 

Bei Parkinson-Patienten ist nicht nur das motorische System von Ausfällen betroffen

Parkinson, umgangssprachlich auch als „Schüttellähmung“ bezeichnet, betrifft nicht nur das motorische System, denn es kommt zu vielen weiteren Störungen bei den Patienten. Häufig beobachtet werden Demenz, Verstopfung, Schlafstörungen, Depressionen und Empfindungsstörungen, sogenannte Dysästhesien. Die Bandbreite der Symptome zeigt, dass von der neurodegenerativen Erkrankung auch andere zentrale Strukturen betroffen sein können. Die italienischen Autoren möchten ihre Kollegen explizit dafür sensibilisieren, dass die Parkinson-Patienten im Gespräch viele Symptome gar nicht nennen, da sie sich der Verbindung zur Grunderkrankung „Morbus Parkinson“ nicht bewusst sind. Die Folge: Die Symptome werden auch nicht behandelt. Es klafft womöglich eine Versorgungslücke.

So deuten Studien darauf hin, dass es bei Parkinson auch zu Störungen des visuellen Systems kommt. Sie gehen beispielsweise einher mit dem Verlust der Sehschärfe, Farbsehstörungen und trockenen Augen, da Patienten weniger blinzeln.

 

Vermutlich frühe Auffälligkeiten im visuellen System bei Schüttellähmung

Für ihre Studie untersuchten die Mailänder Forscher 20 Patienten, die erst kürzlich die Diagnose Schüttellähmung erhielten. Als Vergleichsgruppe fungierten gesunde Probanden. Bis zum Beginn der Studie waren alle Patienten unbehandelt, sodass eine Beeinflussung durch die Nebenwirkung von Medikamenten ausgeschlossen wurde. Beide Teilnehmergruppen wurden mit diffusionsgewichteten Aufnahmen und einer voxelbasierten Morphometrie im MRT sowie augenärztlich untersucht. Die diffusionsgewichteten Aufnahmen sollten Aufschluss über Veränderungen bei der weißen Substanz geben. Die voxelbasierte Morphometrie lässt Rückschlüsse auf die Konzentrationsfähigkeit zu.

Bei den Parkinson-Patienten fanden die Forscher deutlich mehr Auffälligkeiten im visuellen System als bei den gesunden Studienteilnehmern. Nachweisbar waren Veränderungen bei der Sehstrahlung, eine Reduktion der Konzentration der weißen Substanz, ein verschmälertes Sehnervenzentrum (Chiasma Opticum) sowie eine Alteration der Vernetzung.

 

Besseres Verständnis der Prozesse könnte frühe Diagnose durch Biomarker ermöglichen

Die Experten gehen davon aus, dass diese Veränderungen bei Parkinson bereits auftreten, lange bevor es zu ersten motorischen Symptomen kommt. Der Ansatz bietet die Möglichkeit einer Frühdiagnose durch sogenannte Biomarker. Je früher die Gabe der heute gängigen Parkinsonmittel erfolgt, desto länger ließe sich die Zerstörung der dopaminproduzierenden Nervenzellen aufhalten. Bislang existieren jedoch nur sehr wenige Studien, die sich mit den Beeinträchtigungen des visuellen Systems bei Parkinson-Patienten und dem Timing der Degeneration beschäftigen. Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich, denn Mediziner müssen diese Prozesse besser verstehen, um ihren Patienten helfen zu können. Die Ergebnisse dürften sich als sehr nützlich für die Diagnose und die Symptomkontrolle erweisen. Das Auge bietet damit bei Parkinson ein Fenster in den Körper und das visuelle System einen Spiegel für die Erkrankung des Gehirns.

 

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