Oktoberfest: Weißwurst richtig essen

10 Gebote, die Sie beim Weißwurst-Essen beachten sollten

Bald ist es wieder soweit: Das Münchner Oktoberfest öffnet seine Pforten und auch die anderen Volksfeste im Herbst werden mit Spannung erwartet. Wenn es heißt „O’zapft is!“ steht München Kopf und verwandelt sich in den größten Rummel der Welt. Zur Wiesn gehört eine kräftige Maß Weißbier, die Brezn und natürlich die Weißwurst genauso dazu wie das Amen in der Kirche.

Wer nicht in München wohnt und auch nicht zum Oktoberfest fahren kann, der kann sich trotzdem das originale Wiesn-Feeling nach Hause holen. Was beim heimischen Weißwurst-Essen zu beachten ist, hier kommen die 10 ultimativen Weißwurst-Gebote!

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Der gemeine „Preiß“ (also Nicht-Bayer) würde beim Anblick dieses Bildes sagen: „Das wird ein leckeres Weißwurst-Essen!“ Ein waschechter Bayer dagegen denkt „Oh, mein Gott, das geht so ja gar nicht!“ Beim Weißwurst-Essen lauert der eine oder andere Fallstrick. Das richtige Weißwurst-Essen will schließlich gelernt sein. Mit fanilien-gesundheit.de erlangen Sie das Weißwurst-Diplom.

 

1.) Niemals die Weißwurst schneiden, sondern immer zuzeln

Dem Münchner wird das korrekte Weißwurst-Essen fast zwangsweise in die Wiege gelegt. Der Rest der Republik – zumindest außerhalb Bayerns – tut sich damit deutlich schwerer, denn das Weißwurst-Essen wird als eigene Kunstform zelebriert. Und wer Messer und Gabel zu Hilfe nimmt, hat eigentlich schon die Kontrolle über sein Leben verloren. Wie funktioniert das richtige Weißwurst-Zuzeln?

  • Schritt 1: Nehmen Sie die Weißwurst in die Hand. Das untere Drittel wird mit Daumen und Zeigefinger gehalten und zum Mund geführt.
  • Schritt 2: Am oberen Ende beißen sie die Haut auf und saugen das Innere heraus. Genau dieser Vorgang wird mit dem Wort „Zuzeln“ beschrieben.
  • Schritt 3: Ist auf diese Weise die halbe Weißwurst verputzt, wird sie herumgedreht und mit Schritt 1 erneut begonnen.

 

2.) Niemals die Weißwurst kochen, immer nur brühen

Kein Bayer (und nein, auch kein Franke) würde auf die Idee kommen, eine Weißwurst ins sprudelnde Kochwasser zu geben. Das ist eine Todsünde! Weißwürste werden lediglich gebrüht. Dafür muss zunächst das Wasser in einem Topf zum Kochen gebracht werden. Anschließend wird der Kochtopf von der Platte gezogen. Er jetzt kommen die Weißwürste ins heiße Wasser und dürfen dort ca. 10 Minuten ziehen.

 

3.) Nur eine warme Weißwurst schmeckt richtig gut

Stilecht werden die frisch aufgebrühten Weißwürste in einer Terrine serviert. Sie kommt samt Deckel auf den Tisch. Im Idealfall werden die Weißwürste nämlich erst zum direkten Verzehr aus dem heißen Wasser geholt. So haben sie keine Chance, lauwarm oder sogar kalt zu werden, denn nur eine heiße Weißwurst ist eine gute Weißwurst. In allen anderen Temperaturstufen kann sie den Gaumen nicht mehr wirklich überzeugen.

 

4.) Für den Weißwurst-Topf gibt’s keinen Deckel

Wir haben ja schon gelernt, dass Weißwürste lediglich gebrüht werden, d. h. sie ziehen in ca. 70° C heißem Wasser. Während des Brühvorganges darf kein Deckel auf den Topf gelegt werden – vermeintlich in der guten Absicht, dass das Wasser so nicht so schnell abkühlen kann.

Die Haut der Weißwurst ist äußerst empfindlich. Beim Abnehmen des Deckels könnte sie einen Kälteschock bekommen und einreißen. Dann würde sich das Weißwurstbrät in den Topf ergießen. Die Folge wäre ein wenig appetitlicher Weißwurstbrei. Das „Malheur“ lässt sich jedoch leicht mit der richtigen Behandlung der Weißwurst vermeiden.

 

5.) Das 12-Uhr-Läuten darf die Weißwurst niemals hören

Früher gab es keine ausreichenden Kühlmöglichkeiten und das Weißwurstbrät war ein fragiles Gut. Es konnte sehr schnell verderben, deswegen mussten die Würste zügig verzehrt werden. Wenn der Fleischer die Würste in der Frühe herstellte, sollten sie bis mittags verspeist sein. Die Kirchturmuhr gab mit ihrem 12-Uhr-Geläut den Takt vor.

Heute ist diese Regel nicht mehr so strikt einzuhalten, denn unter modernen Kühlbedingungen halten sich Weißwürste im Kühlschrank relativ problemlos zwei Tage.

Dennoch, der echte Weißwurst-Fan besteht darauf, seine Weißwurst vor 12 Uhr zu essen, nur dann entfaltet sie wegen der Frische ihr volles Aroma.

 

6.) Die Original-Weißwurst besteht aus überwiegend Kalbfleisch

Das Rezept für die originale Weißwurst ist streng reglementiert. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten setzt fest, dass die Münchner Weißwurst aus mindestens 51 % Kalbfleisch bestehen muss und einen Fettgehalt von unter 30 % aufzuweisen hat. Außerdem dürfen es nicht mehr als 10% Häutelwerk sein. Weitere erlaubte Zutaten sind Schweinespeck und Kalbskopffleisch. Als Gewürze gehören Salz und Pfeffer sowie Petersilie, Zwiebeln, Macis und Zitronenpulver ins Brät. Es gibt auch noch Quellen, die Ingwer und Kardamon aufführen. Zum Kuttern des Bräts dürfen die Fleischer Eis hinzufügen, um die Masse vor Überhitzung zu schützen. Das war’s. Mehr ist beim „Weißwurst-Reinheitsgebot“ an Zutaten nicht erlaubt.

 

7.) Die Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst kämpfte für die Weißwurst

2009 beendete das Bundespatentgericht den sogenannten Weißwurstkrieg. Die „Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst“ wollte durchsetzen, dass sich nur jene Weißwürste „Münchner Weißwürste“ nennen dürfen, die auch in der bayerischen Landeshauptstadt hergestellt wurden. Der eingereichte Antrag wurde jedoch vom Bundespatentgericht abgewiesen. Das Gericht begründet die Ablehnung damit, dass Weißwürste keine ausschließlich Münchner Erfindung seien, sondern auch aus anderen Regionen Bayerns kommen können. Die Weißwurst ist damit zwar amtlich als bayerisches Nationalgut bestätigt, aber die Münchner haben keine Exklusivrechte darauf.

 

8.) Es gibt auch eine Hamburger Weißwurstvariante

Wenn eine Wurst einen solchen Siegeszug wie die Weißwurst antritt, dann lassen regionale Ableger und Varianten nicht lange auf sich warten. Gemeinhin dürfte die Hamburger Weißwurst der Exot unter den Weißwürsten sein, denn die Hanseaten haben zum Grundrezept noch Fisch, genauer Kaviar, hinzugefügt. Das mag auf den ersten Blick recht ungewöhnlich erscheinen, jedoch loben Gourmets den Wohlgeschmack der Hamburger Weißwurst explizit. Obwohl die Erfindung bereits im 19. Jahrhundert gemacht wurde, nahm sie die heutige „Fusion-Küche“ mit der Kombination aus Fisch & Fleisch vorweg.

 

9.) Je nach Standpunkt verrutscht der Weißwurst-Äquator

Für einen waschechten Bayern sind alle Nicht-Bayern einfach „Preißn“ (= Preußen). Und nur die Bayern zuzeln ihre Weißwürste. Daher verläuft der Weißwurst-Äquator irgendwo zwischen Bayern und dem Rest der Republik. Wo die Linie genau gezogen wird, ist immer auch ein bisschen abhängig vom Standpunkt des Betrachters: Die Münchner ziehen einfach einen Radius von ca. 100 Kilometern um ihre Stadt herum. Alles, was da außerhalb liegt, liegt demnach außerhalb des Weißwurstäquators und wird mit „die Fremde“ betitelt. In Schwaben, Oberbayern und Niederbayern geht man vom 49. Breitengrad als „Demarkationslinie“ aus oder nimmt einfach die Donau als natürliche Grenze. Fragt man die Norddeutschen nach dem Weißwurstäquator, wird ganz Süddeutschland durch ihn vom Rest der Republik abgeteilt. Und wird explizit ein Hamburger gefragt, so zieht er den Weißwurstäquator bereits direkt südlich der Elbe.

 

10.) Mia san mia und dahoam is so schee

Das Genießen einer Weißwurst ist nur dann öffentlichkeitstauglich, wenn es stilecht mit Brezn (= Brezel) und süßem Senf (= Weißwurst-Senf) erfolgt. Wer seine Weißwurst dagegen lieber mit Brötchen und Ketchup verdrückt, sollte besser einen gemütlichen Abend daheim planen. Er kann sich ja das Original-Wiesn-Feeling mit der Krachledernen bzw. dem Dirndl und dem Lebkuchenherz in die eigenen vier Wände holen. Da ist es schließlich auch immer wieder schön, nicht?!