Oktoberfest-Typen

Die Wiesn-Gäste etwas aufs Korn genommen

Das Müncher Oktoberfest vereint die Welt. Aus nah und fern strömen die Menschen zu Hundertausenden auf die Theresienwiese und wollen eine gute Zeit miteinander verbringen. Dass das Multikulti-Miteinander so perfekt klappt, verwundert bei näherer Betrachtung. Allein schon die Sprachbarriere: Während sich „Einheimische“ im tiefsten Bayerisch perfekt unterhalten, versteht der „Zugereiste“ fast nur Bahnhof. Die einen gehen in einer echten, sehr wertvollen Tracht auf die Wiesn, andere werfen sich in ein „Kostüm“ von „Oidi“. Und doch hat jeder Oktoberfest-Gänger seine Gaudi und zusammen feiern sie die beste Party der Welt!

Wem man auf dem größten Volksfest Deutschlands so alles begegnen kann, lesen Sie hier bei familien-gesundheit.de. Wir haben die sich auf dem Oktoberfest tummelnden Typen mit einem Augenzwinkern aufs Korn genommen und wagen uns an eine kleine Typologie.

© RitaE / pixabay.com

Unter den Trachtlern beim großen Trachtenumzug ist auch so manches Münchner Original dabei. Doch die „echten“ Münchner sind auf dem größten Volksfest eher eine bedrohte Gattung. In ihrer eigenen Heimatstadt scheuen viele den ganzen Wiesn-Wahnsinn.

 

Der Münchner

Den Münchner erkennen Sie daran, dass ihn das ganze Spektakel nix angeht. Er spaziert in Jeans über die Theresienwiese. Im Höchstfall schmeißt er sich noch in einen Janker, also eine Trachtenjacke. Der Münchner gehört der gehobenen Mittelschicht an und befindet sich bereits im gesetzteren Alter. Meist taucht er mittags im Biergarten auf und verspeist sein Hendl. Obwohl gut zwei Drittel der Oktoberfest-Gäste zum „Stamm der Bajuwaren“ gehören, warnen aufmerksame Wiesn-Beobachter, dass der Münchner eine bedrohte Wiesn-Spezies sei. Eigentlich meidet er die Partymeile, weil ihm das Volksfest in seiner Heimatstadt viel zu voll ist.

 

Der bayerische Partygänger

Unter Insidern ist dieser Typ Oktoberfest-Besucher auch unter dem Begriff „einheimischer Partymacher“ bekannt. Er ist um die 20 Jahre alt und hofft, auf dem Oktoberfest die Enge der bayerischen Provinz hinter sich lassen zu können. Sein Wiesn-Programm besteht daraus: An Samstagen frühmorgens vor den Festzelten auf Einlass zu warten, um einen Platz sicherzuhaben. Dort bleibt er bis zum Schankschluss (gegen 22.30 Uhr). Wenn es gut für ihn läuft, hat er es am Ende des Tages auf eine „Betriebstemperatur“ von 2,0 Promille geschafft. Wenn es eher schlecht läuft, landet er im Sanitätszelt. Doch auch ein dortiger Boxenstopp hält den bayerischen Partygänger nicht auf. Da das Oktoberfest bekanntlich bereits „mitten am Tag schließt“ (ab 23.00 Uhr beginnt die Security die Festzelte zu räumen), feiert er einfach auf der After-Wiesn-Party weiter. Am Sonntag-Vormittag geht es dann mit dem Zug zurück nach Hause. Beten Sie zu allen Göttern dieser Erde, dass Sie nicht mit ihm in einem Abteil sitzen und den Restalkohol mit allen unschönen Folgen ertragen müssen!

 

Der Trachtler

Wer echte Trachtler sehen möchte, der muss am ersten Sonntag aufs Oktoberfest. Dann startet nämlich der große Trachtenzug durch die Münchner Innenstadt zum Festgelände. Zum Anlegen der Tracht benötigen Frauen oft Stunden. Die historischen Gewänder bestehen meist aus vielen Schichten und jedes Detail muss am Ende stimmen. Da die echte Tracht von Generation zu Generation weitervererbt wird, kann sie einen Wert von mehreren Tausend Euro haben, wenn sie nochmals komplett wiederbeschafft werden müsste. Mit Mini-Dirndl aus dem Kostümverleih oder Billig-Lederhosen aus dem Angebot können Trachtler aus Überzeugung nichts anfangen. Auf diese „Aliens“ blicken sie gern etwas von oben herab. Dennoch kommt bei ihnen das bayerische Lebensmotto „Leben und leben lassen“ zum Tragen.

 

Bub/Madel

Für Kinder ist das Oktoberfest auf den ersten Blick ein wahres Paradies: Klebrige Zuckerwatte hier, da gebrannte Mandeln, zum Trinken eine süße Limo und für den kleinen Hunger eine Portion Pommes mit extra viel Ketchup. Ach ja, und Spaß muss man doch auch noch haben! Da warten beispielsweise Geisterbahn, Schiffsschaukel, Kinderkarussell, Wurfbude oder das Entenangeln. Bei näherer Betrachtung jedoch weist das scheinbare Eldorado schnell Risse auf. Vor allem kleine Kinder können vom Krach und den vielen Menschen Angst bekommen. Wer plötzlich Pippi muss (und das passiert Kindern immer), bekommt bei den langen Wegen Probleme. Es kommt auch immer wieder vor, dass im Wiesn-Gedränge Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Daher gibt es auf dem Oktoberfest nicht nur ein Fundbüro für allerlei abgegebenen Krimskrams, sondern auch eine Kinderfundstelle, die die kleinen Gäste auffängt und sich auf die Suche nach den Eltern macht. Es gibt zum Glück hier immer ein Happy End und die Jungen und Mädchen gehen gemeinsam mit den Eltern nach Hause.

 

Der Vegetarier

Veggieday auf dem Oktoberfest wäre noch in den 90er Jahren undenkbar gewesen. Man befindet sich schließlich auf bayerischem Boden und der Urbayer steht auf dem Standpunkt: „Fleisch ist mein Gemüse“ bzw. „Ich ess dem Viech das Futter nit wech“. Früher mussten Vegetarier auf dem größten Volksfest der Welt unter Umständen ein wenig darben oder die Verpflegung selbst mitbringen. Doch die Zeiten ändern sich. Heute bieten die Wirte durchaus auch vegetarisches Essen an. Und wer genau hinschaut, findet manchmal sogar eine vegane Alternative.

 

Maßkrugschläger und Maßkrugdieb

Beide Typen eint, dass sie wegen des traditionellen Bierkrugs letztlich mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wer den Krug als „schlagkräftiges Argument“ benutzt, hat zuvor den Bierkrug zu oft geleert und ist damit an der Talsohle seiner Beweisführung angekommen. Warum eine einfache Erklärung in einen Disput endete und dieser in eine kleine Auseinandersetzung ausartete, die sich zur Massenschlägerei entwickelte, müssen am Ende Gerichte klären. Doch das ist für die armen Richter ein kaum aufzulösender Fall.

Beim Maßkrugdieb ist die Sachlage dagegen viel eindeutiger. Er wollte einfach ein schickes Souvenir mit nach Hause nehmen (als könnte man auf der Wiesn sonst keine tollen Mitbringsel kaufen!). Doch Maßkrugdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt! Würden die Wiesn-Besucher in der ersten Woche alle ihre Bierkrüge mit nach Hause nehmen, säßen die Gäste allerspätestens in der zweiten Woche buchstäblich auf dem Trockenen. Die Festzelt-Wirte und Biergärten-Betreiber tun daher alles erdenklich Mögliche, um den Volkssport „Maßkrugdiebstahl“ in seine Schranken zu weisen. Wer als Maßkrugdieb erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen.

 

Der Taschendieb

Das Großereignis Oktoberfest zieht auch besondere „Künstler“ an. Den Taschendieb zeichnet seine Fingerfertigkeit aus, mit denen er ahnungslose Wiesngänger um ein paar Habseligkeiten erleichtert. Der Polizei sind vor allem organisierte Banden ein Dorn im Auge. Sie erleichtern gern mit billigen Tricks angetrunkene Besucher um Portemonnaie, Smartphone und Selfie-Stick. Viele Oktoberfestbesucher machen es den Taschendieben aber auch zu einfach. Daher sind auf dem Oktoberfest auch Taschendiebfahnder im Einsatz, die ein wachsames Auge auf das bunte Treiben haben, denn bekanntlich macht Gelegenheit auch Diebe.

 

Der Italiener

Um das Oktoberfest richtig genießen zu können, machen sich im Spätsommer Zehntausende Italiener mit ihren Wohnmobilen auf. Sie nehmen die Mühsal der Alpenüberquerung über den Brenner mit dem Camper auf sich und treffen sich alle am zweiten Wochenende auf der Theresienwiese mitten in München. Die Italiener sind auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu erkennen, denn sie passen sich an: Dirndl und Lederhosen gehören für sie mittlerweile fest zum „bayerischen Dolce Vita“. Ein typischer Anfängerfehler, der allerdings nur einmal im Leben den blutigen Neulingen passiert: Die Theresienwiese direkt als Wohnmobilstellplatz zu nutzen, auszusteigen und im Festzelt den ganzen Tag durchzufeiern. Dann allerdings kommt am späten Abend das schlimme Erwachen bei der vergeblichen Suche nach dem Schlafplatz. Das Wohnmobil wurde garantiert von der Polizei abgeschleppt. Dieses Ritual kann jedoch einen wahren Italiener nicht schrecken. Es gefällt ihm so gut, dass er im darauffolgenden Jahr wiederkommt und dann wieder und wieder und immer wieder. Das Oktoberfest-Lebensgefühl macht Italiener offenbar süchtig.

 

Der Australier

Der Australier bevorzugt ein längeres Warm-up. Bereits eine Woche bevor der Münchner Oberbürgermeister verkündet „O zapft is!“ fliegt der „Aussie“ von Down-Under bereits ein und landet auf dem Münchner Flughafen „Franz Josef Strauß“. Ab da beginnt das Aufwärmtraining. Es besteht aus „Eintrinken“. Das bayerische Bier weißt für Australier zwei Tücken auf: 1.) Es ist billiger als daheim. 2.) Es ist stärker als der australische Gerstensaft. Diese Kombination kann für manche fatal enden.

 

Der Norddeutsche

Die Norddeutschen trauen sich nur als Gruppe aufs Oktoberfest. Meist handelt es sich um Busgruppen, die als Stammtisch oder Verein einen Ausflug machen. Erkennbar ist dieser Oktoberfest-Typ am „trachtenähnlichen Outfit“, wie man karierte Hemden höflich bezeichnen können. Kariertes Hemd ist zwar Holzfällerstil, aber für Hanseaten passt das schon: Bayern und Holzfäller sind alles Hinterwäldler. Norddeutsche befinden sich übrigens auf „Safari“. Sie wollen echte „Einheimische“ sehen und versuchen sich daher im Smalltalk. Doch kein Bayer wird sich auf ein „Moin“ mit einem „Servus“ einlassen. Je mehr die Norddeutschen vom bayerischen Bier abbekommen, desto mehr zeigt sich, dass auch in ihnen eine bierlaunige Seele Platz hat.

 

Die Verweigerer

Es gibt in der Tat Menschen, die hassen die Wiesn. Es gibt wirklich gute Gründe, das Oktoberfest nicht zu mögen – beispielsweise: Wenn man große Menschenmassen beängstigend findet. Wenn man Lärm nicht mag. Wenn man Lederhosen und Dirndl als optische Belästigung empfindet. Wenn man Bier nicht verträgt. Wenn einem vom Karussellfahren speiübel wird. Wenn man es hasst, auf dem Nachhauseweg in Exkremente zu latschen. Das ist menschlich. Das ist verständlich. Was jedoch nicht verständlich ist, warum die Verweigerer dennoch auf einen Oktoberfestbesuch nicht verzichten können, alles ihrer Meinung nach Negative kommentieren müssen und so echte Spaßbremsen sind. Bleibt doch einfach „dahoam“!

 

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