Ökobilanz: Einwegwindel oder Stoffwindel?

Nachhaltigkeit beginnt auch an Babys Po

Windeln braucht jeder neue Erdenbürger. Doch welche Windel ist das Beste für Babys? Im Duell gegenüber stehen sich Einwegwindel und Stoffwindel. Die Redaktion von familien-gesundheit schaut in puncto Ökobilanz besonders genau hin.

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Babys brauchen Geborgenheit, Muttermilch und Schlaf. Außerdem brauchen Sie eine Windel, die verlässlich die Ausscheidungen auffängt. Eltern stehen daher vor der Entscheidung: Wickeln mit Stoffwindel oder mit Einwegwindel? Einfach soll es sein, sicher soll es sein und der Umwelt schaden will man selbstverständlich ebenso nicht, schließlich beginnt die Zukunft auch an Babys Po! Umweltverträglichkeit wird daher groß geschrieben. Deswegen soll die Ökobilanz, also die Umweltverträglichkeit, von Einwegwindel und Stoffwindel hier besonders im Fokus stehen.

 

Die ideale Windel muss ein Allrounder und Tausendsassa sein: Sie soll schonend zur Babyhaut sein und gleichzeitig schön trocken halten. Eltern legen Wert auf Alltagstauglichkeit und nach Möglichkeit soll der Einsatz die Umwelt nicht zu sehr belasten. Als Wickellösung müssen sich Eltern zwischen zwei Konzepten entscheiden: Die Einwegwindel oder die Stoffwindel. Jedes System hat seine individuellen Vorteile, bringt aber auch Nachteile mit.

 

Die Einwegwindel

Bei den Einwegwindeln handelt es sich um Wegwerfwindeln, d. h. sie werden einmal benutzt und dann zusammen mit dem großen und kleinen Geschäft in der Mülltonne entsorgt. Die Einwegwindeln sind beliebt und zuverlässig. Sie punkten besonders mit einer einfachen Handhabung, sodass es sich die Mehrzahl der frischgebackenen Eltern in der stressigen Anfangszeit für die Wickelmethode entscheiden.

 

Vorteile der Einwegwindel

Moderne Einwegwindel sind mittlerweile echte High-Tech-Produkte: Dank Jahrzehnte langer Entwicklung der Produzenten sind sie mittlerweile sehr dünn und damit auch sehr leicht. Das ist deutlich angenehmer fürs Baby. Dennoch besitzen sie eine sehr gute Saugkraft. Urin und Stuhl werden zuverlässig gebunden. Moderne Hightechwindel verfügen darüber hinaus über einen zuverlässigen Auslaufschutz. Das Innenleben einer Wegwerfwindel besteht aus Zellstoff und einem Superabsorger. Dabei handelt es sich um ein feines Granulat, dass bei Kontakt mit Flüssigkeiten aufquillt und sich in ein Hydrogel umwandelt. Die Superabsorber sind in der Regel Polymere, also Kunststoffe. Die clevere Kombination der verschiedenen Komponenten sorgt dafür, dass die Ausscheidungen des Babys sicher aufgenommen und verwahrt werden. Das überzeugt viele Eltern: Einwegwindel punkten bei den Vorteilen mit Einfachheit, Trockenheit und Auslaufschutz. Außerdem haben die Kleinkinder eine deutlich größere Bewegungsfreiheit. Sie können besser strampeln und krabbeln und bei diesen Aktivitäten ihr Körpergefühl entwickeln. Dass das Baby nicht so oft gewickelt werden muss, ist vor allem in der Nacht ein Argument, das Eltern überzeugt.

 

Nachteile der Einwegwindeln

Doch bekanntlich gibt es da, wo viel Licht ist, auch mehr Schatten. Einwegwindeln punkten nicht mit einer guten Atmungsaktivität. Und sie enthalten darüberhinaus auch Inhaltsstoffe, auf die die empfindliche Babyhaut reagieren kann. Die Kinder können bei Wegwerfwindeln schneller einen geröteten und später Wunden Po bekommen. Als Auslöser für die sogenannte Windeldermatitis sehen Experten vor allem die bei der Produktion von Wegwerfwindeln zum Einsatz kommenden Bleichstoffe und Mineralöle wie Paraffin.

 

Fokus Ökobilanz

Einen großen Minuspunkt für die Einwegwindel gibt es in puncto Ökobilanz. Die Herstellung der Wegwerfwindeln ist sehr aufwändig, denn sie verschlingt viele Ressourcen. Nach der Benutzung erhöhen die Einwegwindeln das Müllaufkommen deutlich. Rund zehn Prozent des deutschen Restmülls, also des Mülls, der sich nicht mehr recyceln lässt, machen die wegwerfwindeln aus. Tag ein, Tag aus landen rund acht Millionen Einwegwindeln im Müll. Die Abfallbeseititungswirtschaft hat nur eine Chance: Die Windeln werden in Müllverbrennungsanlagen verbrannt, denn eine Kompostierung ist nicht möglich. Es würden mehrere hundert Jahre vergehen, bevor eine Einwegwindel verrottet ist.

Die Ökobilanz deutlich verbessern wollen sogenannte Öko-Einwegwindeln. Im Unterschied zu den herkömmlichen Wegwerfwindeln setzen sie auf nachwachsende Rohstoffe als Ausgangsmaterial. Die Hersteller verzichteten außerdem während des Produktionsprozesses auf Bleichmittel und Duftstoffe. Das schont die Umwelt zusätzlich. Einige der Öko-Einwegwindeln können in Teilen mit dem Biomüll entsorgt werden oder auf dem eigenen Komposthaufen landen. Im Vergleich zu herkömmlichen Einwegwindeln fällt daher die Bilanz der Öko-Einwegwindeln in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz deutlich besser aus.

 

Das Fazit der Redaktion von familien-gesundheit.de: Einwegwindel punkten mit ihrer Alltagstauglichkeit. Sie sind praktisch und halten schön dicht. Außerdem hat der Nachwuchs dank der Wegwerfwindel kein riesiges „Windelpaket“ am Popo und freut sich deswegen über die gewonnene, größere Bewegungsfreiheit. In Sachen Ökobilanz gibt es bei der Einwegwindel einen deutlichen Verbesserungsbedarf.

 

Stoffwindeln

Mit Stoffwindeln wickelten schon die Urgroßeltern die Oma. Doch heutige Stoffwindeln sind mit den alten Windeln kaum noch vergleichbar. Auch hier hat es wie bei den Einwegwindeln große Fortschritte gegeben. Mittlerweile wurden optimierte Lösungen entwickelt.

 

Vorteile der Stoffwindeln

Zwei Systeme haben sich durchgesetzt. Zum einen gibt es die zweigeteilte Variante der Mehrwegwindeln. Hier wird über die Saugwindel mit Vlies die auslaufsichere Überziehhose gezogen. Es gibt auf der anderen Seite jedoch auch Komplettsysteme, die ganz ähnlich wie die Wegwerfwindeln mit Druckknopf und Klettverschluss verschließbar sind.

Stoffwindeln werfen die verwendeten Naturmaterialien in die Waagschale, denn sie bestehen aus Wolle oder Baumwolle. Das macht sie hautverträglicher und atmungsaktiver als Einwegwindeln. Empfindliche Babyhaut neigt bei Stoffwindeln deutlich seltener zu Rötungen und Wundsein. Je nach System lassen sich die benutzten Windeleinlagen waschen oder im Müll entsorgen. Das Wickeln selbst benötigt etwas mehr Übung und dauert zumindest anfangs länger. Die Stoffwindeln haben jedoch keine so guten Saugeigenschaften wie die Wegwerfwindeln, daher müssen die Babys hier auch häufiger gewickelt werden. Das Stoffwindel-Paket benötigt außerdem unter der Kleidung mehr Platz, sodass die Kleinkinder nicht ganz so viel Bewegungsfreiheit beim Strampeln und Krabbeln haben.

Hebammen konnten außerdem beobachten, dass Stoffwindel-Kinder schneller lernen, aufs Töpfchen zu gehen. Die Begründung dafür klingt plausibel: Die Babys können bei Stoffwindeln früher ein besseres Gefühl für die eigenen Ausscheidungen entwickeln. Anders bei Wegwerfwindeln: Hier merken die Kinder gar nicht, dass der Popo unangenehm nass und feucht wird. Kinderärzte sehen einen weiteren Pluspunkt der Stoffwindel: Eltern wickeln mit der Stoffwindel ihren Nachwuchs automatisch breiter. Dies ist für die Entwicklung der Hüfte besser, denn es beugt Fehlstellungen vor.

 

Nachteile der Stoffwindeln

Doch auch die Stoffwindeln haben Nachteile. Ein Waschen und Trocknen ist unerlässlich. Der Reinigungsprozess frisst Zeit und Strom. In vielen Regionen gibt es sogenannte Windelservices. Hier holen die Anbieter die benutzten Stoffwindeln ab, waschen sie und bringen praktischerweise auch direkt frisch gewaschene Windeln wieder mit.

Bei den Mehrwegwindeln kommen Eltern mit einer Windel nicht weit. Im Gegenteil: Ein ganzer Schwung an Windeln und Einlagen wird benötigt. In der Erstanschaffung ist so ein Windelset natürlich erstmal teuer. Die Familie hat dann jedoch auch direkt ausgesorgt, bis das Kind trocken und sauber ist.

 

Fokus Ökobilanz

Spontan würde man meinen, dass die Ökobilanz der Stoffwindeln deutlich besser ist, da die Mehrwegwindeln als nachhaltiger wahrgenommen werden. Ihre Vorteile spielen die Stoffwindeln auch im Herstellungsprozess und den eingesetzten natürlichen Materialien wie Wolle und Baumwolle aus. Allerdings müssen Stoffwindeln nach Gebrauch gereinigt werden. Das macht zwar die Waschmaschine, jedoch benötigt diese Energie. Außerdem entstehen Abwässer, die in Kläranlagen aufwendig gereinigt werden müssen. Nur der Trockner macht die waschbaren Einlagen schön weich. Ein Trocknen an der Luft, was aus ökologischer Sicht für die Umwelt am besten wäre, macht die Einlagen meist rau und hart. Das wollen Eltern ihrem Baby in der Regel nicht antun.

 

Das Fazit der Redaktion von familien-gesundheit.de: Stoffwindeln sind durch die natürlichen Materialien nachhaltiger. Die bessere Atmungsaktivität lässt der Windeldermatitis weniger Chancen. Die Babys müssen jedoch öfters gewickelt werden. Auch ist die Bewegungsfreiheit nicht ganz so gut wie bei den Einwegwindeln. Windelservices können Eltern das Waschen und Trocknen der Stoffwindeln abnehmen. Der erforderliche Reinigungsprozess sorgt bei der Ökobilanz für einen deutlichen Punktabzug.

 

Zusammenfassung von familien-gesundheit.de

Ökobilanz von Einwegwindel & Stoffwindel

Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich hat die Ökobilanz von Stoffwindeln und Wegwerfwindeln untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, dass beide Systeme – je nach Standpunkt des Betrachters – gleich gut oder gleich schlecht sind. Die Vorteile und Nachteile muss daher jede Familie für sich selbst abwägen, um eine Entscheidung in der Frage „Wie wickeln wir unseren Nachwuchs?“ zu treffen!